A Bronx Tale In den Straßen der Bronx
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In den Straßen der Bronx

A Bronx Tale In den Straßen der Bronx
„In den Straßen der Bronx“ // Deutschland-Start: 28. Juli 1994 (Kino) // 13. September 2012 (DVD/Blu-ray)

Inhalt / Kritik

In den 1960er Jahren ist Belmont, ein Teil der New Yorker Bronx, fest in der Hand italienischer Einwanderer. Inmitten dieser Gegend wächst auch der siebzehnjährige Calogero (Lillo Brancato Jr.) als Sohn von Lorenzo (Robert De Niro) und dessen Frau Rosina (Katherine Narducci) auf. Schon als kleiner Junge hat er seinen Vater auf seinen täglichen Touren als Busfahrer immer wieder begleitet, sich mit ihm über die New York Yankees und deren Spiel unterhalten und zugleich Werte wie Ehre, Loyalität und Respekt kennengelernt. Jedoch ist Lorenzo bei weitem nicht das einzige Vorbild Calogeros. Dann da ist auch noch der gleichermaßen gefürchtete wie bewunderte Gangsterboss Sonny (Chazz Palminteri). In seiner Kindheit wurde Lorenzo Zeuge, wie Sonny einen anderen Mann erschoss. Doch anstatt bei der Polizei gegen ihn auszusagen, schweigt er bei einer Befragung. Von diesem Tag an hat der Gangster Calogero unter seine Fittiche genommen, gibt ihm kleine Nebenjobs und wird mit der Zeit zu so etwas wie eine Vaterfigur für den Jungen. Mit der Zeit steigt Calogero dann in Sonnys engen Kreis auf, schwänzt die Schule und verbringt jede freie Minute im Café an der Straßenecke. Als er die Bekanntschaft seiner Mitschülerin Jane (Taral Hicks) macht, ist es für ihn Liebe auf den ersten Blick und auch die junge Frau scheint sehr angetan von ihm. Doch die Tatsache, dass sie eine Afroamerikanerin ist, macht ihre Beziehung in den Augen ihrer Umwelt schier unmöglich.

Zeuge eines Mordes

Zu Beginn der 1990er Jahre veränderte sich Robert De Niros Haltung zu den Medien mit einem Schlag, denn auf einmal trat er nicht nur in vielen Talkshows auf, sondern gab zudem eine Vielzahl an Interviews, trotz seiner bekannten Aversion von Reportern analysiert zu werden, wie er es nannte. Hintergrund war jedoch seine erste Regiearbeit In den Straßen der Bronx, basierend auf dem gleichnamigen Theaterstück des Autors Chazz Palminteri, der in der Verfilmung in der Rolle des Sonny zu sehen ist. Das Drama, welches bereits mit großem Erfolg auf den New Yorker Bühnen gelaufen war, ist inspiriert von der Kindheit und Jugend Palminteris, die er in der Bronx verlebte und während der er wirklich einmal Zeuge eines Mordes wurde.

Von daher mag man In den Straßen der Bronx als eine Coming-of-Age-Geschichte betrachten, in deren Zentrum ein Charakter aufwächst in einer Umgebung, die von starken Charakteren, Verbrechen und der italienischen Kultur geprägt ist, doch zugleich von der Musik der 60er Jahre und seiner Leidenschaft für den Sport. De Niros Film spart nicht mit Lokalkolorit, wenn beispielsweise die Kamera nostalgisch das Geschehen auf der Straße einfängt und dem Zuschauer einen Einblick gewährt in diese Gesellschaft, die nach ganz eigenen Regeln funktioniert und die wie ein Echo der Traditionen der alten Welt erscheint. Der Mord ist in diesem Kontext, wie auch die anderen Verbrechen im Film, wie eine Störung in diesem Bild der Hauptfigur, die bisweilen etwas sehr naiv wirkt, aber noch lange nicht in dem Maße von dem Leben auf der „anderen Seite“ verführt wird, wie es beispielsweise Henry Hill in GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia widerfährt. Diese Mischung aus Nostalgie und Brutalität ist bezeichnend für die Geschichte der Hauptfigur, einem Leben zwischen zwei Extremen, welches in gewisser Weise sinnbildlich für das Aufwachsen in diesem Milieu steht.

Die Geschichte zweier Väter

Zugleich ist In den Straßen der Bronx eine Geschichte über Väter. Sowohl der von De Niro gespielte Lorenzo als auch der von Palminteri gespielte Sonny stehen für die eben genannten Extreme, die Möglichkeiten sich zu entscheiden für einen Lebensweg. Während der eine durch seine eiserne Arbeitsmoral und seinen klaren Moralkodex sich auszeichnet, wie auch seinem erdrückenden Katholizismus, ist der andere eine schillernde Figur, die sich nichts sagen lässt und ganz nach eigenen Regeln lebt. Die Körpersprache Palminteris auf der einen Seite sowie der Bus, der wie eine Brücke zwischen den einzelnen Teilen der Bronx wirkt, sind bezeichnend für den Einfluss der beiden Männer, zu denen sich der Protagonist gleichsam hingezogen fühlt, doch von denen er sich in gleicher Weise emanzipieren muss.

In gewisser Weise ist die Version der Bronx, wie sie De Niro zeigt, eine Erinnerung, ähnlich einer alten Fotografie. Die Veränderungen, zunächst nur subtil und später dann mehr als eindeutig, lassen auch diesen Bezirk nicht kalt, sodass letztlich beide Väter, der Arbeiter wie auch der Gangster, an ihrer Version, jener Fotografie, festhalten wollen, doch dabei wie Dinosaurier wirken, die kurz vorm Aussterben stehen.

Credits

OT: „A Bronx Tale“
Land: USA
Jahr: 1993
Regie: Robert De Niro
Drehbuch: Chazz Palminteri
Musik: Butch Barbella
Kamera: Reynaldo Villalobos
Besetzung: Robert De Niro, Chazz Palminteri, Lillo Brancato Jr., Taral Hicks, Kathrine Narducci, Joe Pesci

Bilder

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In den Straßen der Bronx
Fazit
„In den Straßen der Bronx“ ist eine Mischung aus Coming-of-Age-Drama und Gangsterfilm. Robert De Niro beweist sein Talent nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera in diesem sensible inszenierten Film, der durch seine Inszenierung dieses berühmt-berüchtigten Teils New Yorks ebenso besticht wie auch durch seine Darsteller.
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