Inhalt / Kritik

James Bond 007 Liebesgrüße aus Moskau From Russia with Love

„James Bond 007: Liebesgrüße aus Moskau“ // Deutschland-Start: 14. Februar 1964 (Kino)

Nachdem James Bond (Sean Connery) einen ihrer wichtigsten Männer ausgeschaltet hat, steht für die internationale Verbrecherorganisation PHANTOM fest: Der britische Geheimagent muss sterben. Einen Plan gibt es auch schon. Oberst Klebb (Lotte Lenya), die früher eine hohe Position im KGB innehatte, überzeugt Tatiana Romanova (Daniela Bianchi) davon, Bond nach Istanbul zu locken, mit der Aussicht auf eine wertvolle Dechiffriermaschine. Dass dies nur eine Falle ist, weiß das MI6 natürlich schon. Dennoch wird 007 nach Istanbul geschickt, um gemeinsam mit Kerim Bey (Pedro Armendáriz) nach einem Weg zu suchen, das begehrte Objekt an sich zu reißen. Dabei ist jedoch Eile angesagt, ist ihm doch schon der Killer Donald „Red“ Grant (Robert Shaw) auf den Fersen …

Erfolgsrezept mit Hindernissen

Schon bevor James Bond jagt Dr. No in die Kinos kam, war den Produzenten eigentlich klar, dass man aus den Romanen von Ian Fleming eine ganze Filmreihe machen wollte. Bücher gab es schließlich genug. Der große Erfolg des ersten Teils bestätigte das Vorhaben. Mehr noch: Man verdoppelte das Budget, um dem Publikum auch richtig was bieten zu können. Dennoch war Liebesgrüße aus Moskau, das bereits ein Jahr später erschien, kein Selbstläufer. Immer wieder kam es zu Problemen, etwa beim Drehbuch oder dem Dreh als solchen. Ein schwerer Schlag war vor allem, dass die Krebserkrankung von Hauptdarsteller Pedro Armendáriz in kürzester Zeit so schmerzhaft wurde, dass der mexikanische Schauspieler den Film nicht mehr beenden konnte und sich das Leben nahm.

Angesichts der zahlreichen Schwierigkeiten, zu denen auch Budgetüberschreitungen und nicht eingehaltene Zeitpläne zählten, ist es beachtlich, wie gelungen und in sich stimmig James Bond 007: Liebesgrüße aus Moskau geworden ist. Tatsächlich gilt der zweite Film der inzwischen rund sechs Jahrzehnte andauernden Reihe bei Fans oft als einer der besten. Ein Grund ist, dass die Jagd auf eine Dechiffriermaschine dem klassischen Spionagethriller so nahe kommt, wie es nur wenige Bond-Werke getan haben. Gerade im weiteren Verlauf wurden in der Reihe alle möglichen Genres ausprobiert, darunter Science-Fiction und Abenteuer. Mitunter konnten die Einsätze des Agenten auch sehr albern werden, vor allem in der Phase mit Roger Moore gab man sich ganz ungehemmt dem Camp hin.

Spaß an der Übertreibung

Das heißt aber nicht, dass Liebesgrüße aus Moskau völlig frei von Albernheiten und genussvollen Übertreibungen war. Eine frühe Szene, in der Bond und Bey die Gegenseite bespitzeln, ist schon recht exzentrisch. Auch die etwas eigenwilligen Utensilien, mit denen PHANTOM seine Gegner oder andere unerwünschte Personen liquidiert, muss man nicht unbedingt ernst nehmen. Doch die Mischung funktioniert. Der erneut von Terence Young inszenierte Film schafft die Balance aus den verschiedenen Elementen, die einen Bond-Film so ausmachen. So darf Desmond Llewelyn bei seinem ersten Auftritt als Gadget-Mastermind Q dem Agenten zwar einen besonderen Koffer an die Hand geben, ohne dass daraus aber gleich das Spektakel wird, welches in späteren Filmen dominierte.

Im Vergleich zum Vorgänger hat Liebesgrüße aus Moskau ebenfalls einige Vorteile. So reizvoll beispielsweise das Jamaika-Setting in James Bond jagt Dr. No war, der Nachfolger bietet doch deutlich mehr Abwechslung. Er bietet auch die interessantere Geschichte und die besseren Figuren. Während man die meisten Figuren aus dem Auftakt sofort wieder vergessen hat, gibt es hier doch eine Reihe nennenswerter Auftritte. Neben den zum Kult gewordenen Szenen, die den Anführer von PHANTOM nur von hinten zeigen, wie er seine weiße Katze streichelt, sind auch Oberst Klebb und der verschlagene Schach-Großmeister Kronsteen (Vladek Sheybal) erinnerungswürdige Schurken. Selbst wenn sie alle zum Scheitern verurteilt sind, sie hinterlassen mehr Eindruck als die Figuren des Vorgängers.

Ein Produkt seiner Zeit

Dafür ist das Bond-Girl nicht unbedingt ein Höhepunkt in der Filmografie von 007. Dass die Produzenten für die Reihe letztendlich nur hübsche Frauen wollten, die sich alle brav in den Protagonisten verlieben sollen, daraus machten sie nie ein Geheimnis. Die Art und Weise, wie Romanova hier aber auf ihre Fähigkeit reduziert wird, James anzuschmachten, die ist heute natürlich ebenso überholt wie die Darstellung der „Zigeuner“. Wer sich daran nicht stört bzw. solche Elemente als ein Überbleibsel einer vergangenen Zeit akzeptiert, der kann mit Liebesgrüße aus Moskau immer noch jede Menge Spaß haben. Das Tempo ist hoch, die Geschichte schwankt zwischen Wahnsinn und Ernsthaftigkeit, die verschiedenen Schauplätze können sich sehen lassen.

Credits

OT: „From Russia with Love“
Land: UK, USA
Jahr: 1963
Regie: Terence Young
Drehbuch: Richard Maibaum
Vorlage: Ian Fleming
Musik: John Barry
Kamera: Ted Moore
Besetzung: Sean Connery, Pedro Armendáriz, Lotte Lenya, Robert Shaw, Bernard Lee, Daniela Bianchi, Vladek Sheybal

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
BAFTA Awards 1964 Beste britische Kamera (Farbe) Ted Moore Sieg
Golden Globes 1965 Bestes Lied John Barry, Lionel Bart Nominierung

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James Bond 007: Liebesgrüße aus Moskau
„James Bond 007: Liebesgrüße aus Moskau“ gilt als einer der Fanfavoriten innerhalb der Filmreihe, nicht zuletzt weil das hier dem klassischen Agententhriller sehr nahe kommt. Dazu gibt es abwechslungsreiche Schauplätze, erinnerungswürdige Schurken und ein paar wahnsinnige Einfälle, die noch immer Spaß machen und einen die weniger gut gealterten Elemente leichter vergessen lassen.
8von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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