Inhalt / Kritik

Nord bei Nordwest Der Andy von nebenan Der Ring Wilde Hunde

„Nord bei Nordwest: Der Ring“ // Deutschland-Start: 20. Januar 2022 (Das Erste)

Als Hannah Wagner (Jana Klinge) erfährt, dass ein Polizist ein kleines Mädchen entführt hat, die bei einem wichtigen Prozess aussagen soll, zögert sie nicht lange und macht sich gemeinsam mit Hauke Jacobs (Hinnerk Schönemann) auf die Suche nach ihm. Unterstützungen erhalten sie dabei durch Wagners Ex-Kollegen Lasse Huppertz (Thomas Niehaus) aus Kiel, mit dem sie mal eine Affäre hatte, sowie mit dessen neuen Partnerin Nina Wegendorf (Franziska Hartmann). Doch schon bald kommt es zu ersten Spannungen und Missgeschicken. Hinzu kommt, dass irgendjemand in der Polizei mit dem Drogenring gemeinsame Sache machen muss, aber niemand mehr sagen kann. Währenddessen hat Jule Christiansen (Marleen Lohse) ganz andere Sorgen: Ihr Vater Dirk (Jens Weisser) will sich trotz seiner Erkrankung partout von niemandem helfen lassen …

Spaßiger als zuletzt

Zuletzt ging es bei Nord bei Nordwest, zum Leidwesen von Krimifans, oft eher um die Figuren als den Fall, den sie zu lösen haben. Das klappte bei dem Weihnachtsspecial Ho Ho Ho! noch ganz ordentlich, da einige emotionale Szenen dabei waren und das Rätsel um den erschossenen Weihnachtsmann zumindest mehrere Möglichkeiten zuließ. Der Andy von nebenan enttäuschte hingegen. Was geschehen war, wurde früh verraten. Die zwischenmenschlichen Szenen frustrierten, weil auch Jahre später niemand mit seinen Gefühlen klarkommt. Irgendwie schien das alles nichts mehr zu werden. Mit Der Ring geht es nun jedoch auf einmal deutlich voran. Tatsächlich ist der 16. Fall der ARD-Krimireihe sogar der beste Teil seit Langem, wenn die verschiedenen Elemente, die bei diesen Filmen dazugehören, wieder besser ineinandergreifen.

Das ist auch deshalb überraschend, weil das Drehbuch erneut von Niels Holle stammt, der die meisten der letzten Geschichten geschrieben hat. Wobei man ehrlich sagen muss, dass der Fall an sich jetzt auch nicht sonderlich komplex ist. Eine wichtige Zeugin muss beschützt werden bis zur Aussage beim Prozess, während gleichzeitig die Gegenseite alles dafür tut, um an die besagte Zeugin zu kommen. Ein solches Szenario hat es oft genug gegeben. Nord bei Nordwest: Der Ring unterscheidet sich da nicht wesentlich von den vielen B-Movies im Actiongenre, bei denen ein knallharter Held allein gegen eine Übermacht antritt. Es ist nicht einmal so, dass die Wendungen, die Holle in seinen Film gepackt hat, tatsächlich überraschend sind. Die meisten Sachen kann man dann doch vorhersehen.

Die doppelte Bedrohung

Und doch ist Nord bei Nordwest: Der Ring wieder deutlich unterhaltsamer geworden. Ein schöner Einfall ist, dass Wagner und Jacobs recht früh vermuten, in der Polizei könnte ein Maulwurf sein, was zu jeder Menge Paranoia führt. Außerdem mag Jacobs das gar nicht, wenn ein Ex-Freund plötzlich auftaucht. Der Fremde ist dadurch gleich eine doppelte Bedrohung, auch wenn das – wie immer – nicht wirklich thematisiert wird. Spaß macht es aber trotzdem, wie in dem Polizei-Quartett immer wieder ein Konflikt schwelt, man sich gegenseitig alles Mögliche an den Kopf wirft. In dem Zusammenhang fällt auch positiv auf, dass die oft nur irgendwie mitgeschleppte Wagner diesmal tatsächlich etwas zu tun bekommt und sehr viel stärker integriert wurde.

Leider bedeutet das im Gegenzug, dass Jule Christiansen etwas aufs Abstellgleis geschoben wird. Sie darf sich um irgendwelches Geflügel kümmern, wird sonst aber kaum involviert. Da stimmt die Balance also immer noch nicht so recht. Wenn überhaupt ist es ihr Vater Dirk, der dieses Mal nach zuvor noch recht sporadischen Auftritten stärker in den Mittelpunkt rückt und sich als wertvolle Ergänzung herausstellt. Aber auch die Episodenfiguren bzw. die sie spielenden Leute tragen dazu bei, dass Nord bei Nordwest: Der Ring recht unterhaltsam geworden ist. Trotz der Mängel, die der Krimi ohne Zweifel hat, zeigt der neueste Fall der Nordlichter, dass man mit ihnen schon noch rechnen darf.

Credits

OT: „Nord bei Nordwest: Der Ring“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Markus Imboden
Drehbuch: Niels Holle
Musik: Stefan Hansen
Kamera: Michael Wiesweg
Besetzung: Hinnerk Schönemann, Marleen Lohse, Jana Klinge, Jens Weisser, Cem Ali Gültekin, Thomas Niehaus, Franziska Hartmann, Maggie Valentina Salomon, Bettina Stucky

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Nord bei Nordwest: Der Ring
Nach zahlreichen enttäuschenden Teilen ist „Nord bei Nordwest: Der Ring“ endlich mal wieder ein unterhaltsamer Film der Krimireihe geworden. Das liegt vor allem an den Figuren und den zahlreichen Konflikten. Die Geschichte um ein Mädchen, das Zeugin bei einem wichtigen Prozess ist und von Verbrechern gesucht wird, funktioniert, lässt aber Überraschungen vermissen.
7von 10
Leserwertung: (13 Votes)
5.9

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Eine Antwort

  1. Michael Müller

    Spielt Logik keine Rolle mehr? Sind vorausschaubare Fehler nicht mehr nur erlaubt, sondern gewollt? Da kapiert eine gestandene Polizistin, die ja auch im Milieu ermittelt hatte, nicht, welche Gefahr von den „Kollege*innen“ ausgeht, fragt nicht mal genauer nach, z. B. bei der Dienststelle, wieso die wie von Geisterhand in Schwanitz auftauchen, und aus dem verletzten Kollegen den „Bösen“ machen, was sich – natürlich! – nach dessen Ermordung als falsch herausstellt.
    Ich könnte noch zig Logiklöcher aufführen, aber was soll das bringen? Ich wollte mir auch mit diesen Zeilen nur etwas Luft machen, den Drehbuchautor direkt zu kritisieren, schenke ich mir eingedenk eigener Erfahrungen mit einem Herrn Wortberg (u.a. SoKo Köln).

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