Im Tal von Elah In the Valley of Elah
© Leonine

Im Tal von Elah

Im Tal von Elah In the Valley of Elah
„Im Tal von Elah“ // Deutschland-Start: 6. März 2008 (Kino) // 14. August 2008 (DVD)

Inhalt / Kritik

Das Leben von Hank (Tommy Lee Jones) und Joan Deerfield (Susan Sarandon) wird auf den Kopf gestellt, als ihr Sohn Mike (Jonathan Tucker) vermisst gemeldet wird, kurze Zeit nachdem dieser von seinem Einsatz im Irak zurückgekehrt ist. Wenig später bestätigen sich die furchtbarsten Erwartungen: Jemand hat den jungen Soldaten ermordet und die Leiche verstümmelt. Während die Polizei einen Mord im Drogenmilieu vermutet, ist sich Hank sicher, dass an der Geschichte mehr dran ist. Doch dabei stößt er auf eine Wand des Schweigens, niemand will den Fall weiter verfolgen. Lediglich die Polizistin Emily Sanders (Charlize Theron) schenkt ihm Glauben und beginnt, gegen den Widerstand von Militär und Polizei zu ermitteln …

Späte Kritik am Militär

Wenn in den USA Filme übers Militär produziert werden, dann läuft es meistens darauf hinaus, dass eine eindeutige Position pro oder contra bezogen wird. Während manche das Bild des Soldaten glorifizieren, darunter der Action-Hit Top Gun, sind andere deutlich kritischer. So finden sich – neben den klassischen Antikriegsfilmen – auch viele Beispiele, in denen das Militär als verschworene Gemeinschaft beschrieben wird, hinter deren Kulissen zahlreiche Verbrechen geschehen und vertuscht werden. Eine Frage der Ehre fällt einem da beispielsweise ein, bei dem schamlos gelogen wird, um den Tod eines jungen Mannes unter den Teppich zu kehren. Außenstehende bekamen sowieso keinen Einblick. Und auch intern wurde kräftig gemauert.

Bei Im Tal von Elah häufen sich früh die Anzeichen, dass der Film in eine ähnliche Richtung geht. Wobei sich Regisseur und Drehbuchautor Paul Haggis (L.A. Crash, 72 Stunden – The Next Three Days) dafür deutlich mehr Zeit lässt. Wo der obige Kollege gleich mit der Leiche beginnt, dauert es hier eine ganze Weile, bis überhaupt die Geschichte mal losgeht. Vorher geht es mehr darum, die Hauptfigur Hank vorzustellen, der die ganze Zeit über im Mittelpunkt stehen wird. Er ist jemand, der dem klassischen Bild des Militärs nachhängt, es dann aber zu hinterfragen beginnt, als sein Sohn zum Opfer wird. Ob er damit das Militär als solches und damit seine eigene Rolle anzweifelt oder es doch „nur“ um aktuelle Auswüchse geht, wird dabei nicht ganz klar. Der Film bleibt an der Stelle etwas schwammig.

Wenig subtil, aber eindrucksvoll

Dafür wird Haggis später seinem Ruf gerecht, nicht unbedingt der subtilste Filmemacher zu sein. Gerade L.A. Crash, immerhin mit dem Oscar als bester Film ausgezeichnet, stand immer wieder in der Kritik, seine Aussagen zum Thema Rassismus mit der Brechstange vermitteln zu wollen. Das ist bei Im Tal von Elah nicht anders, wenn er darin das Militär an den Pranger stellt. Ungewöhnlich ist dabei jedoch, die Art und Weise, wie er das tut. So verbindet er die dramatische Geschichte um ein Paar, das seinen Sohn verloren hat, mit einer Mördersuche. Tatsächlich erscheint der Film über längere Zeit wie ein klassischer Whodunnit-Krimi, wenn Hank und Emily Spuren suchen, Zeugen befragen und verschiedene Hypothesen nach und nach abklappern. Dass es dabei um mehr als nur irgendein Drogengeschäft geht, ist klar. Aber wer könnte ein Motiv gehabt haben, den Soldaten zu ermorden?

Die Auflösung ist nicht ganz das, was man im Vorfeld erwarten durfte, und hallt deshalb umso stärker nach. Und doch überzeugt Im Tal von Elah mehr im Hinblick auf die Familiengeschichte als auf den Krimipart, der oft nur die zweite Geige spielt. Haggis kann hierbei auf sein Ensemble erzählen. Vor allem natürlich Tommy Lee Jones, der hierfür seine bislang einzige Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller erhielt, darf glänzen. Susan Sarandon als seine von Trauer zerfressene Frau setzt in ihren leider nicht sehr zahlreichen Auftritten ebenfalls Glanzpunkte. Dass der Film seinerzeit ziemlich untergangen ist, ist daher schon schade. Trotz eines zuweilen etwas holprigen Inhalts handelt es sich um ein sehenswertes Drama über eine zunehmende Verrohung und den Preis, den wir dafür zu zahlen haben.

Credits

OT: „In the Valley of Elah“
Land: USA
Jahr: 2007
Regie: Paul Haggis
Drehbuch: Paul Haggis
Musik: Mark Isham
Kamera: Roger Deakins
Besetzung: Tommy Lee Jones, Charlize Theron, Susan Sarandon, Jonathan Tucker, James Franco, Josh Brolin, Frances Fisher, Wayne Duvall

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 2008 Bester Hauptdarsteller Tommy Lee Jones Nominierung
Venedig 2007 Goldener Löwe Nominierung

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Im Tal von Elah
Fazit
„Im Tal von Elah“ verbindet Familiendrama mit klassischem Krimi und deutlicher Kritik am US-amerikanischen Militär zu einem einzigen Film. Das klappt vom Zusammenspiel her nicht immer, subtil ist das hier sowieso nicht. Und doch hallt das Ende länger nach. Auch das Ensemble trägt dazu bei, dass die Suche nach dem Mörder eines Soldaten sehenswert ist.
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