Inhalt / Kritik

The Rose Tattoo Die tätowierte Rose

„Die tätowierte Rose“ // Deutschland-Start: 1956 (Kino)

Seitdem ihr Mann Rosario bei einer Schmuggelfahrt und anschließender Verfolgungsjagd durch die Polizei ums Leben gekommen ist, hat auch für dessen Witwe Serafina Delle Rose (Anna Magnani) das Leben keinen Sinn mehr. So weigert sich die Exil-Sizilianerin, das Haus zu verlassen oder andere Leute zu treffen. Und auch ihre 15-jährige Tochter Rosa (Marisa Pavan), mit der sie in einem kleinen italienischen Einwandererdorf in Louisiana lebt, nötigt sie dazu, an ihrer umfassenden Trauerarbeit teilzunehmen. Dabei hat diese ganz andere Pläne, träumt davon zu heiraten und auf eigenen Beinen zu stehen. Doch erst als Alvaro Mangiacavallo (Burt Lancaster), der ebenfalls als Lkw-Fahrer arbeitet, in das Leben von Serafina tritt, beginnt sie, langsam wieder das Leben für sich zu entdecken …

Ein später Triumph

Was lange währt, wird endlich gut. Eigentlich hatte der berühmte Autor Tennessee Williams schon beim Verfassen seines Theaterstücks an Anna Magnani (Rom, offene Stadt) gedacht, als es um die Besetzung der Serafina ging. Doch 1951 fühlte sich die italienische Schauspielerin noch nicht so weit, im einem englischsprachigen Stück aufzutreten. Bei der Filmfassung 1955 war es dann aber doch so weit. Gelohnt hat sich das Wagnis für die Künstlerin, in ihrem ersten englischen Film mitzuspielen. So gewann sie für ihre Darstellung der der trauernden Witwe in Die tätowierte Rose den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Insgesamt acht Mal war das Drama für den wichtigsten Filmpreis der Welt im Rennen, darunter auch als bester Film des Jahres.

Ob man nun so weit gehen muss mit seinem Lob, darüber lässt sich streiten. Tatsächlich gab es nicht wenige, die Die tätowierte Rose eher kritisch sahen. An Magnani lag das nicht. Die wurde tatsächlich durchweg gefeiert, wie sie ihrer Figur Leben einhauchte. Wann immer sie auftritt, dominiert sie das Geschehen. Ob Serafina nun ihre Tochter zurechtweist, sich mit der übrigen Bevölkerung anlegt oder auch mit Fahrer Alvaro schäkert: Sie ist durchweg von Leidenschaft getrieben, einem großen inneren Feuer. Eine stille Andacht zu Ehren ihres verstorbenen Mannes entspricht nicht ihrer Natur. Sie mag drauf bestehen, dass sie und Tochter schlicht gekleidet sind. Ansonsten ist ihre Trauer dann aber doch mehr Ereignis, das sehr offen zur Schau getragen wird. Jeder soll wissen, dass ihr Leben nun vorbei ist.

Der Sieg der Lebensfreude

Das wirkt schon ein wenig grotesk, umso mehr, da der Verstorbene moralisch eher flexibel unterwegs war. Bei der Ausübung von Schmugglerarbeit zu sterben, weil man gerade von der Polizei gejagt wurde, spricht ebenso wenig für ihn wie seine offensichtliche Untreue. Eine Untreue, die Serafina zunächst vehement bestreitet, bis ihr dann doch Zweifel kommen. Die tätowierte Rose – benannt nach einem doppelten Liebesbeweis – erzählt dann auch die Geschichte einer Frau, die sich nach einem Schicksalsschlag selbst finden muss. So etwas findet man häufiger mal im Dramabereich. Doch wo viele auf tränenreichen Kitsch setzen, da ist das hier sehr viel heiterer, teils sogar fast schon komisch. Der Weg zur Erlösung bahnt sich den Weg über eine Lebensfreude, die in Serafina brennt und die nach außen drängt.

Ganz glauben muss man diesen Wandel dennoch nicht, zumal das Drehbuch an der Stelle wenig in die Tiefe geht. Die tätowierte Rose bleibt ein bisschen vage, wenn es um das Innenleben der Protagonistin geht. Dabei ist sie noch der mit Abstand spannendste Charakter. Alvaro ist ein freundlicher, hilfsbereiter, letztendlich ziemlich simpler Kerl, der jedoch allenfalls durch seine gesteigerte Emotionalität in Erinnerung bleibt. Die beiden jungen Figuren – Rosa sowie ihre große erste Liebe Jack Hunter (Ben Cooper) – sind ohnehin mit nur wenig Charakter ausgestattet. Und auch beim Drumherum, wenn es um das Leben in einem fremden Land und einer fremden Kultur geht, zeigt sich das Drehbuch sparsam. Doch all das überspielt Magnani, die einen ständig fühlen lässt, dass das alles viel komplexer ist, als es sich Serafina eingestehen mag. Eine Frau, die auf einige feste Wahrheiten des Lebens pocht, bevor sie sich selbst zugesteht, das Leben kennenzulernen.

Credits

OT: „The Rose Tattoo“
Land: USA
Jahr: 1955
Regie: Daniel Mann
Drehbuch: Hal Kanter
Vorlage: Tennessee Williams
Musik: Alex North
Kamera: James Wong Howe
Besetzung: Anna Magnani, Burt Lancaster, Marisa Pavan, Ben Cooper, Virginia Grey, Jo Van Fleet

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 1956 Bester Film Nominierung
Beste Hauptdarstellerin Anna Magnani Sieg
Beste Nebendarstellerin Marisa Pavan Nominierung
Beste Musik Alex North Nominierung
Beste Kamera (Schwarzweiß) James Wong Howe Sieg
Bestes Szenenbild (Schwarzweiß) Hal Pereira, Tambi Larsen, Sam Comer, Arthur Krams Sieg
Beste Kostüme (Schwarzweiß) Edith Head Nominierung
Bester Schnitt Warren Low Nominierung
BAFTA 1957 Beste ausländische Darstellerin Anna Magnani Sieg
Beste ausländische Darstellerin Marisa Pavan Nominierung
Golden Globes Beste Hauptdarstellerin (Drama) Anna Magnani Sieg
Beste Nebendarstellerin Marisa Pavan Sieg

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4.2/5 - (12 votes)
Die tätowierte Rose
„Die tätowierte Rose“ handelt von einer Witwe, die sich langsam einer neuen Liebe öffnet. So etwas kann schnell kitschig werden, ist hier aber mehr von einer starken Lebensfreude geprägt. Sehenswert ist das vor allem für eine leidenschaftlich auftretende Anna Magnani, inhaltlich ist das auf einem Theaterstück basierende Drama hingegen eher dünn.
7von 10
Leserwertung: (3 Votes)
5.1

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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