Au nom de la terre Das Land meines Vaters
© Nord-Ouest Films

Das Land meines Vaters

Inhalt / Kritik

„Das Land meines Vaters“ // Deutschland-Start: 18. November 2021 (Kino) // 25. März 2022 (DVD)

Es steht ein Generationenwechsel an bei Familie Jarjeau: Nachdem Jacques (Rufus) jahrelang seinen Bauernhof geführt hat, soll nun dessen Sohn Pierre (Guillaume Canet) die Leitung übernehmen. Der ist auch voller Tatendrang, seine Zeit in den USA hat den Franzosen auf zahlreiche Ideen gebracht, wie sich der Betrieb verbessern und vergrößern lässt. Zwanzig Jahre später ist der Hof tatsächlich kaum wiederzuerkennen, sehr zum Ärger von Jacques, der mit dem ganzen neumodischen Kram nichts anfangen kann. Aber auch Pierre hat seine Schwierigkeiten mit der Situation, ist ihm das alles doch über den Kopf gewachsen: Die Schulden sind enorm, die Einnahmen werden immer geringer. Darunter leidet auch zunehmend das Familienleben. Doch weder seine Frau Claire (Veerle Baetens), noch die beiden Kinder Thomas (Anthony Bajon) und Emma (Yona Kervern) können verhindern, dass er mehr und mehr an der Situation zerbricht …

Die Landwirtschaft am Abgrund

Dass die Landwirtschaft in einer tiefen Krise steckt, ist nicht unbedingt ein Geheimnis. Die großen Konzerne haben das Sagen, es muss immer mehr zu immer geringeren Preisen produziert werden. Trotz einiger Teilverbesserungen sind die Tierhaltungen oft unwürdig. Aber auch die Landwirte und Landwirtinnen selbst leiden unter der Situation, zumindest solche, die eben nicht zu den Großen gehören und sich zwischen den politischen Rahmenbedingungen und wirtschaftlichen Zwängen aufreiben. Zahlreiche Dokus haben in den letzten Jahren aufgezeigt, in welchen Nöten sie sich befinden. Aber auch in Spielfilmen taucht das Thema immer mal wieder auf, etwa in Drift Away oder Milchkrieg in Dalsmynni.

Eines der erschütterndsten Werke zu diesem Thema ist aber sicherlich Das Land meines Vaters, das den Abstieg einer Familie aus Landwirten beschreibt. Schon der Vater war in diesem Bereich tätig, derzeit müht sich der Sohn damit ab. Und auch dessen Sohn will dieser Berufsrichtung treu bleiben, arbeitet momentan auf den Feldern, während er sich auf sein Studium vorbereitet. Doch von schöner Familienidylle keine Spur. Schon die ersten Szenen, in denen Jacques seinen Hof an Pierre verkauft, lassen auf irritierende Weise Wärme und Zusammenhalt vermissen. Auch der Einstieg, der einen gealterten Pierre verloren auf den Feldern zeigt, macht von vornherein klar, dass wir es hier nicht mit einem beruhigenden Schönwetterkitsch zu tun haben, der das Leben auf dem Land romantisiert.

Eine persönliche Familientragödie

Dabei sind die Anfänge, sobald Pierre den Hof erst einmal übernommen hat, durchaus schön. Eine ganze Weile geht das auch gut. Der Hauptteil von Das Land meines Vaters konzentriert sich aber auf die Jahre, als die Schwierigkeiten und Probleme größer werden und letztendlich überhand nehmen. Dabei gibt es hier nicht den einen Grund für die Misere. Ob es der strenge und rechthaberische Jacques ist, der seinem Sohn ständig vorwirft, alles falsch zu machen, oder auch Pierre selbst, der sich völlig übernimmt und zu wahnsinnigen Investitionen verführen lässt, da ist einiges schon hausgemacht. Gleichzeitig zeigt das Drama aber auch auf, unter welch widrigen Bedingungen heute Landwirtschaft betrieben wird. Das Zusammenspiel aus persönlichem Versagen und Druck von außen, sowohl wirtschaftlicher wie politischer Natur, lassen die Familie auf ein Desaster zu schlittern.

Der gesellschaftlich-universelle Aspekt wird dabei zwar regelmäßig eingebaut. Doch er liefert nur den Kontext für eine zutiefst persönliche Geschichte. Das ist kein Wunder: Regisseur und Co-Autor Edouard Bergeon hat sich bei seinem Spielfilmdebüt von seiner eigenen Familiengeschichte inspirieren lassen. Er selbst ist auf einem Bauernhof aufgewachsen, den sein Vater betrieben hat. Es gelingt ihm dabei auch, in Das Land meines Vaters das Schicksal der Jarjeaus glaubwürdig darzustellen. Selbst wenn man als Zuschauer und Zuschauerin nicht jede einzelne Handlung der Figuren so nachvollziehen kann, weil sich diese das Leben selbst unnötig schwer machen: Im Großen und Ganzen überzeugt die französisch-belgische Coproduktion. Das packend gespielte Drama liefert einen erschütternden Einblick in die Landwirtschaft, schildert anschaulich die derzeitigen Probleme und ist dabei vor allem auch eine Familientragödie, wenn wir hilflos dabei zusehen, wie die Familie immer mehr unter dem Druck auseinanderbricht.

Credits

OT: „Au nom de la terre“
Land: Frankreich, Belgien
Jahr: 2019
Regie: Edouard Bergeon
Drehbuch: Edouard Bergeon, Bruno Ulmer, Emmanuel Courcol
Musik: Thomas Dappelo
Kamera: Éric Dumont
Besetzung: Guillaume Canet, Veerle Baetens, Anthony Bajon, Rufus, Samir Guesmi, Yona Kervern

Bilder

Trailer

Filmpreise

Filmpreis Jahr Kategorie Ergebnis
César 2020 Bester Erstlingsfilm Nominierung
Bester Nachwuchsdarsteller Anthony Bajon Nominierung
Publikumspreis Nominierung

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

„Das Land meines Vaters“ erzählt anschaulich von den Schwierigkeiten in der Landwirtschaft, wenn eine Familie versucht, sich an die sich ändernden Rahmenbedingungen anzupassen, und sich dabei völlig übernimmt. Das Drama ist dabei einerseits Anklage an ein ausbeuterisches System, ist vor allem aber auch eine packend gespielte Familientragödie.
Leserwertung0 Bewertungen
0
7
von 10