The Forever Purge
© Universal Pictures

The Forever Purge

Inhalt / Kritik

The Forever Purge
„The Forever Purge“ // Deutschland-Start: 12. August 2021 (Kino) // 25. November 2021 (DVD/Blu-ray)

Als Adela (Ana de la Reguera) und Juan (Tenoch Huerta) die Flucht aus Mexiko gelingt, ist die Hoffnung groß, in Zukunft von der allgegenwärtigen Gewalt ihres Heimatlandes verschont zu bleiben. Und zumindest eine Zeit lang sieht es danach aus, als wäre ihnen der Neuanfang auf der Farm von Caleb (Will Patton) gelungen. Zwar lässt dessen Sohn Dylan (Josh Lucas) jeden der Einwanderer spüren, dass er sie für minderwertig hält. Doch die Arbeit an sich gefällt Juan. Die eigentliche Gefahr lauert ohnehin woanders: Einmal im Jahr ist in der sogenannten Purge-Nacht jedes Verbrechen erlaubt, was zunehmend auch Rassisten auf den Plan ruft, die alle Fremden ungestraft abknallen dürfen. Zwar überstehen Adela und Juan die Nacht ohne große Auswirkungen, stellen dann aber zu ihrem Entsetzen fest, dass im ganzen Land Aufständische beschlossen haben, den Purge-Zustand auf unbegrenzte Zeit fortzusetzen …

Eine wiederkehrende Nacht

Bei den Dutzenden an Filmen aus dem Horror- und Thrillerbereich, die Blumhouse Productions im Laufe der Jahre veröffentlicht hat, ist The Purge unstrittig eines der Aushängeschilder. So gab es zwar durchaus erfolgreichere Titel. Auch bei den Kritiken haben andere mehr erreicht, wirklich mehr als durchschnittlich war die Resonanz eigentlich nie. Dafür zeigen die Geschichten um die eine Nacht im Jahr, in der alles möglich ist, ein beeindruckendes Durchhaltevermögen. Vier Filme erschienen zwischen 2013 und 2018, im Anschluss wurden zwei Staffeln einer Fernsehserie produziert. Nun gibt es mit The Forever Purge nach einer kurzen coronabedingten Zwangspause wieder Nachschub. Das Motto: groß, größer, am größten.

War der erste Film The Purge – Die Säuberung seinerzeit ein geradezu intimer Home-Invasion-Thriller, der durch seine geradezu satirischen Kommentare über die auch von den Medien befeuerte Gewaltsucht in den USA hervorstach, wird inzwischen nur noch gemetzelt, was das Zeuge hält. Die gesellschaftskritische Note hat die Reihe dabei jedoch beibehalten. Nachdem wir zuletzt bei The First Purge noch etwas über die zynischen Anfänge dieser Blutnacht erfahren durften, befasst sich The Forever Purge mit den Folgen. Genauer steht im Mittelpunkt eine Gesellschaft, die sich inzwischen so sehr an die Ausübung und Bagatellisierung von Gewalt gewöhnt hat, dass sie zu einem Pulverfass geworden ist. War die Idee von Purge, so zumindest wurde offiziell behauptet, dass diese Nacht als Ventil dienen würde, verwandelte sie sich vielmehr in einen Katalysator.

Eine gute Idee mit blödem Fortgang

Die Idee, diese Nacht derart eskalieren zu lassen, dass sie kein Ende mehr findet, ist nicht nur wegen der jüngsten Ereignisse in den USA so naheliegend, dass man sich im Nachhinein fragt: Warum nicht schon vorher? Der Übergang ist zudem effektiv in Szene gesetzt. Während sich das mit den Vorgängern vertraute Publikum in der Anfangsphase ausmalt, was alles passieren wird, hat Drehbuchautor und Purge-Mastermind James DeMonaco einen anderen Plan. So endet die Nacht überraschend früh, nur um dann eben doch nicht vorbei zu sein. Der Auftakt ist deshalb, trotz der mäßig interessanten Figuren, durchaus gelungen und macht neugierig darauf, was in Folge der Eskalation sonst noch alles geschehen wird.

Die Antwort: irgendwie alles und gleichzeitig nichts. Anstatt die gelebte Gewalt spontan eskalieren und zu einem wahren Flächenbrand werden zu lassen, wird bei The Forever Purge versucht, dies zu einem bewussten Akt aufzubauen, der im Geheimen vorbereitet wurde. Das ist nicht nur wenig plausibel bei einer im gesamten Land stattfindenden Aktion. Es führt auch gleich zu einem ersten Widerspruch, den aber offensichtlich niemand beim Schreiben gemerkt hat. Und das ist nur der Anfang: Es gelingt dem Film tatsächlich, von Minute zu Minute unsinniger zu werden. Natürlich muss man an ein solches Werk nicht den Anspruch der Glaubwürdigkeit mitbringen. Überzogen war die Reihe schließlich schon immer. Hier wurde das aber derart auf die Spitze getrieben, dass kaum noch etwas inhaltlich funktioniert und der Ärger groß ist.

Überzogen bis zum bitteren Enden

Eigentlich würde der Film nämlich schon ganz gerne etwas über die Welt aussagen. Er ist dabei auch alles andere als subtil: Da sind solche Holzhammer-Dialoge dabei, dass einem im Anschluss nicht nur die Ohren bluten. Am meisten Spaß macht The Forever Purge dann noch, wenn sämtliche Ambitionen auf einen Inhalt aufgegeben wurden und man sich komplett dem Straßenkampf hingibt. Auch das ist völlig over the top, lässt einen vermuten, dass es sich hier um eine Comic-Adaption handelt, die mit Mad Max gekreuzt wurde. Aber es ist wenigstens irgendwie lustig, wenn es schon nicht spannend ist. Und deutlich besser als der bemühte Kitsch, der irgendwie auch noch rein musste und noch nicht einmal so tut, als hätte da jemand Arbeit investiert. Sicher gibt es schlechtere Werke da draußen, gerade in dem Segment. Selten aber muss man mitansehen, wie auf derart stümperhafte Weise das zweifellos vorhandene Potenzial verschwendet wird.

Credits

OT: „The Forever Purge“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Everardo Gout
Drehbuch: James DeMonaco
Musik: The Newton Brothers
Kamera: Luis Sansans
Besetzung: Ana de la Reguera, Tenoch Huerta, Josh Lucas, Cassidy Freeman, Leven Rambin, Alejandro Edda, Will Patton

Bilder

Trailer

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„The Forever Purge“ beginnt ganz vielversprechend, wenn die berüchtigte Nacht der Straflosigkeit völlig eskaliert und im ganzen Land die Gewalt herrscht. Umso ärgerlicher ist, wie die Geschichte im Anschluss von Minute zu Minute dümmer wird, irgendwann praktisch gar nichts mehr Sinn ergibt. Die Actionszenen sind für sich genommen noch passabel, aber kein Ersatz für das derart fahrlässig verschwendete Potenzial.
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