In der TV-Komödie Zum Glück zurück (TV-Termin: 1. April 2021 um 20.15 Uhr im ZDF) steckt eine Familie gleich mehrfach in einer Sinnkrise. Die einen entdecken auf ihre alten Tage ihre Hippie-Seiten, die Teenager-Tochter will die Welt retten, andere hadern damit, sesshaft zu werden und ein solides Leben zu führen. Bei der von Diana Amft gespielten Lehrerin Anne Sandmeier wiederum ist vor lauter Arbeit und Familie das eigene Leben zuletzt zu kurz gekommen. Wir haben uns mit der Schauspielerin über Sinnkrisen, Familienstreitigkeiten und wichtige Rückzugsmomente unterhalten.

In Zum Glück zurück spielen Sie eine Mutter, in deren Familie gerade richtig viel los ist. Was hat Sie an dem Film gereizt?

Noch bevor ich das Drehbuch gelesen habe, war mir klar, das kann eigentlich nur ein super Film werden, weil da lauter Leute daran beteiligt waren, die ich unfassbar schätze. Mit dem Drehbuchautor Marc Terjung habe ich schon einmal eine komplette Serie gemacht und liebe seine Bücher. Oder auch Michaela May. Sie hat schon vor über zwanzig Jahren einmal meine Mutter gespielt und tut das auch in Zum Glück zurück. Als ich dann auch noch erfahren habe, dass Maximilian Grill – mit ihm habe ich nämlich tatsächlich auch schonmal vor Jahren ein Paar gespielt – meinen Ehemann spielen würde, bin ich endgültig ausgeflippt. Das sind alles nicht nur ganz tolle Kollegen, sondern auch ganz tolle Menschen, die ich sehr lieb gewonnen habe. Da hätte ich praktisch schon blind zugesagt, ohne mir das Drehbuch anzuschauen. Aber letztendlich war natürlich auch die Geschichte sehr schön und ich bin mir sicher, dass sich das Publikum in der einen oder anderen Situation wiederentdeckt. Es war am Ende eine wundervolle Erfahrung und ich hoffe, dass der Film eine gewisse Leichtigkeit in das Leben der Menschen bringt, die wir gerade alle sehr gut gebrauchen können.

Gleichzeitig geht es in dem Film drunter und drüber, weil sie alle mit irgendwelchen Situationen zu kämpfen haben. Wie sehr können Sie sich selbst damit identifizieren?

Da gab es schon ein paar Szenen, mit denen ich mich sehr gut identifizieren konnte. Nehmen wir zum Beispiel die Reibungspunkte zwischen der Mutter und der Tochter. Meine Figur Anne ist ein bisschen durch ihre Mutter zu ihrem Beruf als Lehrerin gekommen. Bei meiner Mutter war es so, dass sie eigentlich wollte, dass ich einen sicheren Beruf erlerne. Ich war dafür aber viel zu rebellisch. Irgendwann kam es dann dazu, dass sie eingesehen hat, dass ich meinen eigenen Weg gehen muss und hat mich auch darin unterstützt. Ohne diese Unterstützung hätte ich das alles gar nicht schaffen können. Insofern sind das Konflikte, wie sie in jeder Familie auf die eine oder andere Weise ausgetragen werden.

Welchen Rat würden Sie denn anderen Müttern an dieser Stelle geben?

Ich denke, dass meine Mutter am Ende intuitiv schon ziemlich viel richtig gemacht hat. Selbst wenn ich damals als Teenagerin die Tür zugeknallt hätte und gesagt hätte, dass ich nie, nie wiederkomme, hätte sie mir doch immer wieder die Tür aufgemacht. Aber da gibt es kein Patentrezept. Es gibt auch nicht das eine Geheimnis für ein harmonisches Familienleben. Dafür sind die Menschen trotz der ähnlichen Konflikte einfach zu unterschiedlich.

Ein Grund für die diversen Konflikte im Film ist, dass die Figuren an einem Punkt angekommen sind, wo sie alles noch einmal in Frage stellen und überlegen, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen. Sind Sie je als Schauspielerin an dem Punkt gewesen, dass Sie an allem gezweifelt haben?

Absolut. Die Schauspielerei ist ein Beruf, der sich unfassbar viel mit dieser Frage beschäftigt, auch auf unterschiedlichen Ebenen. Zum einen ist es ein sehr unsicherer Beruf, bei dem du nie wirklich weißt, wie es in Zukunft weitergeht. Ich glaube, mein Glück war, dass ich nicht gleich bei der ersten Schauspielschuhe aufgenommen wurde. Das hat mich darauf vorbereitet, dass du in diesem Beruf immer wieder Absagen bekommst. Ich war außerdem damals bei der Bewerbung in der Endrunde. Da tut es natürlich besonders weh, wenn du kurz vor der Ziellinie noch rausfliegst. Aber es war gut, dass das so früh passiert ist. Denn Absagen gehören dazu und damit auch die Zweifel, ob das alles so passt und richtig ist. Manchmal ist es sogar ganz gut, wenn du ein Projekt nicht machst, weil du dafür dann ein anderes machen darfst, auf das du sonst hättest verzichten müssen. Du lernst dabei, immer nach vorne zu schauen. Und ich bin sehr glücklich darüber, wie es am Ende gekommen ist.

Manchmal können solche Zweifel auch in einer echten Krise enden. In Zum Glück zurück geht der Ehemann Ihrer Figur beispielsweise zum Glücksspiel, weil er sich dort frei und unbeobachtet fühlt und keine Erwartungen mehr erfüllen muss. Sie als Schauspielerin sind berufsbedingt eigentlich auch ständig auf dem Präsentierteller. Haben Sie selbst eine Rückzugsstrategie, einen Ort oder eine Tätigkeit, bei der Sie einfach Sie selbst sein können?

Bei mir ist das tatsächlich das Schreiben. Neben der Schauspielerei bin ich auch Autorin von Kinder- und Bilderbüchern. Dieses Jahr feiern wir unser zehnjähriges Jubiläum mit Die kleine Spinne Widerlich, im Februar kam der achte Band Besuch beim Doktor heraus. Das Schöne ist, dass ich das wirklich überall machen kann. Wenn ich zum Beispiel beim Drehen bin, kann ich mich auch immer wieder zurückziehen und weiter an meinen eigenen Geschichten arbeiten. Dadurch entschwinde ich automatisch in eine andere Welt. Und es ist ein tolles Gefühl, dass diese Welt der kleinen Spinne so vielen Kindern Freude bereitet.

Zur Person
Diana Amft wurde am 7. November 1975 in Gütersloh geboren. Nachdem sie zuvor bereits Gesangsunterricht genommen hatte, fing sie mit 20 an der Münchner Schauspielschule Zerboni an. Es folgten Theaterauftritte und 1999 erste Rollen in Fernsehproduktionen. Bekannt wurde sie durch die Kino-Komödie Mädchen, Mädchen (2001), der 2004 eine Fortsetzung folgte, sowie die Serie Doctor’s Diary, in der sie die Assistenzärztin in der Chirurgie spielte. Neben ihrer Schauspielerei ist sie auch als Autorin tätig. Die Kinderbuchreihe Die kleine Spinne Widerlich umfasst bislang acht Bände.



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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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