Inhalt / Kritik

„Boss Baby: Schluss mit Kindergarten“ // Deutschland-Start: 14. Oktober 2021 (Kino)

30 Jahre sind vergangen, seitdem Tim und Ted gemeinsame Abenteuer erlebt haben. Und so richtig viel gemeinsam haben die beiden Brüder seither nicht mehr. Während Tim inzwischen selbst Vater zweier Töchter geworden ist, ist Ted so sehr mit seiner Arbeit als CEO einer großen Firma beschäftigt, dass er für nichts mehr Zeit hat. Tim leidet sehr unter dieser Situation, ebenso darunter, dass seine ältere Tochter Tabitha sich abnabelt und ihrem Onkel nacheifert. Da macht er eine überraschende Entdeckung: Seine jüngere Tochter Tina ist in Wirklichkeit eine Geheimagentin für BabyCorp, wie es einst Ted gewesen war. Ihr Ziel ist die Elite-Schule, auf die Tabitha geht. Denn die steht im Verdacht, dass da hinter der leuchtenden Fassade etwas Finsteres vor sich geht …

Absurdität hoch zwei

Was einmal erfolgreich ist, das ist es auch ein zweites Mal. Oder noch öfter. So dachte man sich wohl auch bei The Boss Baby. Zwar wurde seinerzeit bereits beim Abspann deutlich, dass man auf eine Fortsetzung schielte. Aber erst das beeindruckende Einspielergebnis von über 500 Millionen Dollar – knapp das Fünffache des Budgets – dürfte den Ausschlag gegeben haben, die Geschichte der zwei Brüder weiterzuerzählen. Zunächst stand erst einmal die Netflix-Serie The Boss Baby: Wieder im Geschäft an, welche es immerhin auf vier Staffeln brachte, danach sollte es groß weitergehen. Beim zweiten Film Boss Baby: Schluss mit Kindergarten kam jedoch die Corona-Pandemie dazwischen, welche zuerst die Produktion erschwerte und anschließend zu einer mehrmonatigen Verschiebung führte.

Und hat sich die lange Wartezeit gelohnt? Geht so. Ganz grundsätzlich haben Geschichten, die ihren Reiz aus der eigenen Absurdität beziehen, das Problem, dass sie schlecht wiederholt werden können. So auch hier. Klar war das in den Büchern von Marla Frazee entworfene Szenario lustig, wenn sich vermeintlich gewöhnliche Brabbel-Babys als geheime Agenten einer Organisation herausstellen, die im Hintergrund die Strippen zieht. Denn auf eine derart bescheuerte Idee muss man erst einmal kommen, der Überraschungseffekt war groß. Eine vergleichbare Wirkung konnte Boss Baby: Schluss mit Kindergarten deshalb gar nicht erzielen. Umso wichtiger wäre es gewesen, dieses inhärente Manko anderweitig auszugleichen.

Zurück auf Anfang, irgendwie

Stattdessen wurde auf Biegen und Brechen wieder eine ähnliche Situation geschaffen wie beim ersten Teil. Dieser endete bekanntlich damit, dass die beiden Brüder erwachsen sind. Da man sie aber wieder als Kinder brauchte, bediente man sich eines Elements, um den alten Status Quo wiederherzustellen. Überzeugend ist das nicht. Klar, bei einer Reihe, die sowieso unsinnig ist, kann die Versuchung groß sein, einfach nur irgendwie die Geschichte erzählen zu wollen. Bei Boss Baby: Schluss mit Kindergarten wurde diese Rückkehr ins Kindesalter aber derart umständlich umgesetzt, dass dabei einiges vom ursprünglichen Charme auf der Strecke bleibt. Plötzlich doch wieder Konflikte wieder einzubauen, als hätte es die Entwicklung im ersten Teil nicht gegeben, ist ebenfalls faul. Selbst bei einem solchen Film darf man sich schon mehr Mühe geben.

Wobei diese eigenartige Mischung aus Fortsetzung und Wiederholung auch das Ergebnis eines größeren Nebenstrangs ist: Der Film handelt davon, wie sich die Brüder entfremdet haben und sich nun wieder annähern. Dieser etwas emotionalere Part, der ebenfalls stark an den Vorgänger erinnert, wird um Tochter Tabitha erweitert. Denn auch bei ihr geht es um das Thema Loslösung und Entfremdung. Prinzipiell spricht nichts dagegen, eine solche Geschichte erzählen zu wollen. Boss Baby: Schluss mit Kindergarten verheddert sich aber beim Versuch, das alles irgendwie stimmig miteinander verknüpfen zu wollen. Der Film ist an zu vielen Stellen gleichzeitig unterwegs und zerfällt dabei in mehrere Bestandteile.

Nur nettes Stückwerk

Teilweise können die ganz nett sein. So gibt es zwischendurch schon noch einzelne witzige Momente etwa im Bezug auf die Vorgänge in der Eliteschule. Und auch wenn die Szenen um Papa und Tochter nicht unbedingt Demonstrationen großer Kreativität sind: Irgendwie süß sind sie schon. Zudem geht es mitunter recht turbulent zu, was gerade der jungen Zielgruppe gut gefallen dürfte. Dennoch: Insgesamt ist Boss Baby: Schluss mit Kindergarten eine recht überflüssige Fortsetzung, die irgendwie den Vorgänger wiederholen will, dabei aber keine Idee hat, wie das aussehen könnte. Da die Optik von DreamWorks Animation ebenfalls kein Wunderwerk ist, ist die Animationskomödie letztendlich zwar schon etwas, mit dem man die jungen Fans beschäftigen kann. Die Welt wäre ohne sie aber nicht gerade ärmer.

Credits

OT: „The Boss Baby: Family Business“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Tom McGrath
Drehbuch: Michael McCullers
Vorlage: Marla Frazee
Musik: Hans Zimmer, Steve Mazzaro
Animation: DreamWorks Animation

Bilder

Trailer

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Boss Baby: Schluss mit Kindergarten
„Boss Baby: Schluss mit Kindergarten“ will an den erfolgreichen ersten Teil anknüpfen, weiß aber nicht so recht wie. Das Ergebnis ist ein streckenweise zwar schon irgendwie unterhaltsamer Animationsfilm, der sich aber schwer tut, die Absurdität des Szenarios weiterzuentwickeln, und zudem mehr Stückwerk als Geschichte ist.
5von 10
Leserwertung: (1 Judge)
7.0

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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