Inhalt / Kritik

Larry Flynt – Die nackte Wahrheit

„Larry Flynt – Die nackte Wahrheit“ // Deutschland-Start: 20. Februar 1997 (Kino) // 12. Juni 2014 (DVD/Blu-ray)

Nackte Frauen sieht Larry Flynt (Woody Harrelson) natürlich schon ganz gern. Noch lieber geht er aber mit ihnen ins Bett, wozu er als Besitzer eines Stripclubs auch reichlich Gelegenheit hat. Doch dann kommt er eines Tages auf die Idee, sein Geld mit Pornoheften zu verdienen, die noch einmal deutlich freizügiger sein sollen als der Playboy – und ohne dessen für ihn überflüssigen Artikel. Damit feiert er schnell Erfolge, ihm und seiner Frau Althea (Courtney Love) scheinen alle Türe offen zu stehen. Bis die religiöse Rechte auf ihn aufmerksam wird und das Heft unter allen Umständen verbieten will. Für Flynt steht es völlig außer Frage klein beizugeben. Gemeinsam mit seinem Anwalt Alan Isaacman (Edward Norton) kämpft er um freie Meinungsäußerung und freizügige Bilder …

Ein provokanter Pornokönig

Als Larry Flint vor einigen Monaten im Alter von 78 Jahre starb, hinterließ er ein reiches Erbe. Während der Playboy, das wohl bekannteste aller Pornohefte, mittlerweile eingestellt wurde, und auch Penthouse zwischenzeitlich Konkurs anmelden musste, hat der Hustler noch immer eine Auflage von 500.000 Stück. Eine Zahl, die man in Zeiten frei verfügbarer Internetpornos erst einmal schaffen muss. Das Geheimnis seines Erfolges: Er ging noch einmal deutlich weiter als die Konkurrenz. Wo die anderen zumindest noch versuchten, sich irgendwie seriös und hochwertig zu geben, da startete der Hustler als reines Werbeblatt für Flints Stripclub. Warum Platz in einem Sexmagazin für etwas anderes als Sex verschwenden?

Während diese Reduktion auf das Wesentliche von vielen Männern dankbar angenommen wurde, wenn auch oft nur versteckt, war das nicht wenigen zu viel, zu explizit, zu obszön. Auf diese Weise wurde Flynt nicht nur zu einem der erfolgreichsten Unternehmer in der Pornobranche, sondern auch einem der umstrittensten. Hinzu kommt seine legendäre Streitlust, die ihn immer wieder mit anderen anlegen ließ. Eben das ist es auch, was in Larry Flynt – Die nackte Wahrheit im Mittelpunkt steht. Da wird nach einigen Anfangsschwierigkeiten, bis das Heft mal stand, nur gestritten und geklagt. Nicht ohne Grund trägt der Film im Original den Titel The People vs. Larry Flynt. Er hätte es mit der ganzen Welt aufgenommen, wenn es nötig gewesen wäre.

Angriff ist (nicht) die beste Verteidigung

Als Personenporträt mag das etwas einseitig sein. Man erfährt nicht so wahnsinnig viel über den Menschen, losgelöst von seiner Vorliebe für nackte Haut und hitzige Konfrontationen. Doch eben Letztere machen tatsächlich richtig viel Spaß. Woody Harrelson (Natural Born Killers), der für Larry Flynt – Die nackte Wahrheit eine Oscar-Nominierung erhielt, genießt es sichtlich, sich in absurde Streitereien hineinzusteigern. Selbst der vorsitzende Richter, gespielt vom wahren Larry Flynt, ist vor seinen verbalen Attacken nicht gefeit – womit der Beklagte alles noch deutlich schlimmer macht. Unterhaltsam ist in dem Zusammenhang auch, wie der von Edward Norton (American History X) gespielte Anwalt regelmäßig an seinem Mandanten verzweifelt und ihm am liebsten den Mund verbieten würde.

Dabei hat der Film durchaus etwas zu sagen. Genauer stellt Regisseur Milos Forman (Einer flog über das Kuckucksnest, Amadeus) die Frage, wie weit unsere Presse- und Meinungsfreiheit gehen sollte. Fällt ein pornografisches Magazin darunter? Beinhaltet Freiheit das Recht etwas selbst abzulehnen, anstatt es schon vorab aus dem Verkehr zu ziehen? Zudem nimmt sich Larry Flynt – Die nackte Wahrheit auch der immer wieder amüsanten Doppelmoral in den USA an, wo ein toter Mensch gezeigt werden darf, ein nackter Mensch hingegen nicht. Sonderlich vertieft wird das aber nicht. Vor Gericht wird zwar gern gestritten, die Zeit für einen ernsthaften Diskurs fehlt jedoch. Da stand dann wohl doch der Unterhaltungsfaktor weiter oben auf der Prioliste.

Interessant anstrengend

Der ist dafür definitiv vorhanden, mit kleineren Einschränkungen. Die Szenen zwischen Woody Harrelson und Courtney Love sind beispielsweise manchmal etwas anstrengend, da Althea Provokationen nicht weniger liebte. Zwei solche Leute aufeinander loszulassen, da fliegen schon mal die Fetzen, selbst wenn es keinen inhaltlichen Grund dafür gibt. Hinzu kommt, dass die Geschichte durch den Fokus auf den Rechtsstreit zeitweise auf der Stelle tritt. Aber das trübt das Vergnügen nur minimal. Larry Flynt – Die nackte Wahrheit ist ein beeindruckend gespieltes Drama, bei dem auch der Humor nicht zu kurz kommt. Selbst wer nichts übrig hat für diese Art von Magazine oder sich an der sehr direkten, unverschämten Art der Titelfigur stört, findet hier einen interessanten Einblick in eine ganz eigene Branche sowie das Porträt eines Mannes, der sicher nicht sympathisch ist, aber auf seine Weise faszinierend.

Credits

OT: „The People vs. Larry Flynt“
Land: USA
Jahr: 1996
Regie: Milos Forman
Drehbuch: Scott Alexander, Larry Karaszewski, Crispin Glover
Musik: Thomas Newman
Kamera: Philippe Rousselot
Besetzung: Woody Harrelson, Courtney Love, Larry Flynt, Edward Norton, Brett Harrelson, Donna Hanover, James Cromwell

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 1997 Beste Regie Milos Forman Nominierung
Bester Hauptdarsteller Woody Harrelson Nominierung
Berlinale 1997 Goldener Bär Sieg
Golden Globes 1997 Bester Film (Drama) Nominierung
Beste Regie Milos Forman Sieg
Bester Hauptdarsteller (Drama) Woody Harrelson Nominierung
Beste Hauptdarstellerin (Drama) Courtney Love Nominierung
Bestes Drehbuch Scott Alexander, Larry Karaszewski Sieg

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Larry Flynt – Die nackte Wahrheit
„Larry Flynt – Die nackte Wahrheit“ erzählt die Geschichte des gleichnamigen Herausgebers eines Pornoheftes, der sich mit der religiösen Rechten der USA einen Justizstreit lieferte. Das ist beeindruckend gespielt und stellt interessante Fragen rund um das Thema Freiheit, selbst wenn die Figuren schon recht anstrengend sein können.
8von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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