My Son
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My Son
„My Son“ // Deutschland-Start: 10. März 2022 (DVD/Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Auf einer Geschäftsreise im Ausland erhält Edmond Murray (James McAvoy) die Nachricht vom Verschwinden seiner Sohnes während eines Aufenthalts in einem Ferienlager. In Schottland trifft er nicht nur auf Spuren seines alten Lebens, sondern zudem auf seine Ex-Frau Joan (Claire Foy), die mit ihrem neuen Lebensgefährten ein neues Leben begonnen hatte und außer sich vor Sorge ist. Die Polizei hat bereits mit der Suche begonnen, mit der Beweisaufnahme wie auch dem Verhör von potenziellen Zeugen, doch bislang ohne ein brauchbares Ergebnis. Entgegen dem Rat des ermittelnden Beamten nimmt er schließlich die Ermittlung selbst in die Hand und verdächtigt zunächst Joans neuen Lebensgefährten, der ihm viel zu sorglos und entspannt in der momentanen Lage erscheint. Es kommt zu einem Konflikt und schließlich zur Verhaftung Edmonds, der in seiner Verzweiflung zu Gewalt greift, um Antworten auf seine Fragen zu bekommen und seinen Sohn zu finden. Immer mehr verdichten sich die Hinweise, dass Murrays Tätigkeit im Ausland, die ihn in Länder wie den Irak oder Saudi-Arabien geführt hat, in Verbindung mit dem Verschwinden seines Sohnes stehen könnte.

Die Kraft der Improvisation

Mit My Son verfilmt Regisseur Christian Carion seinen eigenen Film Mon garçon noch einmal, verlegt aber die Handlung nach Schottland, der Heimat seines Hauptdarstellers James McAvoy. Die kurze Unterbrechung der Dreharbeiten aufgrund eines positiven Coronatests war jedoch nur eine kleine Hürde für das Projekt, wie der Schauspieler in Interviews berichtet, denn ihm wurde darüber hinaus als einzigem Mitglied des Ensembles kein Drehbuch gegeben, nur eine kurze Hintergrundgeschichte, sodass die meisten seiner Reaktionen und Dialoge auf Improvisation beruhen. Wie bereits im Original verfolgte Carion einen gewissen Authentizitätsanspruch, wollte echte Spannung erzeugen, was er sich durch sein solches Vorgehen erhoffte.

Dass ein gewisses Maß an Improvisation, sofern es ein Drehplan überhaupt zulässt, durchaus interessant ist und zu guten Ergebnissen führt, ist in der Tat richtig. Jedoch werden die Ergebnisse einer solchen Improvisation dann meist in irgendeiner Weise festgehalten, um diese dann beim Drehen der Szene entsprechend umzusetzen, was den Beteiligten eine gewisse Sicherheit gibt. Im Falle von My Son ist das Ergebnis zwiegespalten, denn auf der einen Seite vermag ein talentierter Darsteller wie McAvoy einen solchen Film zu tragen und den Zuschauer für seien Figur sowie deren Dilemma zu interessieren, doch nicht alles passt zusammen, besonders im direkten Vergleich der darstellerischen Leistungen. Bestimmt Szenen hätten durchaus davon profitiert, wenn man den Schauspieler etwas mehr in das Projekt eingesponnen hätte, denn die Fülle an Themen sowie die der richtigen (oder falschen) Fährten, welche die Handlung ausmachen, ist hoch und nicht unbedingt immer schlüssig herausgearbeitet.

Zwischen Verzweiflung und Wut

Jedoch wäre es unfair, My Son wegen dieser halbgaren Umsetzung einer Idee gänzlich zu verurteilen, wie es in vielen Kritiken zu Carions Film der Fall ist. Zum einen wären da die Bilder von Kameramann Eric Dumont (Das Land meines Vaters), die nicht nur die Schönheit der schottischen Highlands einfängt, sondern auch deren Dunkelheit, was speziell im zweiten Teil der Handlung, als Edmond den Entführern seines Sohnes auf die Schliche kommt, besonders wirkungsvoll inszeniert ist. Auch betonen diese Bilder die Verlorenheit des Hauptcharakters, der sich in einem Labyrinth wiederzufinden scheint, dessen Zugang er nicht nur aufgrund seiner langen Abwesenheit, sondern auch emotional schon lange verloren hat, wie ihm seine Frau bescheinigt in einer der wohl intensivsten Szenen des ganzen Filmes.

Darüber hinaus überzeugt auch die aus Serien wie The Crown und Filmen wie Unsane – Ausgeliefert bekannte Claire Foy durch ihre Präsenz und ihr Zusammenspiel mit McAvoy. In ihrem Spiel spiegelt sich die Angst einer Mutter um ihr Kind wie auch die Frustration darüber, nichts tun zu können außer zu warten auf die neuen Ergebnisse der Ermittlungen.

Credits

OT: „My Son“
Land: UK, Frankreich, Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Christian Carion
Drehbuch: Christian Carion, Laurie Irrmann
Musik: Laurent Perez del Mar
Kamera: Eric Dumont
Besetzung: James McAvoy, Claire Foy, Tom Cullen, Gary Lewis, Michael Moreland, Robetr Jack, Owen Whitelaw, Paul Rattray, Max Wilson

Bilder

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Fazit
„My Son“ ist eine Mischung aus Drama und Thriller. Chistian Carions Film überzeugt durch seine Bilder wie auch die Darsteller, auch wenn die Handlung durchaus mit weniger Twists und Wendungen hätte leben können und so wesentlich stringenter hätte sein können.
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