Pfad des Kriegers Redbad
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Pfad des Kriegers

Inhalt / Kritik

Pfad des Kriegers Redbad
„Pfad des Kriegers“ // Deutschland-Start: 28. September 2018 (DVD/Blu-ray)

Als im 8. Jahrhundert die fränkische Armee das großfriesische Reich angreift, hat dieses den Invasoren nur wenig entgegenzusetzen. Nach und nach fallen die Siedlungen an die feindliche Übermacht, darunter auch Dorestad. Bis zuletzt hatte der Königssohn Radbod (Gijs Naber) an vorderster Front versucht, seine Heimat zu beschützen, muss sich am Ende aber geschlagen geben. Anstatt ihn wie die anderen zu töten, setzen die Franken den Krieger jedoch auf einem Floß aus und überlassen ihn seinem Schicksal. Wie durch ein Wunder überlebt er und findet Anschluss bei einem Wikingerclan. Jahre später wagt er gemeinsam mit diesem seine Rückkehr. Das Ziel: die Friesen einigen und das Land von den Franken befreien …

Kampf gegen eine Übermacht

Es geht doch nichts über eine gute David-gegen-Goliath-Geschichte! In Filmen werden immer wieder solche Konstellationen bemüht, dass ein Underdog gegen einen übermächtigen Feind antritt und am Ende über ihn triumphiert. Warum auch nicht? Irgendwie tut es der eigenen Seele gut, wenn einem suggeriert wird, dass man nur genug Mut, Stärke oder auch Grips mitbringen muss, dann lässt sich alles schaffen. Vor allem Kriegsfilme oder auch Serien greifen gerne auf diese Motive zurück. Ob nun die Germanen in Barbaren, welche den Römern trotzen, die chinesischen Soldaten, die in The 800 gegen die japanische Armee kämpfen, oder die französischen Widerstandskämpfer in Der Zug, die sich von den Nazis nicht beherrschen lassen wollen, das funktioniert alles nach demselben Prinzip.

Grundsätzlich geht Pfad des Kriegers da in eine ganz ähnliche Richtung. Dieses Mal sehen wir, wie die Friesen und die Franken sich gegenüberstehen. Erstere waren seinerzeit durchaus vermögend, auch dank der günstigen Lage an der Küste. Gegen die militärische Macht der besser ausgestatteten und organisierten Franken sind sie am Ende jedoch hilflos. Dass sich das im Laufe des Films ändern wird, ist klar. Schließlich braucht es eine Art Happy End, damit das Publikum befriedet von der Zeitreise wieder zurückkehrt. Tatsächlich besteht der Film zu einem weiten Teil aus dem Versuch von Radbod, alternativ als Redbad bekannt, die nötigen Männer und Kräfte zu mobilisieren, um in einer entscheidenden Schlacht die Freiheit für seine Landsleute zurückzubekommen.

Eine Geschichte in epischer Breite

So etwas braucht natürlich seine Zeit. Hier ganz besonders: 160 Minuten nimmt Pfad des Kriegers für sich in Anspruch. Der oft im Actionbereich tätige Regisseur Roel Reiné (Wu Assassins) strebte offensichtlich einen durch und durch epischen Film an, was sich nicht nur in der ausufernden Länge zeigt, sondern auch der aufdringlichen Musik. Ein entsprechend geneigtes Publikum, das zudem dem Pathos nicht abgeneigt ist, wird das freuen. Auf Dauer ist das aber schon ermüdend. Immerhin: Man verzichtete hier darauf, dem Trend zum Grau im Grau zu folgen, mit denen Filme und Serien sich billig einen düsteren Anstrich geben wollen. Es darf tatsächlich zwischendurch mal hell sein, so richtig mit Farben und so.

Sehenswert sind dabei gerade die Schlachten, die für eine europäische Produktion überraschend groß angelegt sind. Da wurden schon recht viele Männer, Pferde und Waffen zusammenzutragen, um die Kämpfe entsprechend in Szene setzen zu können. Nicht kleckern, sondern klotzen lautete dabei die Devise. Wobei auch die ruhigeren Passagen von Pfad des Kriegers sich sehen lassen können. Von denen gibt es ebenfalls nicht zu wenig, um die Hauptfigur ein bisschen näher vorstellen zu können und uns auch an seinen inneren Kämpfen teilhaben zu lassen. Denn nur weil jemand zum Held geboren wurde, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass er immer weiß, was zu tun ist.

Religion als Mittel der Unterdrückung

Interessant ist in dem Zusammenhang gerade die Darstellung von Religion. Wenn die Franken einfallen, dann nicht allein aus wirtschaftlichen und machtpolitischen Zwecken. Es ist darüber hinaus auch mit einem missionarischen Anspruch verbunden. Eine sonderlich gute Figur geben die Christen an dieser Stelle aber nicht ab. Mit Gewalt und Unterdrückung versuchen sie, die Heiden gefügig zu machen. Dass die am Ende gar nicht wirklich daran glauben, scheint niemanden zu interessieren. Hauptsache der Schein wird gewahrt. Pfad des Kriegers behandelt daher gleich in zweifacher Hinsicht Freiheitskämpfe, einen rein physischen und einen ideologischen. Auch wenn die Gegenseite der Friesen selbst nicht gerade zimperlich ist und diversen Gräueltaten nicht abgeneigt: Freiheit bedeutet eben auch, eine eigene Begründung wählen zu dürfen, warum man einen anderen tötet.

Credits

OT: „Redbad“
Land: Niederlande
Jahr: 2018
Regie: Roel Reiné
Drehbuch: Alex van Galen
Musik: Trevor Morris
Kamera: Roel Reiné
Besetzung: Jonathan Banks, Lisa Smit, Søren Malling, Gijs Naber, Derek de Lint

Bilder

Trailer

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„Pfad des Kriegers“ zeigt, wie ein friesischer Königssohn in seine Heimat zurückkehrt, um die fränkischen Invasoren zu vertreiben. Das ist überraschend groß angelegt und zeigt Religion als Mittel der Unterdrückung. Die Laufzeit ist aber exzessiv, da kommt es zwischendurch zu unnötigen Längen.
6
von 10