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„In den Uffizien“ // Deutschland-Start: 25. November 2021 (Kino)

Innerhalb der Reiseführer für eine Metropole wie New York City, Rom oder Berlin haben Museen einen festen Platz und locken jedes Jahr viele Millionen Besucher an, meist Touristen und Schulkassen. In diesem Kontext meint man, dass diese Institutionen eigentlich das sind, was mit im Volksmund als „Selbstläufer“ bezeichnet, vorausgesetzt, sie behandeln ein Thema, welches sich an die Historie der Stadt oder der Kultur anlehnt. Ein Museum wie der Louvre in Paris oder das MOMA in New York City blicken auf eine lange Geschichte zurück und können sich eines reichen Besuchersturms erfreuen. Jedoch ist ihre Popularität nicht bloß durch einen langen Ruf begründet, denn eben dieser muss gepflegt werden, sodass es unabdinglich ist, dass sich auch Museen und Kunstsammlungen mit der Zeit verändern, auch wenn der Großteil ihrer Exponate nach wie bestehen bleibt. Nicht nur der neueste Stand der Forschung zu einem Künstler oder einer Künstlerin, auch Themen, welche die Gesellschaft beschäftigen, definieren einen neuen Typ von Besucher, auf den man als eine solche Institution reagieren muss, will man mit der Zeit gehen.

Im Kontext europäischer Museen gehören die florentinischen Uffizien ohne Frage zu den dienstältesten und traditionsreichsten. Die legendäre Kunstsammlung der Medici blickt auf eine lange Geschichte zurück, geprägt vom Reichtum und Einfluss jener Adelsfamilie, doch auch auf dunkle Seiten wie die Zeit unter dem Faschismus sowie die Zerstörung einiger Räumlichkeiten während des Zweiten Weltkrieges. Im Jahre 2015 übernahm der deutsche Kunsthistoriker Eike Schmidt die Leitung der Uffizien und forderte nicht nur die Rückgabe von Raubkunst, sondern modernisierte das Museum, welches zum Zeitpunkt seiner Amtsübernahme noch nicht einmal über eine eigene Homepage verfügte. In ihrer Dokumentation In den Uffzien, welche auf dem diesjährigen DOK.fest München zu sehen ist, zeigen die Filmemacher Corinna Belz und Enrique Sánchez Lansch Schmidt wie auch Vertreter anderer Abteilungen des Museums bei der Arbeit. Dabei geht es um Aspekte wie die Restauration alter Kunstwerke, die Neugestaltung von Räumen sowie die Implementierung moderner Kunst innerhalb der Uffizien, wobei der Zuschauer einen hochinteressanten Einblick darüber erhält, wie moderne Museumsarbeit aussehen kann.

Eine ewige Arche Noah für die die Kunst

Es sind meist Detailfragen, die Schmidt und seine Mitarbeiter beschäftigen, deren Ausmaß sich dem Zuschauer erst mit der Zeit erschließt. Bisweilen geht es um die Farbe einer Wand oder um die Position eines neuen Exponats, einer modernen, abstrakten Skulptur inmitten der antiken Kunst, die nicht selten längere Debatten herbeiführt. Nie vergisst man die Wirkung auf den Betrachter, der durch die Gänge der Uffizien schlendert und natürlich verweilen soll vor den Werken eines Caravaggio, Botticelli oder Tizian. Genauso soll er aber auch diesen „Eindringling“ wahrnehmen, oder aber soll eben jene alten Meister in einem neuen Licht wahrnehmen. Jenen Blick fürs Detail scheint die Kamera zu imitieren, was dem Zuschauer die Perspektive Schmidts und seiner Mitarbeiter eröffnet.

An einer Stelle beschreibt Schmidt diesen Aspekt seiner Arbeit als eine Art „Schachspiel“. Es geht nicht um das Umstellen, sondern um das Verändern von Wahrnehmung und Wirkung, durch das sich die Atmosphäre eines ganzen Raumes verändern kann, dieser zu einem Ort hektischer Aktivität werden kann oder eben zu einem der Muße und des Innehaltens. Vor allem der Respekt vor dieser Arbeit, diesem genauen Blick und natürlich auch vor jenen Kunstwerken, egal, ob alt oder neu, definiert auch In den Uffizien, der nicht nur über die Kunst schweift, sondern beschreibt, wie sie erhalten wird in dieser „Arche Noah für die Kunst“.

Credits

OT:In den Uffizien“
Land: Deutschland
Jahr: 2020
Regie: Corinna Belz, Enrique Sánchez Lansch
Drehbuch: Corinna Belz, Enrique Sánchez Lansch
Musik: Christoph Kaiser
Kamera: Johann Feindt

Bilder

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In den Uffizien
„In den Uffizien“ ist ein sehr interessanter und informativer Film über moderne Museumsarbeit. Am Beispiel der florentinischen Uffizien wird gezeigt, wie neue Kunst mit alter kombiniert wird, sich die Wahrnehmung für Kunst verändert und wie ein Museum reagieren kann auf eine sich stetig verändernden Welt.
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