Inhalt / Kritik

From Dusk Till Dawn 1996

„From Dusk Till Dawn“ // Deutschland-Start: 4. Juli 1996 (Kino) // 8. Dezember 2011 (DVD)

Nach einem geglückten Gefängnisausbruch sowie einem Banküberfall sind die Gebrüder Seth und Richard Gecko (George Clooney und Quentin Tarantino) auf der Flucht vor der Polizei. Ihr Ziel ist Mexiko, wo sie mithilfe von Seths Kontakten in der mexikanischen Drogenszene untertauchen wollen. Doch bis zur Grenze ist es ein langer Weg, neben den zahlreichen Polizisten, den Texas Rangers sowie dem FBI ist es auch immer wieder das unberechenbare Temperament Richards, das für Schusswechsel und weitere Leichen auf ihrem Weg sorgt. Nach einem Blutbad in einer Tankstelle, steigen die beiden Männer in einem Motel ab, wo sie die Familie Fuller als Geisel nehmen, die mit ihrem Wohnmobil auf Reisen sind. Deren Oberhaupt, Pfarrer Jacob Fuller (Harvey Keitel), ist nach dem Unfalltod seiner Frau in einer tiefen Glaubenskrise und bezweifelt, dass er je wieder als Geistlicher dienen kann, während seine beiden Kinder, seine Tochter Kate (Juliette Lewis) und Adoptivsohn Scott (Ernest Liu) ihn versuchen, auf andere Gedanken zu bringen. Als Gefangene der Geckos sollen sie diese im Wohnmobil über die Grenze schmuggeln.

Als die Fullers und die Geckos schließlich beim Treffpunkt mit dem mexikanischen Kontaktmann, der die beiden Bankräuber in ihr Versteck bringen soll, eintreffen, einer Bar namens Titty Twister, kommt es beinahe zu einem weiteren Blutvergießen, als sich Seth mit dem Barmann anlegt. Jedoch kann ihn Jacob von seinem Vorhaben abhalten, was die unsichere Partnerschaft der beiden Männer bestätigt. Noch während sich sowohl Fuller als auch die Geckos in Sicherheit wiegen, das Schlimmste hinter sich zu haben und bald ihre Freiheit genießen zu können, bricht das Grauen über sie hinein, denn die Bar ist ein Hort für Vampire, welche die Jagd auf ihre Kundschaft eröffnen.

Auf dem Weg zum Kultfilm

Im Hollywood der 1990er Jahre führte nach Reservoir Dogs (1992), Pulp Fiction (1994) sowie den ersten beiden Einträgen der Mariachi-Trilogie, El Mariachi (1992) und Desperado (1995) kein Weg vorbei an den Namen der Regisseure Quentin Tarantino und Robert Rodriguez, weshalb eine Kollaboration der beiden ein mehr als sicherer Hit für ein Filmstudio sein würde. Diese sollte sich mit dem Drehbuch zu From Dusk Till Dawn ergeben, dessen Geschichte ursprünglich von Drehbuchautor Robert Kurtzman erdacht worden war und als zweiter Teil der Geschichten aus der Gruft-Spielfilmreihe nach Ritter der Dämonen (1995) folgen sollte. Als dann Kurtzman ein anders Projekt, ebenfalls ein Vampirfilm, produzierte, ergab sich die Chance für Tarantino und Rodriguez, wobei ersterer sein Drehbuch nochmals umschrieb, da er die Rolle des Richard Gecko übernahm. Herausgekommen ist dabei eine wilde Mischung aus Gangster- und Horrorfilm, der bis heute noch sein Publikum fasziniert, was neben Rodriguez‘ Inszenierung und seinem Schnitt nicht zuletzt in den Dialogen Tarantinos begründet liegt.

Wie in Pulp Fiction oder Reservoir Dogs begegnen dem Zuschauer vor allem Archetypen in From Dusk Till Dawn. Zusammengesetzt aus einer Vielzahl von Verweisen auf die Kinogeschichte, cooler Poserei und einem Konglomerat smarter One-Liner sind Charaktere wie Seth Gecko mittlerweile zu so etwas wie Ikonen des Genres, zumindest aber der 1990er aufgestiegen, was auch in George Clooney Darstellung begründet liegt, der selbst einem amoralischen Charakter wie diesem noch etwas Gentleman-Charme abtrotzt und der seine Coolness wie eine Art Panzer um sich herum trägt. Im Zusammenspiel mit Quentin Tarantinos Richard ergibt sich eine für die Geschichte sehr attraktive Dynamik zwischen dem Kontrollfreak Seth und dem unberechenbaren Psychopathen Richie, der mehr als einmal dafür sorgt, dass sich ein Plan in Luft auflöst oder spontan improvisiert werden muss, was meist immer in einem Blutbad endet. Doch es ist auch die Loyalität und Zuneigung zu seinem Bruder, die eine gewichtige Rolle spielt und dazu beiträgt, dass sich From Dusk Till Dawn mehr als einmal über seinen B-Movie-Charme erhebt, wie beispielsweise in den Szenen im Hotel, als Seth abermals gezwungen ist, hinter seinem Bruder aufzuräumen und mit dessen psychopathischer Seite konfrontiert wird, die er sich irgendwie vorgenommen hat zu kurieren.

Die Hölle auf Erden

Darüber hinaus wird das Ensemble ergänzt durch eine Vielzahl bunter Charaktere, wobei der von Harvey Keitel gespielte Jacob Fuller vielleicht der interessanteste ist. Auch wenn dessen Glaubenskrise nicht mit derselben Sorgfalt porträtiert wird wie beispielsweise die des Pater Karras in William Friedkins Der Exorzist, trotzt Keitel seiner Rolle einige tolle Momente ab, besonders wenn es um die Darstellung des Rollenkonfliktes zwischen Jacob als Vater und der als Repräsentant des Glaubens geht. Indem Tarantino ihn zum dritten Protagonisten macht, welcher im Pandämonium des Titty Twister seinen Kampf gegen die Hölle aufnehmen muss, zeigt sich abermals sein Talent, wenn es um die Etablierung von Charakteren geht, die Stellung ihres Konfliktes und deren Entwicklung.

Darüber hinaus ist From Dusk Till Dawn nach wie vor sehenswert, wenn es darum geht Genres miteinander zu verschmelzen. Die Verwandlung von einem Gangsterfilm hin zu einem beinharten Vampirhorror mit reichlich Splatter-Elementen mag sich auf dem Papier wenig überzeugend anhören, ist aber in der Praxis durchaus gut gelöst und mehr als überraschend, wenn auf einmal die Hölle auf Erden in der Bar ausbricht, wie es im Drehbuch heißt, Körperteile durch die Luft fliegen und Blutfontänen erscheinen. In diesem Zusammenhang dürfen einige der bekannten Gesichter aus den Filmen Tarantinos und Rodriguez‘ nicht fehlen, wobei neben Danny Trejo und Cheech Marin, der in gleich drei Rollen zu sehen ist, vor allem der Auftritt Tom Savinis als „Sex Machine“ im Gedächtnis bleiben wird.

Credits

OT: „From Dusk Till Dawn“
Land: USA
Jahr: 1996
Regie: Robert Rodriguez
Drehbuch: Quentin Tarantino
Musik: Graeme Revell
Kamera: Guillermo Navarro
Besetzung: George Clooney, Harvey Keitel, Quentin Tarantino, Juliette Lewis, Ernest Liu, Cheech Marin, Tom Savini, Fred Williamson, Salma Hayek

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From Dusk Till Dawn
„From Dusk Till Dawn“ ist eine gelungene Mischung aus Vampir- und Gangsterfilm. Neben geschliffenen Dialogen, Splattereffekten sowie tollen schauspielerischen Leistungen ist diese Kollaboration zwischen Robert Rodriguez und Quentin Tarantino ein Beispiel dafür, wenn es darum geht Genre zu vermischen und bei aller Liebe zu blutigen Effekten oder sonstigen Schauwerten seine Charaktere sowie deren Konflikte nicht aus dem Auge zu verlieren.
8von 10
Leserwertung: (3 Votes)
7.9

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