Inhalt / Kritik

The Best Offer – Das höchste Gebot

„The Best Offer – Das höchste Gebot“ // Deutschland-Start: 21. März 2013 (Kino) // 19. Juli 2013 (DVD)

Mit Gemälden kennt sich Virgil Oldman (Geoffrey Rush) bestens aus, ist er doch ein gefragter Kunstauktionator und Gutachter. Tatsächlich besitzt er selbst eine wertvolle Sammlung, die er mithilfe von Billy Whistler (Donald Sutherland) und nicht ganz legal zusammengestellt hat. Von solchen Zweckbekanntschaften einmal abgesehen reduziert der exzentrische Misanthrop zwischenmenschliche Kontakte aber auf das Nötigste. Das ändert sich erst, als er Claire Ibbetson (Sylvia Hoeks) kennenlernt, die ihn beauftragt, ihr Erbe zu begutachten. Dabei verlaufen die ersten Begegnungen mehr als ärgerlich, da sie ihn immer wieder versetzt und die unglaublichsten Geschichten auftischt. Doch mit der Zeit kommt er der jungen Frau näher, die aufgrund einer Angststörung seit Jahren nicht ihr Haus verlassen hat …

Das Auge liebt mit

Was ist das Geheimnis einer großen Liebe? Sind es Gemeinsamkeiten, etwa im Hinblick auf Interessen? Braucht es eine über Jahre und mit vielen zusammen erlebten Erfahrungen entstandene Vertrautheit? Oder ist es am Ende doch die Optik, welche entscheidet, für wen wir etwas empfinden? Diese Fragen darf man sich durchaus in The Best Offer – Das höchste Gebot stellen, wenn sich hier zwei Menschen näherkommen, ohne sich physisch je näherzukommen. Der eine, weil er grundsätzlich nicht viel von Menschen hält und immer Handschuhe trägt, um sich nicht an der realen Welt schmutzig zu machen. Die andere, weil eine Angststörung es ihr unmöglich macht, die vertrauten vier Wände zu verlassen und anderen zu begegnen. Beides nicht unbedingt die Voraussetzung für viel Romantik.

Aber in Liebesfilmen geht es nun einmal oft darum, das Unmögliche möglich zu machen. Da werden zu Beginn, gerade bei der komischen Variante, große Kontraste und Konflikte aufgebaut, die nach und nach überwunden werden. Bei den dramatischeren Interpretationen wird das gerne mit schweren Schicksalen verbunden. Zuletzt hat es eine ganze Welle an Filmen gegeben, in denen junge Menschen todkrank sind, vorher aber noch die wahre Liebe kennenlernen dürfen. Bei The Best Offer – Das höchste Gebot ist das alles sehr viel weniger eindeutig. Zwar mangelt es nicht an entsprechenden Worten und Gefühlsoffenbarungen. Wohl aber an Überzeugungskraft, wenn nie wirklich klar wird, was genau diese Gefühle denn auslösen soll.

Das Spiel mit der Fassade

Die zwei Jahre später erschienene Liebeskomödie Mit dem Herz durch die Wand nahm ein in der Hinsicht zwar recht ähnliches Szenario. Auch dort verliebten sich ein Mann und eine Frau, obwohl sie sich nicht sahen. Die Dialoge markierten aber zumindest eine Form von Interaktion, auf der man aufbauen konnte. The Best Offer – Das höchste Gebot wird dafür nie konkret genug, flüchtet sich in irgendwelche Kopfgeburten und Fantasien, die an Stelle des echten Lebens treten. Auch das kann natürlich interessant sein, wenn Vorstellungen und Wirklichkeit miteinander kontrastiert werden. Daraus leiten sich zudem ganz universelle Fragen dazu ab, ob wir je einen Menschen lieben können oder nur die Vorstellung, die wir von diesem haben.

Regisseur und Drehbuchautor Giuseppe Tornatore (Cinema Paradiso, Palermo Shooting) will an der Stelle aber gar nicht so tief gehen. Stattdessen bemüht er Vergleiche mit der Kunst, wo es ebenfalls oft um eine reine Fassade geht, um ein Spiel mit der Wahrheit – vor allem wenn hier alle irgendwie lügen oder fälschen. Und damit die Frage, was echt ist und was nicht, da gibt es schon einen höheren Mystery-Anteil, bei dem spekuliert werden darf. Das wiederum rückt den Film zwischenzeitlich immer wieder in die Thrillernähe. Vor allem zum Ende hin will The Best Offer – Das höchste Gebot nicht allein Liebesdrama sein, sondern rührt da verschiedene Genres zusammen.

Wortgewandt, aber ohne echten Inhalt

Das klingt sehr viel spannender, als es letztendlich ist. Während man zu Beginn noch neugierig sein darf, in welche Richtung sich die Geschichte entwickelt, folgt irgendwann Ernüchterung – und Langeweile. Das Konzept des Films erlaubt nicht sonderlich viel Abwechslung oder Handlung, weshalb die Last allein auf den Dialogen liegt. Die sind aber oft umständlich, wiederholen sich zu sehr. Der von Jim Sturgess gespielte Mechaniker Robert dient über weite Strecken nur dazu, dass Virgil seine Monologe einem anderen Menschen zuwirft. Das ist zwar erwartungsgemäß nobel von Geoffrey Rush gespielt. Dazu gibt es sehr schöne Aufnahmen aus der steril-distanzierten Kunstwelt. Das ändert aber nichts daran, dass The Best Offer – Das höchste Gebot trotz verschachtelter Wortsequenzen nicht wirklich etwas zu sagen hat.

Credits

OT: „La migliore offerta“
Land: Italien
Jahr: 2013
Regie: Giuseppe Tornatore
Drehbuch: Giuseppe Tornatore
Musik: Ennio Morricone
Kamera: Fabio Zamarion
Besetzung: Geoffrey Rush, Jim Sturgess, Sylvia Hoeks, Donald Sutherland

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Europäischer Filmpreis 2013 Bester Film Nominierung
Beste Regie Giuseppe Tornatore Nominierung
Bestes Drehbuch Giuseppe Tornatore Nominierung
Beste Musik Ennio Morricone Nominierung

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The Best Offer – Das höchste Gebot
In „The Best Offer – Das höchste Gebot“ soll ein Kunstkenner das Erbe einer Frau begutachten und entwickelt dabei Gefühle für sie – ohne sie zu sehen. Der Film kombiniert dabei das Porträt zweier verkorkster Figuren mit einer Liebesgeschichte und etwas Mystery-Thriller. Trotz edlen Dekors und prominenter Besetzung ist das Ergebnis aber eine Enttäuschung, gibt sich tiefgründiger, als es ist, und langweilt mit bemühten Metaphern.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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