Inhalt / Kritik

Alone Du kannst nicht entkommen

„Alone – Du kannst nicht entkommen“ // Deutschland-Start: 25. März 2021 (DVD/Blu-ray)

Eigentlich wollte Jessica (Jules Willcox) nur weg, ihre Ruhe haben vor der nörgelnden Mutter, eine Weile allein mit sich selbst und ihren Gedanken sein. Und so packte sie heimlich ihre Siebensachen und machte sich mit ihrem Auto davon. Sonderlich weit kommt sie dabei jedoch nicht. Erst kommt es zu einer gefährlichen Begegnung mit einem schwarzen Jeep, der sie auf einer Landstraße beim Überholen hindert. Zwar beteuert später dessen Fahrer (Marc Menchaca), dass dies eine Unachtsamkeit seinerseits war, die sie bitte entschuldigen möge. Doch Jessica bleibt misstrauisch, vor allem als sie ihm anschließend noch weitere Male über den Weg läuft. Und sie soll recht behalten mit ihren düsteren Ahnungen …

Viel Spannung mit geringen Mitteln

Manchmal braucht es nicht viel, um Spannung zu erzeugen. Braucht keine Spezialeffekte, keine Geschichten mit tausend Wendungen oder Figuren mit ungewöhnlichen Schicksalen. Siehe Alone – Du kannst nicht entkommen. Am Anfang sehen wir zwar, wie Jessica ihr Zuhause hinter sich lässt und damit eine komplizierte Vergangenheit, auf die später vereinzelt Bezug genommen wird. Doch das Grundrezept des Thrillers ist ausgesprochen einfach und minimalistisch. Da ist die Frau auf der Flucht. Da ist der Mann, der sie verfolgt. Und da ist der Wald, ein riesiges, naturbelassenes Gebiet, in dem Orientierung nahezu unmöglich ist. Hilfe suchen ebenfalls.

Anknüpfungspunkte an andere Filme gibt es dabei natürlich ohne Ende. Zu Beginn fällt einem unweigerlich Duell ein, bei dem ein gewöhnlicher Mann von einem rätselhaften Lastwagen und dessen unbekannten Fahrer terrorisiert wird. Diese Begegnung mit dem anonymen Bösen hat gerade im Horrorgenre Tradition, sieh etwa der Klassiker Halloween. Immer wieder arbeiten Filmschaffende mit unserer Angst vor dem Unerklärlichen und dem Unsichtbaren. Alone – Du kannst nicht entkommen verfolgt diese Richtung aber nicht konsequent. So verrät uns der Thriller zwar bis zum Schluss nicht, wer dieser Mann eigentlich ist, der das Leben von Jessica zur Hölle macht. Aber er bekommt ein Gesicht, bekommt auch einen wenngleich spärlichen Kontext.

Auf der Flucht vor einem Killer

Gleiches gilt für Jessica, die – so erfahren wir mit der Zeit – eine traumatische Erfahrung hinter sich hat, die sie noch nicht wirklich verarbeitet hat. Auf die Charakterzeichnung hat das jedoch wenig Einflüsse, auch nicht auf die Handlung. Dieser Hintergrund wird zwar zu einer Schwäche, welche der Antagonist gnadenlos auszunutzen versucht. Es hätte aber nicht viel verändert, hätte Drehbuchautor Mattias Olsson, der auch schon beim zugrundeliegenden schwedischen Thriller Night Hunt das Skript geschrieben hatte, darauf verzichtet. In Alone – Du kannst nicht entkommen geht es um einen deutlich simpleren, archaischeren Zweikampf zwischen einem Jäger und seiner auserkorenen Beute. Nahezu der gesamte Film besteht darin, wie die unglückliche Heldin auf der Flucht ist, ihr Verfolger dicht auf den Fersen.

Das mag alles etwas schlicht sein, zumal Regisseur John Hyams eine eher nüchterne Inszenierung verfolgt. Da wird nicht versucht, auf reißerische Weise oder mit viel manipulativer Musik Spannung ins Publikum zu prügeln. Spannend ist der Thriller, der auf dem Fantasia Film Festival 2020 Premiere hatte, aber durchaus. Das ist zu einem größeren Teil ein Verdienst des Ensembles. So hinterlässt Marc Menchaca (The Outsider) einen nachhaltigen Eindruck als unheimlich lächelnder Niemand mit Hang zum Sadismus. Hauptdarstellerin Jules Willcox wiederum bekommt die Gelegenheit, die ganze Verzweiflung ihrer Figur auszuspielen, wenn die ohnehin angeknackste Protagonistin gegen den sicheren Tod ankämpft.

Kompetenter Kampf gegen die Ausweglosigkeit

Letzteres geschieht hier sogar auf eine erfrischend kompetente Weise. Jessica ist keine bloße Scream Queen, die hilflos auf Rettung wartet. Sie ergreift immer wieder die Initiative, versucht auf eigene Faust, Herrin über die Situation zu werden. Das ist zwar nicht immer erfolgreich. So ganz kann Alone – Du kannst nicht entkommen zudem beim Ablauf der Flucht nicht auf Genreklischees verzichten. Trotzdem tut es gut, mal jemandem zuzusehen, der über einen gesunden Überlebenswillen verfügt und auf eine nachvollziehbare Weise über sich hinauswachsen muss, um dem Albtraum entgegen dem Titel doch noch entkommen zu können. Jessica mag zwar auf sich allein gestellt sein. Aber sie macht das Beste daraus.

Credits

OT: „Alone“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: John Hyams
Drehbuch: Mattias Olsson
Musik: Nima Fakhrara
Kamera: Federico Verardi
Besetzung: Jules Willcox, Marc Menchaca

Bilder

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Alone – Du kannst nicht entkommen
In „Alone – Du kannst nicht entkommen“ begegnet eine Frau in der Krise einem unheimlichen Mann, der sie zu verfolgen scheint. Daraus wird ein zwar nicht origineller oder komplexer Survivalthriller, der aber ordentlich Spannung aus der Geschichte herausholt. Vor allem das Ensemble überzeugt, zumal sich das auserkorene Opfer als erfrischend kompetent und aktiv erweist.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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