Die Zukunft ist ein einsamer Ort
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Die Zukunft ist ein einsamer Ort

„Die Zukunft ist ein einsamer Ort“ // Deutschland-Start: 18. August 2022 (Kino)

Inhalt / Kritik

Nach dem bewaffneten Raub auf einen Geldtransporter muss Frank (Lucas Gregorowicz) eine Gefängnisstrafe von fünf Jahren antreten. Im Gefängnis erwartet ihn ein harter Alltag und es dauert nicht lange und der Einzelgänger wird von Mitgefangenen erpresst und bedroht. Zudem merkt er, dass neben den Wärtern zwei Cliquen das Sagen haben: zum einen wären da die deutschen Insassen und zum anderen die arabischen, angeführt von Fuad (Denis Moschitto). Außerhalb der Gefängnismauern verkaufte Fuad zusammen mit seinem Bruder Drogen, doch nach dem Absitzen seiner Strafe will er sich von diesem unabhängig machen und bereitet schon von seiner Zelle aus sich aus, auf diese Zeit vor. Behilflich ist ihm dabei die Wärterin Susanna (Katharina Schüttler), die ihm hilft, Drogen sowie Geld zu schmuggeln, und mit der er eine Beziehung führt. Trotz des Einflusses, den Fuad im Gefängnis genießt, will Frank mit diesem Kontakt aufnehmen, was sich als sehr gefährlich herausstellt. Was niemand ahnt, Frank ist vorsätzlich zum Straftäter geworden und will sich im Gefängnis an dem Mörder seiner Frau und seiner Tochter, nämlich Fuad, rächen.

Die Gitter und die Welt dort draußen

Nach ihrer Zusammenarbeit an dem Drogendrama Toro kommt mit Die Zukunft ist ein einsamer Ort die erste gemeinsame Regiearbeit Laura Harwarths und Martin Hawies in die deutschen Kinos, nachdem das Gefängnisdrama schon auf Festivals wie dem Film Festival Cologne 2021 gezeigt wurde. Unter der Vielzahl solcher Dramen war vor allem Jacques Audiards Ein Prophet eine wichtige Inspiration für Hawie und Harwarth, wobei sie jedoch, wie sie betonen, „etwas Surreales“ erzählen und sich deswegen von dem Realismus Audiards etwas distanzieren wollten.

Wo genau dieses surreale Element zu verorten ist in Die Zukunft ist ein einsamer Ort, erschließt sich nicht wirklich. Nicht nur ist der Fokus auf Realismus bisweilen hoch, ebenso verbindet das Verständnis des Gefängnisses als überspitzter Spiegel der Welt draußen die beiden Werke. Harwarth und Hawie nehmen sich Zeit, ihre Figuren zu etablieren sowie deren Welt, nach welchen Gesetzen und Hierarchien diese funktioniert und wie sensibel diese auf Störungen reagiert. Der Einzelne, wie Frank gleich bei seinem ersten Gang auf dem Gefängnishof deutlich gemacht wird, ist nichts wert und muss sich einer der Cliquen unterordnen, wenn er Respekt und Geld will, oder einfach nur überleben möchte. Der Staat ist durch die hohen Mauern und Gitter zwar symbolisch repräsentiert, doch als Ordnungsstifter hat er wenig Bedeutung, sodass der Direktor bisweilen hilflos erscheint in seinem etwas verzweifelt wirkenden Verlangen nach Ordnung.

„Wir sind hier alle eingesperrt.“

Die an sich einfach Prämisse des Rachedramas entwickelt sich immer mehr zu einer Geschichte einer Verwandlung. Lucas Gregorowicz hebt in seiner Darstellung die Entwicklung dieses sensiblen, von Trauer zerrütteten Menschen hervor, der durch seinen Wunsch nach Vergeltung sich immer mehr jenen Charakteren annähert, von denen er sich eigentlich distanzieren will. „Wir sind hier alle eingesperrt“, wie ihm die von Katharina Schüttler gespielte Wärterin Susanna versichert, wird zu einem Leitspruch, der auch für ihn gilt. Ihm gegenüber spielt Denis Moschitto nicht minder ausdrucksstark eine Figur, die besonders in der zweiten Hälfte sehr interessant wird, will er sich doch von seinem Bruder emanzipieren und verliert dabei zusehends die Kontrolle über seine ehemals so geregelte Welt.

Wie die bereits zitierte Inspiration der Filmemacher ist Die Zukunft ist ein einsamer Ort ein toll gespieltes Drama, welches gerade durch seine Figurenzeichnung besticht. Thematisch wird kein Neuland betreten, weder was das Gefängnis- noch was das Rachedrama angeht, was aber nicht unbedingt als Negativpunkt angesehen werden muss. Lediglich gegen Ende zerfasert die Handlung sehr und man merkt, dass trotz der guten Darsteller die Geschichte schon länger andauert, als ihr guttut.

Credits

OT: „Die Zukunft ist ein einsamer Ort“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Laura Harwarth, Martin Hawie
Drehbuch: Laura Harwarth, Martin Hawie
Musik: Gregor Keienburg
Kamera: Mathias Prause
Besetzung: Lucas Gregorowicz, Denis Moschitto, Katharina Schüttler, Daniel Wiemer, Ronald Kukulies, Slavko Popadic

Bilder

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Die Zukunft ist ein einsamer Ort
Fazit
„Die Zukunft ist ein einsamer Ort“ ist eine Mischung aus Rache- und Gefängnisdrama. Laura Harwarths und Martin Hawies Film überzeugt durch seine Darsteller sowie die Figurenzeichnung, kann seine Geschichte aber nicht zu einem zufriedenstellenden Schluss bringen.
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