Mord in Saint Tropez Mystère à Saint-Tropez
© Leonine

Mord in Saint-Tropez

Mord in St Tropez
„Mord in Saint-Tropez“ // Deutschland-Start: 10. März 2022 (Kino) // 24. Juni 2022 (DVD/Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Saint-Tropez in den 1970ern: Als in der Luxusvilla des Unternehmers Claude Tranchant (Benoît Poelvoorde) ein Mordanschlag auf dessen Ehefrau Eliane (Virginie Hocq) verübt wird, ist klar: Der beste Mann der französischen Polizei muss da ran! Dummerweise ist der aber nicht verfügbar. Und der zweitbeste auch nicht. Genauer ist nur Inspektor Boulin (Christian Clavier) noch da, der nicht nur im Ruf steht, ein unglaublicher Trottel zu sein, sondern dem gern schon mal das eine oder andere Missgeschick geschieht. Da dessen Chef Maurice Le Franc (Gérard Depardieu) aber niemanden anderen hat – es ist schließlich gerade Urlaubssaison –, bleibt ihm nichts anderes übrig, als die Katastrophe auf zwei Beinen loszuschicken. Der macht sich gleich voller Enthusiasmus an die Arbeit und richtet noch auf dem Weg dorthin ein absolutes Chaos an …

Zwischen Superreichen und Idioten

Auch wenn Saint-Tropez eigentlich nur eine sehr kleine Gemeinde ist, gerade einmal rund 4000 Menschen leben dort, ist der Name des südfranzösischen Hafenortes doch bestens bekannt. Diesen Ruhm verdankt er einerseits seinem Status als begehrtem Urlaubort der Ultrareichen, die sich dort jeden Sommer niederlassen. Aber auch diverse Filme haben dazu beigetragen, dass der Bekanntheitsgrad überproportional ausfällt im Vergleich zur Größe. Besonders die Blödelkomödien mit Louis de Funès aus den 1960ern und 1970ern, in denen der Franzose einen tollpatschigen Gendarm spielte, haben da ihre Spuren hinterlassen und gelten heute als Klassiker. Dessen war man sich natürlich auch bei Mord in Saint-Tropez bewusst, der ganz in der Tradition der bekannten Filme steht. Nicht ohne Grund ist das Setting der Komödie in der damaligen Zeit angelegt.

Aber auch ein anderes Vorbild ist offensichtlich: Wenn ein französischer Inspektor im Trenchcoat umherläuft, völlig von sich und den eigenen kriminologischen Fähigkeiten überzeugt ist und dabei doch nur Mist baut, ist es nahezu unmöglich, nicht an Inspektor Clouseau zu denken. Gerade Ein Schuss im Dunkeln bietet sich da als Referenz an, wo ebenfalls in einer Villa ein Mörder oder eine Mörderin umherläuft und nahezu alle Figuren verdächtig sind. Mord in Saint-Tropez basiert also auf dem klassischen Whodunnit-Prinzip, wie man es im Krimi bis heute überwiegend anwendet. Nur dass das hier eben mit viel Humor verbunden ist. Tatsächlich überwiegt der Komödienteil sogar deutlich, da gibt es fast keine Szene, bei der nicht irgendein Gag hineingepresst wurde.

Nostalgisch und albern

Sonderlich anspruchsvoll ist dieser nicht. Im Gegenteil: Regisseur Nicolas Benamou (Project: Babysitting) ist nicht unbedingt für die Kunst des feinen Humors bekannt, das ist alles etwas gröber. Die Figuren sind alle überzeichnet, teils Karikaturen. Für eine wirkliche Satire reicht es aber nicht, dafür hat der Film zu wenig zu sagen. Dafür zeigt er umso mehr. Beispielsweise hat Boulin ein Talent dafür, dass um ihn herum immer irgendetwas zu Bruch geht oder ein Mensch verletzt wird. Man sollte also schon eine ausgesprochene Vorliebe für Slapstick mit bringen, mindestens aber eine höhere Toleranzgrenze, um bei Mord in Saint-Tropez Spaß zu haben. Und selbst dann sitzt nicht unbedingt jeder Lacher. An mangelndem Einsatz liegt das nicht. Hauptdarsteller Christian Clavier (Monsieur Claude und seine Töchter), der am Drehbuch beteiligt war, geht in seiner Rolle des trotteligen Inspektors auf. Auch der Rest des durchaus prominenteren Ensembles genießt offensichtlich die Zeit der kollektiven Idiotie.

Wenn man sich darauf einlassen kann, hat Mord in Saint-Tropez durchaus seinen Reiz. Die gut aufgelegten Schauspieler und Schauspielerinnen und das idyllische Luxussetting können sich schon sehen lassen. Außerdem hat der Film einen beträchtlichen nostalgischen Charme. Nicht nur dass er in den 1970ern spielt und alle auch entsprechend ausgestattet sind. Man hat auch tatsächlich das Gefühl, eine Komödie von anno dazumal zu sehen, voll von einer ungenierten Albernheit, bei der nichts von Bedeutung ist. Das funktioniert zwar auch bei einem jüngeren Publikum. Wirksamer dürfte die französisch-belgische Coproduktion aber bei Zuschauern und Zuschauerinnen sein, die mit den Filmen von damals aufgewachsen sind und sich so an früher erinnert fühlen. Dass sich später mit ebenso leuchtenden Augen an diese Komödie zurückerinnern wird, ist zwar eher unwahrscheinlich. Aber zur aktuellen Zerstreuung reicht es.

Credits

OT: Mystère à Saint-Tropez“
Land: Frankreich
Jahr: 2021
Regie: Nicolas Benamou
Drehbuch: Christian Clavier, Jean-François Halin, Jean-Marie Poiré
Musik: Maxime Desprez, Michael Tordjman
Kamera: Philippe Guilbert
Besetzung: Christian Clavier, Benoît Poelvoorde, Thierry Lhermitte, Jérôme Commandeur, Rossy de Palma, Virginie Hocq, Vincent Desagnat, Gérard Depardieu

Bilder

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Mord in Saint-Tropez
Fazit
„Mord in Saint-Tropez“ spielt nicht nur in den 1970ern, sondern orientiert sich insgesamt deutlich an den bekannten (Krimi-)Komödien aus dieser Zeit. Der Humor ist dabei völlig anspruchslos. Aber zumindest teilweise macht es Spaß, dem trotteligen Inspektor auf Verbrecherjagd zuzusehen, zumal der Film auch einen nostalgischen Charme hat.
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