Inhalt / Kritik

Fatima

„Fatima – Ein kurzes Leben“ // Deutschland-Start: 10. Juni 2021 (Kino)

Als die aus einer ländlichen Gegend Marokkos stammende Fatima Osaadan in die Stadt geschickt wurde, um dort bei einem reichen Ehepaar zu arbeiten, dachte ihre Familie, das große Los gezogen zu haben. Schließlich ist das Geld bei ihnen sehr knapp, die Arbeit soll ihnen die finanziellen Sorgen nehmen. Doch dann stirbt Fatima mit gerade einmal 14 Jahren, nachdem sie dort über längere Zeit misshandelt wurde, körperlich wie seelisch. Vor allem die Hausherrin bewies regelmäßig ihre Brutalität, sorgte zudem dafür, dass die Jugendliche ihre eigene Familie nicht mehr sehen konnte. Auf diese Weise erfuhr diese auch nicht von der Verschlechterung, bis es irgendwann zu spät war.

Was genau innerhalb der vier Wände des Ehepaares vorgefallen ist, lässt sich deshalb nur erahnen. Die Verletzungen der Jugendlichen erzählen nur einen Teil der Geschichte. In Fatima – Ein kurzes Leben geht es deshalb auch weniger darum, den Fall als solchen zu rekonstruieren, der in Marokko für Schlagzeilen gesorgt hat. Stattdessen hat Regisseur Hakim El-Hachoumi in seinem Dokumentarfilm zwei andere Themenschwerpunkte, die er verfolgt. Zum einen unterhält er sich sehr viel mit der Familie der Verstorbenen, lässt deren Eltern und die Schwestern zu Wort kommen. Wie gehen sie mit dem Schicksalsschlag um? Und wie kam es dazu, dass Fatima bei dem Ehepaar landete?

Ein Land der Gegensätze

Gleichzeitig lässt El-Hachoumi aber auch den Blick schweifen und stellt die Erfahrungen von Fatima in einen größeren, gesellschaftlichen Kontext. Da geht es um die Gegensätze zwischen Stadt und Land. Natürlich auch die zwischen Arm und Reich, wenn die einen alles haben und sich daraus das Recht ableiten, alles zu tun. Immer wieder beschreibt Fatima – Ein kurzes Leben die Versuche der Familie, für Gerechtigkeit zu sorgen und die Schuldigen für ihre Taten bestrafen zu lassen. Einfach ist das nicht. Denn wer sich mit den Vermögenden anlegt, der muss auch mit einer entsprechenden Gegenwehr rechnen. Das kann durch direkten Druck geschehen oder auch einen indirekten, wenn die Angelegenheit mit Geld aus der Welt geschafft werden soll. Geld, welches die Familie natürlich gut gebrauchen könnte.

Fatima – Ein kurzes Leben beschreibt damit ein in vielfacher Hinsicht gespaltenes Land, das sich gleichzeitig im Wandel befindet. So führte das schockierende Schicksal der Jugendlichen dazu, dass sich auch die Gesetzgebung mit solchen Fällen befasste und zumindest teilweise für bessere Rahmenbedingungen sorgte. Das betrifft Fragen der Entlohnung, auch Urlaub, Freizeit und Arbeitszeit sollen in Zukunft ein rechtliches Fundament erhalten. Ob damit aber auch die menschenverachtenden Praktiken ein Ende haben werden, das bleibt abzuwarten. Denn die fußen auf einem entsprechenden Menschenbild, welches sich nicht einfach durch Verordnungen abschaffen lässt.

Die Sklaverei lebt

Was bei dem Ganzen ein wenig kurz kommt, ist die Verstorbene selbst. Während sie immer im Mittelpunkt der Geschichte steht, erhält man kaum einen Einblick, welcher Mensch sie denn nun gewesen ist. Sie sei schüchtern gewesen, sagt die Mutter an einer Stelle. Viel mehr als das erfährt man nicht. Für einen Film, der eigentlich auch als Erinnerung an einen Menschen gedacht war, dessen Leben viel zu früh endete, ist das schon recht wenig. Dennoch ist Fatima – Ein kurzes Leben ein wichtiger Beitrag, um auf Missbrauch und aktuelle Formen der Sklaverei aufmerksam zu machen. Titel wie dieser oder Eine gefangene Frau führen vor Augen, dass selbst im 21. Jahrhundert noch viel getan werden muss. Erzählen von erschreckenden Einzelfällen, von denen man in seiner Naivität vielleicht dachte, dass es sie gar nicht gibt.

Credits

OT: „Fatima – Ein kurzes Leben“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Hakim El-Hachoumi
Drehbuch: Hakim El-Hachoumi, Andrei Schwartz
Musik: Alaa Zouiten, Moris Denis
Kamera: Susanne Schüle

Trailer

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Fatima – Ein kurzes Leben
„Fatima – Ein kurzes Leben“ erinnert an eine Jugendliche, die in Marokko als Hausmädchen arbeitete und dabei so stark misshandelt wurde, bis sie schließlich starb. Über das Opfer erfährt man dabei relativ wenig. Vielmehr ist der Dokumentarfilm das Porträt eines Landes mit großen Gegensätzen.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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