Jacob Chase ist ein US-amerikanischer Regisseur, Drehbuchautor und Cutter. Als Drehbuchautor hat Chase seine Skripts bereits so unterschiedlichen Unternehmen wie Amazon Studios, Paramount, Cirque de Soleil oder The Jim Henson Company angeboten und verkaufen können. Neben seiner Tätigkeit als Autor führte er bei einer ganzen Reihe sehr unterschiedlicher Kurzfilme Regie, von denen der 2017 entstandene Larry sowohl formal wie auch erzählerisch das Fundament für seinen ersten Spielfilm Come Play lieferte. Für seine Tätigkeit als Autor und Regisseur durfte Chase bereits Auszeichnungen entgegennehmen. So wurde er beispielsweise für The Four-Faced Liar mit dem HBO Audience Award in der Kategorie Bestes Debüt geehrt. Einen besonderen Unterstützer fand Chase in Regisseur Zack Snyder, der durch einen von Chase gedrehten Werbespot auf diesen aufmerksam wurde und sich als sein Mentor anbot, sodass Chase ihm bei der Produktion von Justice League über die Schulter schauen durfte.

Anlässlich des Verkaufsstarts von Come Play am 19. August 2021 auf DVD, Blu-ray und digital unterhielten wir uns mit Jacob Chase über den Weg vom Kurz- zum Spielfilm, Autismus im Film sowie das Design des Monsters.

Larry ist ein Kurzfilm, den du 2017 gedreht hast und der nun als Fundament für Come Play dient. Kannst du uns etwas zur Entwicklung der Geschichte von einem Kurz- hin zu einem Langfilm erzählen?

Larry war für mich in erster Linie ein Experiment, im Horrorgenre an sich, aber auch in Bezug auf den Spannungsaufbau in einem Film. Vor Jahren habe ich einmal ein Geisterhaus in meiner Heimstadt betrieben und hatte noch viele der Kostüme und Requisiten in meiner Garage stehen, unter anderem auch das Monster, was man im Kurzfilm sieht. Mit ein paar Freunden haben wir dann innerhalb weniger Tage den Film gedreht.

Irgendwann wurde mir angeboten, die Prämisse des Kurzfilms zu einem abendfüllenden Spielfilm auszubauen, was ich sofort annahm. Davon ausgehend ergaben sich viele andere Aspekte, die für die Geschichte eine Rolle spielen, beispielsweise das Thema Autismus, was vor allem meine Frau sehr beschäftigt, da sie sich in ihrer Arbeit viel mit autistischen Kindern befasst. Ich hatte schon immer vorgehabt eine Geschichte zu erzählen über ein autistisches Kind, weil dieses Thema in unserer Familie eine so große Rolle spielt, und hier ergab sich die Gelegenheit.

Gerade wenn man als Filmemacher versucht so etwas wie Autismus darzustellen, gerät man ja schnell in die Falle, es falsch darzustellen oder gar ins Lächerliche zu ziehen. Wie hast du sichergestellt, dass dein Film diesbezüglich authentisch bleibt?

Es stimmt, es gibt da viele Fallen, in die man tappen kann. Für Come Play habe ich mit vielen von Autismus betroffenen Kindern, ihren Familien sowie ihren Therapeuten gesprochen, um mir ein genaues Bild zu machen. Ein Junge, der ohne Sprache auf die Welt kam und sie mithilfe seiner Eltern und Sprachtherapeuten langsam erworben hat, war sehr hilfreich, denn er hat das Drehbuch mit mir gelesen und mir Feedback gegeben.

Als wir dann Azhy Robertson in der Rolle des Oliver besetzten, nahm ich ihn mit zu Kindern seines Alters, die autistisch sind. Er unterhielt sich und spielte mit ihnen, und konnte sich ein Bild machen, was es heißt autistisch zu sein, wie man spricht und sich anderen gegenüber verhält. Man kann sagen, wir haben als Team sehr viel dafür getan, dass das Thema Autismus im Film authentisch dargestellt wird.

Zu dem anderen Thema von Come Play, nämlich dem Verhältnis Mensch und Technologie, gibt es ein schönes Zitat, was besagt, dass die Ironie moderner Technologie darin besteht, dass sie uns zugleich zusammenbringt und dann aber auch wieder voneinander trennt. Was hältst du von diesem Statement?

Mir gefällt diese Aussage, vor allem, weil sie Technologie nicht von Grund auf verdammt. Die Tatsache, dass wir uns gerade unterhalten können, ist nur über moderne Technologie möglich, weswegen man die guten Seiten nicht verschweigen darf.

In Come Play ist Technologie das Mittel, mit dem das Monster in die Welt kommt, aber es ist nicht der Bösewicht an sich. Wie in anderen Horrorfilmen, wo es ein Buch oder ein Totem bedarf, mit dem ein Monster oder ein Bösewicht Zugang zu unserer Welt erhält, haben wir auch nach einer Sache gesucht, die sich als ein solches Mittel eignet und gleichzeitig jedem zugänglich ist.

Come Play ist in gewisser Weise in einer Reihe mit modernen Horrorfilmen wie Jennifer Kents Der Babadook oder Ari Asters Hereditary – Das Vermächtnis, die als Genrefilme funktionieren, aber darüber hinaus noch sehr zeitgemäße Themen ansprechen, über die man nicht so oft oder nicht gerne spricht. Ist das Horrorgenre besser als andere Genre geeignet um diese Themen anzusprechen?

Wenn es darum geht, Themen wie Rassismus, Trauer oder Tod zu behandeln und Menschen für eine bestimmte Sichtweise empfänglich zu machen, finde ich ist das Horrorgenre am besten geeignet, um diese Ideen anzusprechen. Alleine schon, weil es einem Filmemacher ermöglicht, diese innerhalb eines Rahmen zu tun, der den Zuschauer unterhält und spannend ist. Bestenfalls findet das Publikum sowohl einen Zugang zu den Charakteren und ihrer Welt, und darüber hinaus noch eine zu den Themen, die diese Figuren bewegen. In gewisser Weise ist es so, als würde man ein Drama sehen.

Als jemand, der mit Horrorfilmen, Live Horror Theater und Geisterhäusern aufwuchs, ist es eine Freude, sich in diesem Genre auszutoben, also auf der einen Seite Menschen zu erschrecken, sie dann aber auch für Themen, die mich bewegen zu interessieren oder sie emotional zu berühren.

Kannst du uns was zum Design des Monsters verraten und wie es sich vom Kurzfilm hin zum Spielfilm entwickelt hat?

Das Monster begleitet mich, wenn man es so sagen will, schon viele Jahre und hat sich im Laufe der zeit mehrere Male verändert. Die Version in Come Play wurde vom Jim Henson Creature Shop entworfen und sieht einfach super aus. Da ich so wenig auf digitale Effekte zurückgreifen wollte wie möglich, war es toll das Monster am Set zu haben und die Schauspieler damit interagieren zu sehen. Auch für sie war es eine gute Erfahrung.

Mir war wichtig, dass Larry ein Monster ist, das nicht bedrohlich wirkt, zumindest nicht am Anfang. Larry will, wie es heißt, einen Freund finden und diese Traurigkeit und Melancholie sollte sich in der Art und Weise wie es sich bewegt widerspiegeln. Darüber hinaus erlaubt es der Buckel nicht, dass Larry sich aufrichtet, was ihn zu einer wirklich bemitleidenswerten Kreatur macht. Kurzum, Larry sollte ein Monster sein, aber keines, was darauf ausgelegt ist, jemanden in Angst und Schrecken zu versetzen.

Um auf ein anderes Thema zu sprechen zu kommen: Was lernt man von einem Mentor wie Zack Synder, dem du beim Dreh von Justice League über die Schulter schauen durftest?

Das war eine unglaubliche Erfahrung. Zack dabei zuzusehen, wie er mit seiner Besetzung und seiner Crew kommunizierte inmitten dieser immensen Produktion oder wie er das Studio zufriedenstellte. Ihm beim Drehen, im Schneideraum und während des Schreibprozesses zu begleiten, war einfach toll. Wann immer mir die Möglichkeit gegeben wird, einem Regisseur über die Schultern zu blicken und zu lernen, bin ich gerne dabei und sehr dankbar dafür.

Möchtest du noch etwas zu Geschichten oder Projekten sagen, an denen du gerade arbeitest?

Auf dem Steamingportal Peacock wird diesen Herbst eine Serie von mir anlaufen mit dem Titel The Girl in the Woods. Das ist eine weitere Geschichte im Horrorgenre. Darüber hinaus arbeite ich natürlich noch an anderen Projekten, doch dazu kann ich erst was sagen, wenn sich bei denen etwas mehr ergibt.

Vielen Dank für das nette Gespräch.



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