Made in Italy Auf die Liebe
© Leonine

Made in Italy – Auf die Liebe!

Inhalt / Kritik

Made in Italy Auf die Liebe
„Made in Italy – Auf die Liebe!“ // Deutschland-Start: 25. Juni (DVD/Blu-ray)

Als wäre es nicht schon schlimm genug für Jack Foster (Micheál Richardson), dass seine Frau Ruth (Yolanda Kettle) ihn andauernd dazu drängt, endlich die Scheidungspapiere zu unterzeichnen, hat sie noch eine ganz andere Hiobsbotschaft für ihn: Ihre Familie will die Galerie verkaufen, die Jack leitet. Für ihn kommt das gar nicht in Frage, so viel steht fest. Dann muss er sie eben selbst kaufen. Nur woher das benötigte Geld nehmen? In seiner Not wendet er sich an seinen Vater Robert (Liam Neeson), einen einst berühmten Künstler, von dem er sich schon vor Jahren entfremdet hat. Der lässt sich dazu überreden, das alte Familienhaus in Italien zu verkaufen, in dem sie gelebt haben, bis Jacks Mutter bei einem Autounfall ums Leben kam. Doch schon auf dem Weg dorthin kommt es zu ersten Konflikten. Und auch in Italien selbst führt ein Streit zum anderen, vor allem da Jack seinem Vater nie vergeben hat …

Zwischen Selbstverwirklichung und Trauerarbeit

Irgendwann scheint es jeden Mal zu erwischen: Schauspieler und Schauspielerinnen, die sich nicht länger damit zufriedengeben wollen, vor der Kamera zu agieren, sondern auch dahinter etwas Künstlerisches schaffen möchten. Nun also auch James D’Arcy (Agent Carter, The Philosophers – Wer überlebt?), der es auf viele Dutzend Filme und Serien bringt. Warum genau es ihn bei Made in Italy – Auf die Liebe! auf den Regiestuhl drängte, wird anhand des Films nicht klar. Eine eigene Rolle – für viele ein Anreiz – hat er sich selbst nicht auf den Leib geschrieben. Es ist aber auch nicht so, als hätte das von ihm verfasste Drehbuch so wahnsinnig viel zu bieten, dass dies seinen Schaffensdrang erklären würde.

Dafür ist umso eindeutiger, was seine beiden Hauptdarsteller dazu veranlasst haben dürfte, in dem Regiedebüt D’Arcys mitzuspielen: Die darin beschriebene Situationen ähnelt ihrer auf frappierende Weise. Schließlich haben Liam Neeson und Micheál Richardson, die auch im wahren Leben Vater und Sohn sind, ihre Frau und Mutter, die Schauspielerin Natasha Richardson, ebenfalls durch einen Unfall verloren. Made in Italy dürfte ihnen zumindest zum Teil vom Herzen gesprochen haben. Dem Film reicht das aber noch nicht an Tragik, weshalb er zusätzlich zu dem Schicksalsschlag von der Entfremdung der beiden erzählt. Davon, wie sie sich durch den gemeinsamen Verlust irgendwann auch selbst verloren haben.

Renovieren statt Aussprache

Stoff zum Aufarbeiten gibt es also genug. D’Arcy lässt sich jedoch seine liebe Zeit, bis es denn mal tatsächlich ans Eingemachte geht. Denn wie so oft wissen Vater und Sohn nicht, wie sie miteinander kommunizieren sollen. Made in Italy demonstriert das bereits auf der Autofahrt zu Beginn des Films, als die beiden an der Aufgabe scheitern, irgendwie Smalltalk zu betreiben. Dass sich das irgendwann ändern wird, ist klar. Solche Filme sprechen schließlich mit Vorliebe von einer Annäherung, ist gut fürs Herz des Publikums. Aber es dauert. Stattdessen geht es lange um das Haus und dessen Renovierung, welche zuerst gar nicht funktioniert, später dann aber doch.

Eben diese Beschäftigung mit dem Haus ist mit einigem Humor verbunden – oder zumindest dem Versuch eines Humors. Dann und wann hat Made in Italy tatsächlich unterhaltsame Momente, etwa bei den Auftritten von Lindsay Duncan als Immobilienmaklerin. Und auch die Versuche der beiden, einen unerwünschten tierischen Mitbewohner loszuwerden, wird mit einem leichten Schmunzeln belohnt. Ansonsten lässt einen die Tragikomödie tendenziell aber eher kalt, da vieles an dem Drehbuch einfach zu umständlich konstruiert wurde. Man hat hier praktisch nie das Gefühl, es mit realen Menschen zu tun zu haben. Die weiblichen Nebenfiguren, darunter auch Jacks Love Interest Natalia (Valeria Bilello), sind lediglich ein Mittel zum Zweck – was bei einem Film, der davon handelt, die Erinnerung an die Mutter aufrecht zu erhalten, zu wenig ist.

Schöne Bilder mit Kitschanteil

Dafür gibt es im weiteren Verlauf ein bisschen Kitsch, verbunden mit einer dazu passenden, groß auftragenden Musik. So richtig großes Vertrauen scheint D’Arcy nicht in sein Publikum haben, dass er sich zu derart offensichtlichen Manipulationen hinreißen lässt. Versöhnlich stimmen dafür die Bilder aus Italien, die bei aller Luxusidylle auch immer etwas schön Rustikales haben. Vereinzelt hat Made in Italy also schon etwas zu bieten. Und wer sich mal wieder von einem solchen Drama emotional durchschütteln lassen will und das mit den Details nicht so genau nimmt, der kann es hiermit schon mal versuchen. Als Visitenkarte für eine Zweitkarriere als Autorenfilmer ist die Vater-Sohn-Geschichte dann aber doch nicht genug, da stimmt oftmals die Balance nicht so wirklich.

Credits

OT: „Made in Italy“
Land: UK, Italien
Jahr: 2020
Regie: James D’Arcy
Drehbuch: James D’Arcy
Musik: Alex Belcher
Kamera: Mike Eley
Besetzung: Liam Neeson, Micheál Richardson, Valeria Bilello, Lindsay Duncan, Yolanda Kettle

Bilder

Trailer

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Wenn in „Made in Italy“ ein entfremdetes Vater-Sohn-Gespann nach Italien fährt, um das vernachlässigte Familienhaus zu verkaufen, dann bedeutet das in mehrfacher Hinsicht eine Begegnung mit der Vergangenheit. Das ist zwar gut besetzt und schön bebildert, insgesamt aber doch nur Durchschnitt mit gelegentlichem Hang zum Kitsch.
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von 10