„The First Purge“, USA, 2018
Regie: Gerard McMurray; Drehbuch: James DeMonaco; Musik: Kevin Lax
Darsteller: Y’lan Noel, Lex Scott Davis, Joivan Wade, Marisa Tomei

The First Purge

„The First Purge“ läuft ab 5. Juli 2018 im Kino

Die Verbrechensrate in den USA ist zu hoch, darüber sind sich alle einig. Wie damit umzugehen ist, wie man diese Entwicklung verhindern kann, das ist hingegen höchst umstritten. Eine Idee: Was würde wohl passieren, wenn eine Nacht lang alle Verbrechen legal wären? Wäre die Gesellschaft dann friedlicher? Die Psychologin Dr. Updale (Marisa Tomei) war es, auf deren Theorien aufbauend ein Testlauf veranstaltet wird. Im New Yorker Stadtteil Staten Island werden für zwölf Stunden alle Gesetze außer Kraft gesetzt, vom einfachen Diebstahl bis zum Mord ist alles erlaubt. Damit die Bewohner auch kräftig an diesem Experiment teilnehmen, erhält jeder 5.000 Dollar. Tatsächlich finden sich auch genügend Freiwillige, darunter der Drogenboss Dmitri (Y’lan Noel), seine Ex-Freundin Nya (Lex Scott Davis) und ihr Bruder (Joivan Wade). Und es wird auch nicht lange dauern, bis die Lage eskaliert und die ersten Toten zu beklagen sind.

Was macht ein gewiefter Produzent, wenn es einen neuen Film in einer Reihe braucht, aber die Idee für einen Nachfolger fehlt? Man dreht trotzdem einen. Oder wandelt das Szenario ein klein wenig ab. Siehe The Purge. Nachdem drei reguläre Teile veröffentlicht wurden und wir noch immer auf die vor über einem Jahr angekündigte TV-Serie warten, gibt es schon mal ein Prequel als Lückenfüller. Erzählt wird hier, wie es überhaupt zu der bahnbrechenden Einrichtung kam, dass eine Nacht im Jahr jedes Verbrechen erlaubt ist: Mord, Raub, Vergewaltigung. Erlaubt ist alles.

Worum ging es noch mal?
Ersehnter Frischewind für eine langsam stagnierende Geschichte oder doch nur lauer Aufguss, um der Hitreihe noch ein paar weitere Dollar abzuringen? So oder so, The First Purge versprach blutig zu werden. Denn wenn die Reihe eins gezeigt hat, dann ist es ein Faible für geradezu satirische Gesellschaftsbrutalität. Schließlich ging es 2013 bei The Purge – Die Säuberung damit los, dass ein paar gelangweilte Wohlhabende – weiß natürlich – schutzlose Obdachlose ermordeten, folterten, mit viel Spaß an der Sache.

Ein solches Szenario hat nach wie vor viel Potenzial, gerade bei einem Film, der in den USA spielt: Ein Land, in dem Leute über den Haufen geschossen werden, wenn sie einem nicht passen. Ein Land, dessen Präsident sich im besten Fall nicht für die Gewalt gegenüber Minderheiten interessiert, sie im schlimmsten Fall sogar propagiert. In The First Purge wird dieses Potenzial jedoch auf erschreckende Weise ignoriert. Sicher, andere Teile gaben die Angriffe auf menschenverachtende Eliten auch schon zugunsten von Genrealltag auf, begruben das schockierend ätzende Gesellschaftsporträt unter dem üblichen Thrillerschutt. So extrem wie hier war dies aber normalerweise nicht. Dass so viel Zeit auf belanglose Bandenkriege verschwendet wird, das ist schon sehr ärgerlich.

Ein bisschen Wendung muss sein
Ganz verzichten mag Franchise-Mastermind James DeMonaco, der hier erstmals den Regiestuhl abgibt, aber weiterhin für das Drehbuch verantwortlich ist, zwar nicht auf seine säuregiftigen Anschläge auf die Oberschicht. Genauer nimmt er sich hier die Politik zur Brust. Und das gleich richtig. Wenn The First Purge mal zu seinem Thema kommt, dann wird es böse schmerzhaft, der zelebrierte Zynismus erinnert an den Satiremeister Jonathan Swift. Das schimmert aber nur wenige Minuten durch, der Höhepunkt fällt äußerst kurz aus. Der Rest setzt sich aus abgestandenen Actionszenen und entbehrlichen Figuren zusammen.

Eine interessante Wendung macht aber noch keinen interessanten Film. Nicht wenn der Rest aus so vielen Klischees zusammengebastelt wird, dass die größte Gefahr nicht von den bis an die Augen bewaffneten Psychos ausgeht, sondern von der Langeweile. Überraschungen sind Mangelware, The First Purge vertraut dem Autopiloten, während es selbst ein Kreativitätsnickerchen einlegt. Es ist noch nicht einmal so, dass man den wenigen Protagonisten hier ernsthaft die Daumen drücken wollte. Dafür sind sie zu nervig, sofern sie überhaupt etwas Nennenswertes bewegen. Einen Gefallen hat man sich mit dem Prequel also nicht, umso mehr, da der inhaltliche Sinn und Zweck – die Erklärung der Nacht – der bekannten Geschichte nichts hinzuzufügen hat. Der Film letztendlich völlig überflüssig ist.

The First Purge
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The First Purge
Wie kam es eigentlich zu der berühmten Horrornacht, in der alle Verbrechen legal ist? „The First Purge“ gibt eine Antwort darauf, jedoch keine, die sich in irgendeiner Form lohnen würde. Die gesellschaftskritischen Aspekte der Reihe werden hier fast völlig ignoriert. Stattdessen gibt es abgestandene Actionszenen und Figuren, die so langweilig sind, dass einem ihr Schicksal völlig egal ist.
4von 10

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