Inhalt / Kritik

Perfect World

„Perfect World“ // Deutschland-Start: 6. Januar 1994 (Kino)

Im Jahre 1963 gelingt den Sträflingen Robert Haynes, genannt „Butch“, (Kevin Costner) und seinem Zellengenossen Terry (Keith Szarabajka) die Flucht aus dem Gefängnis. Ihr Ziel ist die Grenze, wo sich ihre Wege trennen wollen, doch bei der Suche nach einem neuen Fluchtauto kommt es zu Komplikationen, als der unberechenbare Terry in eine Wohnung eindringt und die Familie als Geiseln nimmt. Schließlich werden die Nachbarn aufmerksam auf die beiden Eindringlinge, sodass Butch kurz entschlossen den Sohn der Familie, Philip (T.J. Lowther), mit auf die Flucht nimmt.

Währenddessen hat sich eine Gruppe Texas Ranger an die Verfolgung der beiden Straftäter gemacht. Von seinen Vorgesetzten unter Druck gesetzt, die Angelegenheit schnell zu erledigen, macht sich das Team um Red Garnett (Clint Eastwood) auf die Jagd, wobei er unter anderem Unterstützung erhält von der Kriminologin Sally Gerber (Laura Dern) sowie einem Scharfschützen des FBI. Da Butch und Terry nun sogar ein Kind als Geisel bei sich haben, wird die Lage immer brenzliger, doch als die Truppe den Leichnam Terrys findet, wird schnell klar, dass es einen Streit zwischen den beiden Verbrechern gegeben haben muss.

In der Tat scheinen sich Butch und Philip angefreundet zu haben, vor allem, das der Flüchtige seiner Geisel die Fahrt als eine Art Abenteuer verkauft und ihm Dinger erlaubt, die er in seinem streng religiösen Haushalt nicht darf. Die Geschichte des Jungen erinnert ihn an seine eigene Familie und er spürt eine besondere Verbindung zu Philipp, für die aber wenig Zeit bleibt, denn die Ranger sind ihnen dicht auf den Fersen.

In einer perfekten Welt

Noch während er für In the Line of Fire vor der Kamera stand, erhielt Clint Eastwood das Angebot für Perfect World, was er als eine Möglichkeit sah, endlich wieder einmal nur hinter der Kamera, als Regisseur, zu agieren. Als dann aber Kevin Costner das Skript gelesen hatte, gelang es ihm, Eastwood doch zu überreden, die Rolle des Texas Ranger zu übernehmen, was im Nachhinein eine sehr kluge Wahl gewesen ist. Neben Costner ist es letztlich unter anderem Eastwood, sowohl in seiner Rolle vor als auch hinter der Kamera, der Perfect World zu einem so melancholischen, teils sehr traurigen Werk macht über den Verlust von Unschuld, über Väter und Gewalt im Leben. Es ist ein Film, der sehr zu Recht als einer der besten Eastwoods gilt und im Jahre 1993 für viele Kritiker der beste Film des Jahres war.

„In einer perfekten Welt würde dies nicht passieren“, ist einer dieser Sätze, der zunächst etwas naiv klingt, aber im Kontext der Handlung eine noch viele tiefer gehende Relevanz hat. Im Grunde sind sich sowohl Butch wie auch Red dieser Tatsache sehr wohl bewusst und haben viele Erfahrungen gemacht, die belegen, dass dies so ist, doch es bleibt die Hoffnung bei beiden, doch noch etwas von dieser Utopie zu retten. Während man Perfect World auf der einen Seite als Kriminalfilm sehen kann, ist es schließlich das Drama, welches am meisten überzeugt und von zwei Figuren erzählt, die versuchen, die absolute Katastrophe zu verhindern und um das Leben eines anderen kämpfen. Dieser Konflikt wie auch diese Hoffnung bildet einen wichtigen Aspekt in der Inszenierung Eastwoods wie auch dem Drehbuch John Lee Hancocks und macht den besonderen Reiz von Perfect World aus.

Die Unschuld eines Kindes

In der Beziehung zu Philip zeigt sich dieser Kampf um die Bewahrung einer gewissen Unschuld, einer „besseren Welt“, wenn man so will. Die „unperfekte“ Biografie sieht man reflektiert in dem Gegenüber, versucht zu handeln, doch scheint an der eigenen Natur zu scheitern, an der Gewalt, die einen umgibt und welche letztlich auch Teil des Zeitkolorits eines Jahres ist, in welchem die USA begann ihre Unschuld ein für alle Mal zu verlieren. Insbesondere in dem Zusammenspiel zwischen Coster und dem jungen T.J. Lowther zeigt sich dieses Thema, wobei ihre Reise, eigentlich gedacht als „Abenteuer“ von Butch, immer wieder zu jener Gewalt führt, vor der er den Jungen bewahren will und deren Verursacher er selbst ist.

Den Themen entsprechend nimmt sich Eastwoods Film Zeit für seine Figuren sowie für die Welt, in der sie sich bewegen. Die Fahrt in Richtung der Grenze hin zu einem Traum von einem perfekten Leben wird für Philip zu einer Initiation und für die beiden Männer, den Verbrecher und den Gesetzeshüter, zu einer Konfrontation mit der Brutalität einer Welt, gegen die sich zwar stemmen, doch welche die Oberhand zu gewinnen scheint.

Credits

OT: „A Perfect World“
Land: USA
Jahr: 1993
Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: John Lee Hancock
Musik: Lennie Niehaus
Kamera: Jack N. Green
Besetzung: Kevin Costner, T.J. Lowther, Clint Eastwood, Laura Dern, Keith Szarabajka

Trailer

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Perfect World
"Perfect World" ist eine Mischung aus Kriminalfilm und Drama. Eastwoods ruhige Inszenierung und Bildsprache erzählt von einem Verlust von Unschuld und einer Suche nach dem Traum von einer „perfekten Welt“, die anders ist als die Gewalt und Unmoral, welche die Figuren umgibt, und das schon von jungen Jahren an.
9von 10

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