Qu'est-ce qu'on a tous fait au Bon Dieu Monsieur Claude und sein großes Fest
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Monsieur Claude und sein großes Fest

„Monsieur Claude und sein großes Fest“ // Deutschland-Start: 21. Juli 2022 (Kino)

Inhalt / Kritik

Ein großes Jubiläum steht an im Hause Verneuil: 40 Jahre sind Claude (Christian Clavier) und Marie (Chantal Lauby) bald verheiratet! Klar dass ein solches Ereignis gebührend gefeiert werden muss. Und so beschließen ihre vier Töchter Odile (Alice David), Isabelle (Frédérique Bel), Ségolène (Émilie Caen) und Laure (Élodie Fontan), als Überraschung für die beiden ein Fest zu organisieren, zu dem die gesamte Familie hinzustoßen soll. Das bedeutet nicht nur, dass die vier ihre jeweiligen Männer David (Ary Abittan), Rachid (Medi Sadoun), Chao (Frédéric Chau) und Charles (Noom Diawara), mit denen Claude bis heute nicht wirklich warm geworden ist, da sein werden. Auch die Eltern der vier Schwiegersöhne wurden eingeladen und sorgen bald für jede Menge Chaos …

Aus Spaß am Alltagsrassismus

Eine Zeit lang galten französische Komödien als einer DER Heilsbringer schlechthin für das europäische Kino. Neben Ziemlich beste Freunde war es vor allem Monsieur Claude und seine Töchter, welche für viel Unterhaltung und pralle Kinokassen sorgten. Der humorvolle Umgang mit dem Alltagsrassismus eines älteren Franzosen, der auf einmal einen Schwarzen, einen Juden, einen Araber und einen Asiaten zum Schwiegersohn bekommt, lockte allein in Frankreich über 12 Millionen Menschen in die Lichtspielhäuser. Hierzulande waren es immerhin noch knapp vier Millionen, was 2014 mehr war, als die meisten Hollywood-Blockbuster von sich behaupten konnten. Fünf Jahre später versuchte man, mit Monsieur Claude 2 noch einmal an die glorreichen Tage anknüpfen zu können. Die Einspielergebnisse waren wie erwartet deutlich geringer, für sich genommen aber immer noch sehr gut.

Nun soll drei weitere Jahre später mit Monsieur Claude und sein großes Fest ein weiteres Mal Rassismus mit viel Ironie verkauft werden. In Frankreich war das noch einmal ein ganzes Stück weniger erfolgreich als der zweite Teil. Waren es vor einigen Jahren noch 6,7 Millionen Besucher und Besucherinnen, reichte es beim dritten Anlauf nur noch für 2,4 Millionen. Das hat sicher mit der sich veränderten Kinolandschaft zu tun, die im Zug der Corona-Pandemie kräftig gelitten hat. Derartige Einspielergebnisse gehören wohl der Vergangenheit an. Aber wahrscheinlich hat auch eine gewisse Sättigung stattgefunden. Was 2014 noch irgendwie frech und unerhört war, ist zwei Filme später längst Gewohnheit geworden. Man weiß hier einfach sehr gut, was einen bereits erwartet.

Auf der Suche nach Ideen

Eng damit verbunden ist ein grundsätzliches Problem von Philippe de Chauveron: Dem Regisseur und Co-Autor ist nicht so wahnsinnig viel eingefallen. Schon bei Monsieur Claude 2 tat er sich ein wenig schwer damit, neue Witze zu dem bewährten Szenario zu entwickeln. Bei Monsieur Claude und sein großes Fest hat man nun endgültig das Gefühl, bei einer Wiederholungsveranstaltung gelandet zu sein. Dass Claude asiatische Menschen nicht auseinanderhalten kann oder sich die arabische und die jüdische Familie bekriegen, das ist nun nicht gerade der Gipfel humoristischer Kreativität. Wenn dann doch mal etwas Neues versucht wird, zündet der Gag oft nicht so recht oder wird seinerseits so oft wiederholt, bis nichts mehr übrig bleibt.

Gut möglich, dass sich de Chauveron und sein Mitautor Guy Laurent auch einfach übernommen haben bei dem Versuch, so viele Figuren auf einmal behandeln zu wollen. Schon die Grundkonstellation aus zwei Eltern, vier Töchtern und vier Schwiegersöhnen führte dazu, dass nicht alle wirklich viel Zeit zur persönlichen Entfaltung bekamen. Bei Monsieur Claude und sein großes Fest wollen auch noch die vier anderen Elternpaare untergebracht werden. Und weil das immer noch nicht reichte, darf der in Frankreich lebende deutsche Schauspieler Jochen Hägele noch einen schmierigen Kunsthändler verkörpern, der sich in die Familie einzukaufen versucht. Das führt dazu, dass die meisten Figuren letztendlich nur einen Witz abbekamen, der die ganze Zeit ausgepackt wird und bis zum Ende reichen muss.

Nur hin und wieder amüsant

Damit ist der Film gleichzeitig überfrachtet und ein wenig leer. Eine lose Nummernrevue, der ein festes Konzept fehlt und die dabei ihren Biss verloren hat. Das soll dann nicht bedeuten, dass die Komödie schlecht wäre. In den anderthalb Stunden finden sich immer mal wieder amüsante Momente. Pascal N’Zonzi, der bereits zum dritten Mal den ivorischen Pascha André spielt, ist beispielsweise immer für einen Lacher gut, als Gegenstück zum verbohrten Titelhelden. Auch die sich ständig verändernden Allianzen innerhalb der Großfamilie erinnern daran, welches Potenzial in dieser eigentlich schlummert. Es gelingt bei Monsieur Claude und sein großes Fest nur zu selten, dieses auch wirklich abzurufen.

Credits

OT: „Qu’est-ce qu’on a tous fait au Bon Dieu ?“
Land: Frankreich
Jahr: 2021
Regie: Philippe de Chauveron
Drehbuch: Philippe de Chauveron, Guy Laurent
Musik: Matthieu Gonet
Kamera: Christian Abomnes
Besetzung: Christian Clavier, Chantal Lauby, Ary Abittan, Medi Sadoun, Frédéric Chau, Noom Diawara, Frédérique Bel, Émilie Caen, Élodie Fontan, Alice David, Pascal N’Zonzi, Salimata Kamate, Daniel Russo, Nanou Garcia, Abbes Zahmani, Farida Ouchani, Bing Yin, Li Heling, Jochen Hägele

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Monsieur Claude und sein großes Fest
Fazit
„Monsieur Claude und sein großes Fest“ versucht, den beiden erfolgreichen Vorgängern noch eins draufzusetzen, indem jetzt auch noch alle Eltern der Schwiegersöhne zusammenkommen. Das Ergebnis ist jedoch nur hin und wieder geglückt: Das Drehbuch ist mit den vielen Figuren überfordert, es reicht oft nur für Wiederholungen von Witzen, die schon beim ersten Mal nicht sehr einfallsreich waren.
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