Charm City Kings

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Inhalt / Kritik

Charm City Kings
„Charm City Kings“ // Deutschland-Start: 15. November 2021 (Video on Demand)

Der 14-jährige Mouse (Jahi Di’Allo Winston) lebt zusammen mit seiner Mutter (Teyonah Parris) und der jüngeren Schwester in Baltimore. Richtig groß sind seine Möglichkeiten nicht, umso größer ist sein Wunsch, Teil der Motocross-Szene zu werden, die sich dort enormer Beliebtheit erfreut. Seine Mutter hält nur wenig davon, hat sie doch schon einen Sohn durch einen Unfall verloren. Mouse lässt sich davon aber nicht abhalten und macht dadurch die Bekanntschaft von Blax (Meek Mill), der gerade erst aus dem Gefängnis entlassen wurde und Teil der Biker-Gang Midnight Clique ist, die immer wieder Probleme mit der Polizei hat. Gleichzeitig versucht der Polizist Rivers (William Catlett), der den Jugendlichen von Kindheitstagen kennt, ihn von diesem Weg abzuhalten …

Der wahre Traum vom Fahren

Es dürfte hierzulande eher weniger Leute geben, die 12 O’Clock Boys kennen. In dem 2013 erschienenen Dokumentarfilm begleitete Lofty Nathan einen Jungen, der fasziniert war von Motocross-Motorrädern und den illegalen Rennen, die damit in Baltimore veranstaltet wurden. Zumindest in den USA gab es offensichtlich aber einige, die von der Geschichte so angetan waren, dass sie einen davon inspirierten Spielfilm angingen. Das Ergebnis ist Charm City Kings, eine durchaus wohlwollend aufgenommene Indieproduktion, an der im Hintergrund einige filmische Schwergewichte beteiligt waren. So geht die Geschichte unter anderem auf den gefeierten Regisseur Barry Jenkins (Moonlight) zurück. Jada Pinkett Smith und Will Smith waren ausführende Produzenten.

Beim Ensemble sticht ebenfalls ein bekannterer Name hervor: Meek Mill. Der feiert als Rapper in den USA große Erfolge, stand mehrfach an der Spitze der Album-Charts. In Deutschland zieht der Name jedoch deutlich weniger, weshalb es der Film auch nur als Video-on-Demand-Auswertung zu uns geschafft hat. Aber das ist ja nicht zwangsläufig ein Zeichen für mangelnde Qualität. Tatsächlich ist das Drama sogar sehenswert, über längere Strecken zumindest. Wobei es gar nicht mal so sehr der Musiker ist, der hier sein Debüt als Schauspieler abgibt, für  den sich das Einschalten lohnt, auch wenn er seine Sache gut macht. Vielmehr ist es sein junger und ebenfalls bislang unerfahrener Kollege Jahi Di’Allo Winston, dem Charm City Kings seine besten Szenen zu verdanken hat.

Das Ende der Unschuld

Vor allem zu Beginn hat das Drama einige sehr schöne Momente, wenn Regisseur Angel Manuel Soto die Jungs einfach Jungs sein lässt. Der Film ist da noch von einer Unbeschwertheit geprägt, erzählt von guten Freunden, die von einem großen und aufregenden Leben träumen. Die Schattenseiten sind zwar da, am Rande bekommen wir von Kriminalität mit, wenn etwa Rivers ein wachendes Auge über den Protagonisten hat. Doch die Vorstellung der Bikes bietet Mouse die Möglichkeit, etwas Aufregendes zu erleben und den eher grauen Alltag hinter sich zu lassen. Nur dass diese Versprechen nicht ganz eingehalten werden können. Charm City Kings stellt Traum und Wirklichkeit gegenüber. Wie es bei Coming-of-Age-Filmen üblich ist, muss die Hauptfigur wachsen und sich in einer chaotischen Welt selbst finden.

Das ist natürlich nicht übermäßig originell. Auch das Hineinschlittern in kriminelle Kreise, beim Versuch sich zu beweisen, kennt man aus Filmen zu genüge. Charm City Kings tut sich dann auch schwer damit, vom reinen Beobachten hin zum Erzählen zu gelangen. Gerade die ernsten Szenen, wenn es um die großen Weisheiten des Lebens geht, sind nicht besonders gut geworden und lassen die Natürlichkeit vermissen, welche das Drama zu Beginn auszeichnete. Auch bei der Geschichte selbst wurde im weiteren Verlauf, wenn sich der Schwerpunkt hin zu den Verbrechen verschiebt, mehr gemacht, als nötig und vielleicht ratsam gewesen wäre. Dafür gibt es einige gut inszenierte Actionszenen, weshalb es nicht weiter verwundert, dass Soto von Hollywood entdeckt wurde und nun eine DC Comics Adaption und einen neuen Transformers-Film inszenieren soll. Das soll noch jemand behaupten, kleine Indie-Filme über große Träume würden sich nicht lohnen.

Credits

OT: „Charm City Kings“
AT: „Twelve“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Angel Manuel Soto
Drehbuch: Sherman Payne
Musik: Alex Somers
Kamera: Katelin Arizmendi
Besetzung: Jahi Di’Allo Winston, Meek Mill, William Catlett, Teyonah Parris, Donielle T. Hansley Jr., Kezii Curtis

Trailer

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„Charm City Kings“ begleitet einen Jugendlichen, der Teil einer Biker-Gang sein möchte und immer weiter in die Kriminalität abrutscht. Der von einem Dokumentarfilm inspirierte Film überzeugt vor allem in den eher beobachtenden Szenen, wenn es um das Leben in dem Milieu geht. Der spätere stärkere Fokus auf Verbrechen und die damit einhergehenden Lebensweisheiten sind weniger gut gelungen.
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