We Still Say Grace
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We Still Say Grace

„We Still Say Grace“ // Deutschland-Start: 29. April 2022 (DVD/Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Eigentlich hatten Fisher (Dallas Hart), Randy (Frankie Wolf) und Luke (Xavier J. Watson) nur einen schönen entspannten Round Trip durch die USA geplant, als ein platter Reifen diesen Plan vorzeitig zunichtemacht. Und das auch noch mitten im Nirgendwo. Glück im Unglück: In der Nähe entdecken sie ein kleines Familienhaus, wo Harold (Bruce Davison) gemeinsam mit seiner Frau Betty (Arianne Zucker) und den beiden Teenage-Töchtern Maggie (Holly Taylor) und Sarah (Rita Volk) lebt. Zu ihrer Enttäuschung teilt der ihnen mit, dass er kein Telefon hat und auch meilenweit niemand anderes hier lebt. Er verspricht ihnen aber, bei dem Wagen helfen zu wollen und lädt sie sogar ein, so lange bei ihnen zu bleiben und mit ihnen zu essen. Dabei dauert es nicht lange, bis es zu ersten Konflikten kommt, ist Harold doch ein religiöser Fanatiker, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Welt nach seinen Vorstellungen zu formen …

Die Bedrohung im Nirgendwo

Eine der vielen Erkenntnisse, die man nach einem langen Filmleben gewonnen hat: Wann auch immer du Menschen begegnest, die ganz allein in einer abgelegenen Gegend wohnen, dann hau so schnell ab, wie du kannst. Denn das bedeutet meistens nichts Gutes. Bei The Hills Have Eyes oder Wrong Turn entpuppen sich die Einheimischen als Kannibalen. Zuletzt gab es mit Wicked Witches und Hellbender zwei Filme, bei denen harmlos dreinschauende Frauen in der Einöde in Wahrheit Hexen sind. We Still Say Grace präsentiert nun eine ganz eigene Form von Monstern in menschlicher Verkleidung: religiöse Spinner. Dabei geht es hier mal nicht um Islamisten, die irgendwelche Terroranschläge planen. Auch im Christentum gibt es Raum für Fundamentalisten, die anderen ihre krude Weltsicht aufdrängen wollen.

Dass das hier über bloße Belästigungen hinausgeht, die man etwa mit den herumziehenden Heilsbringern in Einkaufsstraßen verbindet, wird gleich zu Beginn klar. We Still Say Grace fängt – so viel muss man dem Film lassen – mit einer recht verstörenden Szene an, welche den religiösen Fatalismus von Harold verdeutlicht. Da muss getan werden, was Gott verlangt, wobei offenbleibt, ob er damit auf ein spirituelles Konzept oder sich verweist. Und in dem Moment weiß man nicht so genau, was schlimmer ist: auf ihn zu hören oder nicht. Das Publikum ist so gleich im Bilde, mit welchen Abgründen es die drei jungen Männer zu tun bekommen. Diese Erkenntnis werden die drei selbst erst noch erarbeiten müssen, was naturgemäß mit einigen hohen persönlichen Opfern einhergeht. So ein Thriller will schließlich die Zuschauer und Zuschauerinnen auf die Folter spannen.

Eskalation im Schritttempo

Dabei müssen diese aber überraschend viel Geduld mitbringen. Auch wenn früh klar ist, dass das alles ganz böse ausgehen muss und die Geschichte von einer unheilvollen Atmosphäre begleitet wird: Viel konkreten Anlass zur Furcht gibt es nicht. Tatsächlich dauert es in We Still Say Grace ewig, bis die Handlung mal ein bisschen in die Gänge kommt. Konflikte gibt es zwar nicht zu knapp. Das bleibt nicht aus, wenn eine eingeschworene Gemeinschaft auf Leute stößt, die nicht die eigene Weltsicht teilen. Brad Helmink und John Rauschelbach, die gemeinsam Regie führten und das Drehbuch schrieben, machen daraus aber relativ wenig. Vor allem geht damit keine wirkliche Entwicklung einher. Lediglich Sarah, die schon bei der besagten Einstiegsszene Vorbehalte zeigte, kommen zunehmend Zweifel, ob der Weg der Familie wirklich ihr eigener ist.

Nachwuchsschauspielerin Rita Volk hat damit die mit Abstand dankbarste Rolle innerhalb des siebenköpfigen Ensembles. Aber auch Bruce Davison (The Manor, Any Bullet Will Do – Um Gnade muss man flehen) hat einige eindrucksvolle Szenen, wenn er nach und nach dem Wahn mehr Platz einräumt. Die anderen fünf bekommen hingegen insgesamt eher weniger zu tun. Helmink und Rauschelbach fiel zu ihnen nicht wirklich viel ein. Da inszenatorisch jetzt ebenfalls keine kreative Meisterleistung gezeigt wurde und die Geschichte trotz einiger Wendungen nicht viel zu erzählen hat, kommt der Film nicht wirklich übers Mittelmaß hinaus. Fans solcher Werke können natürlich trotzdem reinschauen und sich über die menschlichen Abgründe gruseln. Oder sie warten noch ein paar Wochen, bis X im Kino läuft und aus dem Szenario „junge Menschen begegnen in der Einöde einer Horrorfamilie“ deutlich mehr herausholt, inhaltlich wie audiovisuell.

Credits

OT: „We Still Say Grace“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Brad Helmink, John Rauschelbach
Drehbuch: Brad Helmink, John Rauschelbach
Musik: Mel Elias
Kamera: Douglas Quill
Besetzung: Bruce Davison, Holly Taylor, Rita Volk, Arianne Zucker, Dallas Hart, Frankie Wolf, Xavier J. Watson

Bilder

Trailer

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We Still Say Grace
Fazit
Wenn in „We Still Say Grace“ drei junge Männer an die zurückgezogen lebende Familie eines religiösen Spinners geraten, weiß das Publikum schnell, was Sache ist. Das fängt eindrucksvoll an, auch zum Ende hin geschieht einiges. Zwischendurch gibt es aber viel Leerlauf, es fehlen sowohl inhaltlich wie inszenatorisch die Ideen.
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