Inhalt / Kritik

What Lies Below

„What Lies Below“ // Deutschland-Start: 10. Juni 2021 (Kino) // 22. Oktober 2021 (DVD/Blu-ray)

Das Summercamp ist vorbei. Jetzt heißt es für die 16-jährige Liberty Wells (Ema Horvath), zusammen mit ihrer Mutter Michelle (Mena Suvari) zum Familienhaus zu fahren, welches an einem See gelegen ist. Doch das mit der trauten Zweisamkeit hat sich erledigt, als Michelle ihrer Tochter John (Trey Tucker) vorstellt, ihren neuen Freund. Liberty ist schnell fasziniert von diesem attraktiven Mann, der sich mit Meeresbiologie beschäftigt. Gleichzeitig hat sie den Eindruck, dass etwas nicht mit ihm stimmt, vor allem nach einem unglücklichen Zwischenfall auf dem Wasser. Ihre Mutter will natürlich nichts von all dem wissen. Doch Liberty lässt das keine Ruhe und beginnt daher, ihn etwas genauer im Auge zu behalten …

Der Reiz des nackten Fremden

Wenn wir John das erste Mal sehen, dann steigt er gerade mit nacktem, muskulösen Oberkörper aus dem Wasser. Und auch später wird er mehrfach die Gelegenheit bekommen, seinen durchtrainierten Körper zu demonstrieren. Da soll mal jemand behaupten, dass Männer nicht auch zu Objekten reduziert werden können. Anders als bei so manchem Film, der seine Figuren sexualisiert, passt das bei What Lies Below ziemlich gut. Auch wenn es sich hier um keinen Erotikfilm handelt, nicht einmal um eine Romanze: Sexuelle Spannungen sind hier von Anfang an vorhanden. Der Blick von Liberty verrät einerseits die Verwirrung, gleichzeitig aber auch die Anziehungskraft, die der fremde Mann da ausübt.

Diese grundsätzlich spannende Dreierkonstellation wird aber ebenso wie die leichten Coming-of-Age-Elemente relativ schnell zu den Akten gelegt. Stattdessen verlegt Regisseur und Drehbuchautor Braden R. Duemmler den Schwerpunkt immer mehr in Richtung Mystery. Dass John viel zu gut aussieht, um wahr zu sein, das ist eigentlich selbst Michelle bewusst. Und auch als Zuschauer bzw. Zuschauerin darf man an der Stelle misstrauisch sein, was es mit dem attraktiven Fremden auf sich hat, der irgendwie von Fischen mehr zu verstehen scheint als von Menschen. Zumindest versucht What Lies Below, ihn als eine Art wissenschaftlichen Nerd zu porträtieren. Nur eben einer mit einem Sixpack-Bauch statt Brille und Hosenträgern.

Nur selten gelungen

So ganz nimmt man das Trey Tucker nicht ab. Immerhin darf er sich aber irgendwie ein bisschen seltsam verhalten, weshalb da immer ein komisches Gefühl verbunden ist, wenn er irgendwo auftaucht. Was genau mit ihm nicht stimmt, ist dabei keine so wirklich große Überraschung. Sofern man ein klein wenig genreaffin ist, ahnt man schon, was genau bei ihm los ist. Klar muss nicht jeder Genrebeitrag tausend Haken schlagen, um sein Publikum zu erfreuen. Manchmal reicht es, wenn die bekannten Ideen einfach kompetent umgesetzt sind. Das Problem bei What Lies Below ist jedoch, dass da kaum etwas geschieht. Hier mal eine kleine Andeutung, dort eine unangenehme Situation, das muss dann reichen. Duemmler ist mehr an dem Aufbau einer Atmosphäre interessiert als daran, eine nennenswerte Geschichte zu erzählen.

Streckenweise ist ihm das schon geglückt. Die Musik ist stimmungsvoll, zwischendurch gibt es schöne Bilder. Vor allem ganz zum Schluss wird What Lies Below sogar regelrecht verstörend, wenn es dann doch mal zur Sache geht und Duemmler die Karten auf den Tisch legt. Aber es lohnt sich nicht so wirklich, nur für diese Momentaufnahmen einen ganzen Film anzuschauen. Vor allem einen, der sich so zieht wie dieser hier und aus dem ganzen Kram nicht wirklich was macht. Das ist schade, weil da doch mehr Potenzial in allem steckte, das aber nicht herausgearbeitet wurde. Wenn jemand auf der Suche nach maritimem Mysteryhorror ist, dem wird in The Block Island Sound und The Beach House schon noch deutlich mehr geboten.

Credits

OT: „What Lies Below“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Braden R. Duemmler
Drehbuch: Braden R. Duemmler
Musik: Gavin Keese
Kamera: Jimmy Jung Lu
Besetzung: Ema Horvath, Mena Suvari, Trey Tucker

Bilder

Trailer

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What Lies Below
In „What Lies Below“ stellt eine 16-Jährige fest, dass ihre Mutter einen neuen Freund hat, der einerseits fantastisch aussieht, sich aber irgendwie komisch verhält. An manchen Stellen ist das atmosphärisch, zum Schluss auch verstörend. Doch dazwischen gibt es viel Leerlauf, während man vergeblich darauf wartet, dass sich die Geschichte mal weiterentwickelt.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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