Three Thousand Years of Longing
© Leonine

Three Thousand Years of Longing 

Three Thousand Years of Longing
„Three Thousand Years of Longing“ // Deutschland-Start: 1. September 2022 (Kino)

Inhalt / Kritik

Das Leben von Dr. Alithea Binnie (Tilda Swinton) lief zuletzt eigentlich in sehr geregelten Bahnen. So hat sie sich als Gelehrte der Erzähltheorie einen Namen gemacht, ihre Forschungen und Vorträge sind gefragt. Als sie für einen solchen in Istanbul ist, gerät jedoch alles durcheinander. Erst hat sie eine eigenartige Halluzination und bricht in Folge auf der Bühne zusammen. Als sie im Hotel eine antike Glasflasche, die sie zuvor auf einem Basar gekauft hat, genauer untersucht, macht sie auch noch die Begegnung eines Dschinns (Idris Elba). Dieser gewährt ihr treu der Tradition drei Wünsche, die er erfüllen werde. Nur will ihr partout nichts einfallen. Während er noch darauf wartet, endlich seine Macht auszuspielen und seine Freiheit zurückzuerlangen, erzählt er von seinem Schicksal und wie er überhaupt in der Flasche landete …

Eine gemischte Rückkehr

Wenn der australische Regisseur George Miller (Die Hexen von Eastwick, Mad Max) sich mit einem Film zurückmeldet, dann ihm ist die Aufmerksamkeit von Fans wie auch Filmmedien gewiss. Umso mehr, wenn er sich tatsächlich an einer neuen Geschichte versucht, anstatt die alten Franchises fortsetzen zu wollen. So wie jetzt bei Three Thousand Years of Longing. Sieben Jahre hat es gedauert, bis er nach dem gefeierten Mad Max: Fury Road endlich mal wieder etwas zu zeigen hat. Das Ergebnis ist jedoch anders, als man es angesichts der bisherigen Filmografie des Veteranen hätte erwarten können. Es ist auch umstritten, die Kritiken waren bei den Filmfestspielen von Cannes 2022, wo das Drama seine Premiere feierte, doch sehr gemischt.

Das mag auch daran liegen, dass hier auf ungewöhnliche Weise Geschichten miteinander verbunden werden und sich Genregrenzen aufzulösen beginnen. Anfangs meint man noch, dass die Adaption einer Kurzgeschichte von A. S. Byatt den Gegensatz von Mythos und Wissenschaft zum Thema hat. So entspricht Binnie dem Bild der nüchternen Forscherin, die nur für ihre Bücher lebt und mit dem emotional-intuitiveren Teil der Menschheit nichts zu tun hat. Nichts zu tun haben will. Im Laufe der Zeit kommen sie und der Dschinn sich aber näher, Three Thousand Years of Longing verwandelt sich zunehmend in ein romantisches Drama. Das ist durchaus legitim, viele Filme handelten schließlich von der menschlichen Liebe zu einem Fabelwesen – siehe etwa Die Schöne und das Biest.

Tolle Geschichten in einem mäßig spannenden Rahmen

Seltsam ist dabei jedoch, dass diese Annäherung nicht im Mittelpunkt der Erzählung steht, sondern drei Geschichten des Dschinns. In diesen erinnert er an seine vorherigen Erfahrungen mit den Menschen, die alle auf ihre Weise tragisch waren. Diese Geschichten haben nichts miteinander zu tun, folgen lediglich chronologisch aufeinander. Und auch der Bezug zur Rahmenhandlung ist recht dünn, wenn das magische Wesen keine Erkenntnisse gesammelt hat, die bei der Begegnung mit der Wissenschaftlerin von Nutzen wären. Three Thousand Years of Longing ist damit mehr ein Episodenfilm als ein narratives Werk, welches konsequent ein Thema verfolgen würde. Es gibt ein solches Thema überhaupt nicht.

Das muss nicht grundsätzlich verkehrt sein. Episodenfilme können durchaus Spaß machen. Tatsächlich sind die alten Geschichten, die der Dschinn mit dem Publikum teilt – Binnie wie auch den Menschen in den Kinos –, sehenswert. Die einzelnen Märchen sind fantasievoll. Sie sind auch schön umgesetzt und nehmen uns mit auf eine Reise in eine Vergangenheit, in der Magie noch Teil des Alltags war. Sie sind nur deutlich interessanter als die Rahmenhandlung: Obwohl diese mit Swinton und Elba sehr prominent besetzt wurde, hinterlässt sie gerade im weiteren Verlauf kaum noch Eindruck. Die große Romanze, welche Three Thousand Years of Longing zum Ende hin sein möchte, scheitert daran, dass sie zu wenig vorbereitet wird. Auch wenn das Tempo gering ist, wirkt das Finale überhastet. Es gelang Miller nicht so wirklich, die einzelnen für sich genommen sehenswerten Bestandteile zu einem stimmigen Ganzen zusammenzufügen.

Credits

OT: „Three Thousand Years of Longing“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: George Miller
Drehbuch: George Miller, Augusta Gore
Vorlage: A. S. Byatt
Musik: Tom Holkenborg
Kamera: John Seale
Besetzung: Tilda Swinton, Idris Elba, Aamito Lagum, Nicolas Mouawad, Ece Yüksel, Matteo Bocelli, Lachy Hulme, Megan Gale

Bilder

Trailer

Filmfeste

Cannes 2022

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Three Thousand Years of Longing 
fazit
Wenn in „Three Thousand Years of Longing“ eine Wissenschaftlerin und ein Dschinn aufeinandertreffen, lösen sich bald Grenzen auf. Das Drama ist in erster Linie für die fantasievollen und schön umgesetzten Erzählungen sehenswert, die der Dschinn mit dem Publikum teilt. Die Romanze zwischen den beiden überzeugt hingegen weniger, lässt einen trotz Starbesetzung kalt.
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7
von 10