Inhalt / Kritik

Der Klient The Client

„Der Klient“ // Deutschland-Start: 22. September 1994 (Kino)

Eigentlich hatte sich der 11-jährige Mark Sway (Brad Renfro) nur mit seinem kleinen Bruder Ricky (David Speck) in den Wald schleichen wollen, um dort ungestört zu rauchen. Doch dabei treffen sie auf einen Mann, der sich in seiner Verzweiflung das Leben nehmen will, vorher aber noch Mark das Geheimnis verrät, wo die Leiche eines ermordeten Senators versteckt ist. Für den Jungen beginnt damit eine absolute Horrorzeit. Nicht nur, dass der Mörder Barry „Das Messer“ Muldano (Anthony LaPaglia) nun hinter ihm her ist. Auch der Bundesstaatsanwalt Roy Foltrigg (Tomme Lee Jones) drängt ihn zu einer Aussage, verspricht er sich doch davon einen Schub für seine Karriere. Da seine Mutter Dianne (Mary-Louise Parker) mit der Situation völlig überfordert ist, engagiert Mark die Anwältin Regina Love (Susan Sarandon), um ihn gegen den skrupellosen Foltrigg zu verteidigen …

Bekannte Vorlage und zwei große Stars

So schnell kann es gehen. In den 90ern wurde versucht, an die Popularität der Bücher von John Grisham anzuknüpfen, indem in kurzer Folge eine ganze Reihe seiner Werke verfilmt wurden. Während aber die erste Adaption Die Firma noch weltweit 270 Millionen Dollar einspielt, kam ein Jahr später Der Klient nicht einmal mehr auf die Hälfte davon. Das reichte zwar immer noch, um damit Geld zu verdienen. Angesichts eines vergleichbaren Budgets und zweier angesagter Hollywood-Stars dürften die Erwartungen aber höher gewesen sein. Immerhin: Susan Sarandon (Lorenzos Öl) erhielt hierfür seinerzeit ihre bereits vierte Oscar-Nominierung als beste Hauptdarstellerin und durfte sich über eine Auszeichnung bei den BAFTAs freuen.

Tatsächlich ist es auch in erster Linie die schauspielerische Leistung, welche Der Klient damals wie heute sehenswert macht. Dabei sind es in erster Linie zwei grundverschiedene Beziehungen, die im Mittelpunkt stehen. Die eine betrifft die zwischen Regina, kurz Reggie genannt, und dem jungen Mark. Auf den ersten Blick eint die zwei eigentlich nicht viel. Und doch haben sie eines gemeinsam: Ihnen wurden beide übel im Leben mitgespielt. Während der Junge unter dem alkoholkranken Vater litt und mit seiner Familie in Armut lebt, war es bei Reggie der Ex-Ehemann, der sie ausgenutzt und weggeworfen hat, ihr später noch die Kinder wegnahm. Die allmähliche Annäherung der beiden, die in der Anwältin-Klient-Beziehung Halt finden, stellt so etwas wie das emotionale Fundament des Films dar.

David gegen Goliath

Ganz anders ist das zum Anwalt Foltrigg, der zwar nicht direkt der Schurke des Films ist – da gibt es schließlich noch den mordenden Verbrecher –, mit seiner überheblichen und skrupellosen Weise jedoch kaum Sympathiepunkte sammelt. Ein Teil des Reizes von Der Klient liegt deshalb auch in den Auseinandersetzungen zwischen dem großen Anwalt und seiner unbedeutenden Kollegin, die ihm trotz allem richtig Kontra geben kann. Das hat dann schon ein bisschen was von David gegen Goliath. Wenn der Großstadtschaumschläger bei ihr auf Granit beißt und ihm immer wieder seine Grenzen aufgezeigt werden, das macht dann schon Spaß. Ein Triumph, der nicht nur Reggie und Mark Freude bereitet, sondern auch dem Publikum.

Dennoch: Der Klient ist ein irgendwie eigenartiger Film. Während bei Die Firma klar ist, worum es geht, wenn gegen korrupte Anwälte gekämpft wird, da ist das hier weniger eindeutig. Teils persönliches Drama, teils von Gangstern getriebener Thriller und eben auch eine Art Gerichtsfilm, bei dem darum gekämpft wird, ob Mark aussagen muss oder nicht – das sind drei ziemlich separate Handlungsstränge. Und auch wenn die inhaltlich natürlich schon in einem Zusammenhang stehen, das Ergebnis ist ein nicht klar zu umfassendes Werk. Ein Stückwerk, das nicht immer ganz rund ist und mehr als einmal recht konstruiert wirkt. Als hätte Grisham mehrere Romanreste einfach zusammengesteckt.

Nicht sinnvoll, aber unterhaltsam

Darüber muss man hinwegschauen können, ebenso über die nicht immer nachzuvollziehende Handlung. Wenn Mark sich beispielsweise nicht traut auszusagen, aus Angst vor den Verbrechern, dann ergibt das nicht sonderlich viel Sinn. Schließlich sind sie ihm auch so schon auf den Spuren, wie er festgestellt hat. Sofern man nicht allzu sehr über das Geschehen nachdenkt, das Grisham hier zusammengewürfelt hat, ist der Unterhaltungsfaktor aber durchaus hoch. Immer wieder kommt es in Der Klient zu brenzligen Situationen, aus denen sich die Figuren irgendwie herausmanövrieren müssen. Und es macht auch Spaß, dem später früh verstorbenen Brad Renfro bei seiner ersten großen Rolle zuzusehen: ein Junge, der sich um seine Familie kümmert, sich generell um andere sorgt und es dabei doch faustdick hinter den Ohren hat.

Credits

OT: „The Client“
Land: USA
Jahr: 1994
Regie: Joel Schumacher
Drehbuch: Akiva Goldsman, Robert Getchell
Vorlage: John Grisham
Musik: Howard Shore
Kamera: Tony Pierce-Roberts
Besetzung: Brad Renfro, Susan Sarandon, Tommy Lee Jones, Mary-Louise Parker, Anthony LaPaglia, Anthony Edwards, Ossie Davis

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 1995 Beste Hauptdarstellerin Susan Sarandon Nominierung
BAFTA Awards 1995 Beste Hauptdarstellerin Susan Sarandon Sieg

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Der Klient
Wenn in „Der Klient“ ein junger Zeuge sich gleichzeitig gegen Verbrecher und das Gesetz wehrt, dann ergibt das im Einzelnen zwar nicht sonderlich viel Sinn. Aber es ist doch unterhaltsam, teilweise auch spannend, wie in dem hochkarätig besetzten Thriller mehrere Stränge parallel laufen – selbst wenn die nicht ganz zusammenpassen.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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