Inhalt / Kritik

Borderlands 2020

„The Borderlands“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Als Louis Moutbatten gegen Ende der 1940er Jahre zum Vizekönig von Indien ernannt wurde, war dies vielleicht nur eine Ehre auf dem Papier, denn vor allem sollte der erfahrene britische Admiral dafür sorgen, dass im einstigen Juwel des Empire Ruhe einkehrte, was nur mit der Unabhängigkeit des Landes zu machen war. Um dafür zu sorgen, dass nach Abzug der Briten kein Bürgerkrieg ausbrechen würde, sollte den Hindus und den Muslimen Indiens je ein separater Staat zugeteilt werden, was zu einer Teilung in Indien und Pakistan führte, aber freilich nicht dafür sorgte, dass der Übergang ruhig und geordnet ablief. Ein Grund war unter anderem die Grenze, welche Mountbatten und Cyril Radcliffe, ein britischer Anwalt, gezogen hatten, die Ortschaften teilte oder Menschen von ihrem bisherigen Lebensunterhalt trennte. Noch heute gelten viele Grenzregionen zwischen Indien und Pakistan, aber genauso zu Nepal und zu Bangladesch als hart umkämpft, umstritten und werden immer wieder Zentrum politischer Debatten und Konflikte. In diesem Teil der Welt, wie auch in viele anderen Kulturen, hat man daher ein eher zwiespältiges Verhältnis zu Grenzen, stehen sie auf der einen Seite für eine Form der Sicherheit und auf der anderen Seite für Denkverbote, Trennung und Trauer.

Im Leben des indischen Regisseurs Samarth Mahajan spielen solche Grenzen eine wichtige Rolle, denn er wuchs auf in einer kleinen Gemeinde in der Nähe der indischen Grenze zu Pakistan. In seiner Dokumentation Borderlands, die auf dem diesjährigen DOK.fest München zu sehen ist, widmet er sich diesem sehr persönlich, hochkomplexen Thema und reist hierfür zurück in seine alte Heimat wie auch in andere Grenzregionen, wo er mit Menschen spricht und wie sie ihr Leben nahe der Grenze gestalten. Ausgehend von der Idee, inwiefern eine Grenze zu einem politischen Konzept geworden war in seiner Heimat wie auch in vielen anderen Ländern der Welt, traf er während seiner Recherche auf andere Formen der Begrenzung im Sinne von Denkverboten, Tabus oder Unterdrückungsmechanismen.

Sicherheit und Gefangenschaft

In Borderlands zeigt Mahajan seinem Zuschauer fünf verschiedene Grenzregionen und fünf Geschichten, welche eng mit diesen verknüpft sind. Während der Filmemacher durchaus jedem seiner Gesprächspartner den für ihn oder sie nötigen Platz einräumt innerhalb des Filmes, fällt doch auf, dass der Geschichte seiner Mutter, welche eine der fünf Menschen ist, die er besuchte, ein besonderer Platz zukommt aufgrund ihrer hohen Emotionalität. Insbesondere in dieser Geschichte zeigt sich, wie Mahajan die Idee einer Grenze versteht und welche Dimensionen diese haben kann, wenn er an einer Stelle seine Rolle als Regisseur aufgibt und zum Sohn wird, der voller Rührung seine Mutter umarmt. Sobald thematisiert wird, was Menschen trennt, ist der Grenzzaun, so scheint es, nur eine überbrückbare Hürde, welche nur noch geografisch voneinander trennt.

Doch es sind nicht nur biografische Einflüsse, die in Borderlands zum Tragen kommen. Die Geschichte einer jungen Frau, die gegen den Menschenhandel kämpft, oder die eines Filmemachers, der gegen Zensur und Denkverbote in seiner Region arbeitete, bereichern das Oberthema der Dokumentation um interessante Aspekte, welche letztlich auch auf die Geschichte der Länder verweist, die Mahajan für seine Dokumentation besuchte.

Credits

OT: „The Borderlands“
Land: Indien
Jahr: 2020
Regie: Samarth Mahajan
Drehbuch: Samarth Mahajan
Kamera: Omkar Divekar

Bilder

Trailer

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Borderlands
„Borderlands“ ist eine Dokumentation, welche von Grenzen spricht, von emotionalen, politischen und individuellen. Samarth Mahajans Blick für seine Gesprächspartner sowie die verschiedene Facetten, welche seine Dokumentation berührt, machen seinen Film mal berührend, mal unterhaltsam und mal sehr nachdenklich.
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