Freundschaft auf den zweiten Blick Das Erste ARD TV Fernsehen Mediathek
© ARD Degeto/Michael Schreitel/Rudolf Wernicke

Freundschaft auf den zweiten Blick

Freundschaft auf den zweiten Blick Das Erste ARD TV Fernsehen Mediathek
„Freundschaft auf den zweiten Blick“ // Deutschland-Start: 25. März 2022 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Elmar Kern (Jürgen Heinrich) ist niemand, der gut und gern mit Veränderungen umgeht. Er mag es vielmehr, wenn alles schön vertraut ist. Doch damit ist es vorbei, seitdem seine Frau Marlene (Teresa Harder) gestorben ist. Und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Als wäre der Verlust nicht auch so schon schlimm genug, hat die Verstorbene zuvor noch eine Reihe von Videos aufgenommen, die er nach ihrem Tod erhält, eines pro Tag. In diesen gibt sie ihm Ratschläge. Sie gibt ihm vor allem aber auch Aufgaben mit, die er ihr zuliebe erfüllen soll. Dabei ist ihm eine ganz besonders ein Dorn im Auge: Sein geliebter, etwas in die Jahre gekommener Optikerladen wird an die Kette „Weitblick“ übertragen, die daraus eine neue Filiale macht. Ehe Elmar es sich versieht, muss er lauter neue Regeln lernen, demütigende Arbeitskleidung tragen und auf den schnöseligen Regionalleiter Frank Wolf (David Rott) hören …

Ein überraschend guter Neuanfang

In den letzten Wochen waren die Wochenendfilme im Ersten nicht unbedingt ein Anlass zur Freude. Ob Klara Sonntag: Liebe macht blind, Rückkehr nach Rimini oder Servus, Schwiegersohn!, das war fast alles mäßig bis maximal Durchschnitt. Vor allem die Komödien enttäuschten, wenn man sich anderthalb Stunden durch irgendwelche Werke quälen musste, die vieles sein mögen, witzig kaum. Da ist es doch eine schöne kleine Überraschung, wenn auf einmal pünktlich zum Wochenende mit Freundschaft auf den zweiten Blick richtig netter, phasenweise sogar guter Film um die Gunst des Publikum wirbt, bei dem es mal nicht literweise Kaffee braucht, um bis zum Abspann wach zu bleiben.

Dabei ist der Humor erneut eher sparsam. Wenn Elmar beim ersten Tanzkurs immer zielsicher die Füße seiner weiblichen Opfer erwischt, die deswegen bald schon keine Lust mehr auf ihn haben, dann muss man schon sehr großzügig sein, um das noch als Witz akzeptieren zu können. Der Kontrast zwischen dem mürrischen Eigenbrötler und den Angestellten des Weitblick-Konzerns funktioniert da schon besser, ist letztendlich aber auch nicht sonderlich einfallsreich. Hinzu kommt, dass die ohnehin nicht sehr häufigen Witze gerne mal wiederholt werden. Das Motto: Nur weil etwas beim ersten Mal nicht klappt, kann man es doch noch mal versuchen! Das war bei diversen anderen sogenannten Komödien des öffentlich-rechtlichen Fernsehens zwar noch bedeutend schlimmer. Freundschaft auf den zweiten Blick ist zumindest manchmal amüsant. Dennoch, man braucht hier nicht einzuschalten in der Hoffnung, richtig viel zu lachen zu bekommen.

Gemeinsam durch die Krise

Deutlich gelungener ist die ARD-Produktion als Porträt zweier Männer, die sich jeweils in einer Krise befinden. Regisseur Holger Haase (Da geht noch was) erzählt die Geschichte von Menschen, deren bisheriges Leben so nicht weitergehen kann und die dringend etwas ändern müssen. Nur wissen sie das nicht, wollen es nicht wissen, bis man sie quasi dazu zwingt, mal ein bisschen reflektierter durchs Leben zu gehen. Dass sich die zwei dabei irgendwann auch näher kommen, ist klar. Das macht schon der Titel Freundschaft auf den zweiten Blick klar. Und auch der Weg von den anfänglichen Konflikten hin zur Gemeinschaftlichkeit dürfte die wenigsten überraschen. Das Thema Frauen wird zum Anknüpfungspunkt, wenn der eine um seine trauert, der andere einen heftigen Ehestreit durchmacht.

Schön ist dabei, dass der Film trotz seiner versöhnlichen Note nicht alle Stolpersteine entfernt. Bei Freundschaft auf den zweiten Blick dürfen Pläne auch mal scheitern, nur um dann zu schauen: Was gibt es denn stattdessen sonst noch so? Der Film ist damit eine Aufmunterung, immer weiter zu machen, sich nicht unterkriegen zu lassen, ohne gleich auf eines dieser kitschig-klebrigen Happy Ends zurückzugreifen. Das wirkt wie eine Mischung aus Ruhe! Hier stirbt Lothar und Nachricht von Mama, hat mit Elementen wie der Hobby-Astronomie und dem Optiker-Umfeld aber noch genügend Eigenheiten, um nicht in der Masse ähnlicher Produktionen unterzugehen. Dazu gibt es einen fluffigen Hund, der vielleicht keinen richtigen Namen hat, aber die Welt durch seine bloße Anwesenheit irgendwie gemütlicher macht.

Credits

OT: „Freundschaft auf den zweiten Blick“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Holger Haase
Drehbuch: Michel Birbæk
Musik: Moritz Denis, Eike Hosenfeld
Kamera: Michael Schreitel
Besetzung: Jürgen Heinrich, David Rott, Teresa Harder, Heike Trinker, Anna Maria Sturm, Maximilian Brauer, Florian Kleine

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Freundschaft auf den zweiten Blick
Fazit
„Freundschaft auf den zweiten Blick“ ist ein zwar nicht übermäßig origineller, aber doch gut umgesetzter Film über einen Witwer und dessen neuen Vorgesetzten, die beide in einer Krise stecken. Während der Humor recht zurückhaltend ist, gefällt die versöhnliche Note der Tragikomödie, die zu neuen Wegen ermuntert, ohne sich dem Wohlfühlkitsch zu ergeben.
Leserwertung25 Bewertungen
4.6
6
von 10