Kritik

Any Bullet Will Do

„Any Bullet Will Do“ // Deutschland-Start: 20. Mai 2020 (DVD/Blu-ray)

Als Kopfgeldjäger ist es Hollis (Kevin Makely) gewohnt, keine Gnade zu zeigen: Wen auch immer er erledigen muss, um sein Geld zu bekommen, den erledigt er. Für Gefühle gibt es in seinem Beruf keinen Platz. Seine neueste Mission ist hingegen durchaus mit Gefühlen verbunden, sehr vielen sogar. Schließlich hat er den Auftrag erhalten, seinen Bruder Everett (Todd A. Robinson) zu töten, der als Outlaw die Gegend unsicher macht und den er für den Tod seiner Geliebten verantwortlich macht. Dabei helfen soll ihm die Trapperin Rose (Jenny Curtis), die sich in den verschneiten Bergen Montanas auskennt. Einfach wird diese Aufgabe dennoch nicht, da Everett ebenso wenige Skrupel hat und nur darauf wartet, sich mit seinem Bruder zu messen …

Die weite Prärie, trockene Wüstengegenden mit vereinzelten Bergen und Schluchten, das sind so die Bilder, die einem in dem Kopf kommen, wenn man an Western denkt. Dabei gibt es in dem Bereich noch ganz andere Möglichkeiten als die üblichen Kombinationen aus gelben und roten Farbtönen. Weiß zum Beispiel. Denn davon gibt es in Any Bullet Will Do – Um Gnade muss man flehen jede Menge zu sehen, wenn es nach einem kleineren Vorgeplänkel hinauf in die Berge geht, wo irgendwo der gesuchte Verbrecher sein soll. Und eben Schnee, jede Menge Schnee. Denn wie lässt sich besser verdeutlichen, dass man es hier mit rauen, echten Kerlen zu tun hat, als sie in der rauen, echten Natur unterzubringen, fernab von jeglicher Zivilisation?

Sehenswerte Schneelandschaften
Das kann man als blödes Klischee empfinden, als wenig einfallreich. Aber es funktioniert. Any Bullet Will Do – Um Gnade muss man flehen gewinnt natürlich nie die Intensität von etwa The Revenant – Der Rückkehrer, das ebenfalls Wildnis-Survival mit Rache-Drama kombiniert. Dort war die visuelle Pracht doch noch mal ein paar Stufen weiter oben angesiedelt. Andererseits kann nicht jeder Massen an Geld zur Verfügung haben oder einen oscarprämierten Kameramann, der Landschaften noch einmal eine besondere Perspektive abgewinnen kann. Für eine Low-Budget-Produktion geht das hier auf jeden Fall in Ordnung, die Bilder gehören zu den stärkeren Elementen des Films.

Ebenfalls lobenswert ist, dass Rose als Quotenfrau nicht allein darauf reduziert wird, als Love Interest durch den Schnee zu tollen. Tatsächlich steht sie durchaus ihren Mann, kann sich allein durch die Wildnis durchschlagen und findet ihre persönliche Erfüllung nicht darin, dass sie am Ende einem starken Kerl in die Arme fallen darf. Ganz ohne emotionale Komponente kommt das zwar nicht aus, dass sie und Hollis sich im Laufe ihrer Reise näherkommen dürfen, eigentlich auch müssen, das gehört zum Plan dazu. Es stört hier aber nicht übermäßig, zumal eben auf die typische Rollenverteilung verzichtet wurde.

Ein bisschen viel Nichts
Tatsächlich interessant sind die Figuren jedoch nicht. Da hat Regisseur und Drehbuchautor Justin Lee nicht genügend Arbeit investiert. Auch der Konflikt zwischen den beiden Brüdern hätte mehr Feinschliff vertragen, da wird schon sehr schematisch vorgegangen und mit einer doch ärgerlichen Gut-Böse-Anordnung. Zumindest wird vom Publikum erwartet, dass es Partei für Hollis ergreift, der sich zwar einen moralisch fragwürdigen Beruf ausgesucht hat, im Vergleich zu seinem rassistischen und brutalen Bruder dennoch das kleinere Übel ist. Schließlich muss man ja für eine von beiden Seiten sein, um an der Dramatik teilhaben zu können.

Die Konstellation, dass es hier zwei Brüder sind, die gegeneinander antreten, ist dabei durchaus noch reizvoll. Lee begnügt sich aber mit den Endergebnis, obwohl es deutlich spannender gewesen wäre herauszufinden, wie die beiden so unterschiedlich werden konnten. Trotz regelmäßiger Ausflüge in die Vergangenheit in Form ausufernder Dialoge arbeitet sich das jedoch nur wenig heraus. Geredet wird zwar viel, zu viel, um auch mal das Ambiente zu genießen. Gesagt wird jedoch weniger. Aufgrund der stimmungsvollen Umgebung kann man sich das sicherlich anschauen. Ansonsten stellt Any Bullet Will Do – Um Gnade muss man flehen aber keine übermäßig erwähnenswerte Genre-Bereicherung dar.

Credits

OT: „Any Bullet Will Do“
Land: USA
Jahr: 2018
Regie: Justin Lee
Drehbuch: Justin Lee
Musik: Jared Forman
Kamera: Will Turner
Besetzung: Kevin Makely, Bruce Davison, Jenny Curtis

Bilder

Trailer

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Any Bullet Will Do – Um Gnade muss man flehen
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Any Bullet Will Do – Um Gnade muss man flehen
In „Any Bullet Will Do – Um Gnade muss man flehen“ erhält ein Kopfgeldjäger den Auftrag, seinen eigenen Bruder zu töten. Als Konstellation ist das durchaus spannend, gerade auch in moralischer Hinsicht. Der Western stiehlt sich aber etwas aus der Affäre, bietet zwar schöne Schneelandschaften und eine Trapperin, die mehr als ein bloßes Love Interest sein darf, ist inhaltlich jedoch nicht der Rede wert.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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