Kritik

Requiem für einen Freund

„Requiem für einen Freund“ // Deutschland-Start: 11. Januar 2021 (ZDF)

Für den Berliner Rechtsanwalt Joachim Vernau (Jan Josef Liefers) könnte es gerade nicht blöder laufen. Als wäre eine Steuerprüfung nicht auch so schon anstrengend genug, wird er von dem zuständigen Beamten mitten in der Nacht genötigt, wegen eines Bewirtungsbelegs vorbeizukommen. Viel Lärm um nichts, dachte Vernau – bis er die Leiche des besagten Beamten findet, der von irgendjemanden ermordet worden ist. Verwirrt von diesen Ereignissen beschließt er daraufhin, sich mit Sebastian Marquardt (August Zirner) zu treffen. Schließlich war er seinerzeit mit dem alten Freund essen. Da hat es ihm gerade noch gefehlt, dass seine Mutter Hildegard (Elisabeth Schwarz) und ihre Freundin Hüthchen (Carmen-Maja Antoni) aus der gemeinsamen Wohnung geworfen werden sollen …

Zwei Krimis, ein Humor

Jan Josef Liefers und Krimis, da dürften den meisten der Tatort aus Münster einfallen, zu dem der Schauspieler seit 2002 gehört. 38 Fälle hat er dort bereits als Rechtsmediziner gelöst, zuletzt Es lebe der König!. Weniger bekannt ist eine zweite Reihe, die immerhin auch schon 2012 ihren Anfang nahm und in der er in die Rolle des Anwalts Vernau schlüpft. Die ist aber auch deutlich weniger produktiv. Nur eine Handvoll Filme umfasst die auf den Romanen von Elisabeth Herrmann basierende Reihe bislang. Zwischen den einzelnen Teilen können schon mal ein paar Jahre vergehen, keine besonders gute Voraussetzung, um sich dauerhaft einen Namen zu machen, selbst wenn einige der Titel mehr als sieben Millionen Zuschauer und Zuschauerinnen hatten.

Mit Requiem für einen Freund startet nun der sechste Film im Fernsehen und damit der nächste Versuch, sich eine eigene Identität in dem gnadenlos überlaufenen Bereich der TV-Krimis aufzubauen. Das ist aber gar nicht so einfach, da Neulinge meinen könnten, hier vielleicht doch versehentlich den Tatort eingeschaltet zu haben. Zwar schnippelt Liefers hier an keinen Leichen herum, sondern befasst sich eher mit Paragrafen und Regeln. Der Humor und die flapsigen Kommentare, die er selbst in den Momenten größerer Bedrohung von sich gibt, sind sich aber recht ähnlich. Nur dass es hier an einem vergleichbaren Sparringspartner mangelt, weshalb die Dialoge ein bisschen im Nichts verschwinden.

Gesellschaftliche Randerscheinung

Als Kontrast gibt es dafür einige ernste Themen. Natürlich geht es in den meisten Krimis irgendwie ernst zu, schließlich gibt es da normalerweise Leichen und zerstörte Existenzen. Requiem für einen Freund bindet dies jedoch stärker in einem gesellschaftlichen Kontext ein. Nicht nur, dass hier bald klar wird, dass um Themen wie Geldwäsche und Korruption geht, um die immer wieder gern angeprangerte Verbindung von Verbrechen und Wirtschaft. Mit der Nebenhandlung um die beiden alten Damen, die aus ihrer Wohnung geworfen werden sollen, wird gleich noch das in-Thema Gentrifizierung verarbeitet, welches zuletzt in ziemlich vielen Filmen auftauchte – etwa Nationalstraße.

Die beiden Stränge haben aber nur am Rande miteinander zu tun, was irgendwie für vieles in Requiem für einen Freund gilt. Es wird hier nie so genau klar, was der Film eigentlich sein will und worum es gehen soll. Das hat jedoch weniger damit zu tun, dass das Publikum in die Irre geführt werden soll, wie es manche Mysterythriller tun. Vielmehr leidet der Krimi unter einer gewissen Beliebigkeit, wenn hier alles Mögliche miteinander vermischt wird, bis am Ende eine unidentifizierbare Masse herauskommt. Die ist dann zwar nicht wirklich schlecht, ein paar Auftritte der Figuren machen schon Spaß. Trotz der inhaltlichen Dimensionen und dem Hang zum Hakenschlagen bleibt die Geschichte um finanzielle Mauscheleien aber ohne echten Zug. Stattdessen hüpft der Film durch die Gegend, mal fröhlich, mal mit einem kleinen Stirnrunzeln, bis er es nicht mehr tut und alles vorbei ist.

Credits

OT: „Requiem für einen Freund“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Josef Rusnak
Drehbuch: Josef Rusnak
Vorlage: Elisabeth Herrmann
Musik: Mario Grigorov, Steven Schwalbe
Kamera: Moritz Anton
Besetzung: Jan Josef Liefers, Stefanie Stappenbeck, August Zirner, Carina Wiese, Elisabeth Schwarz, Carmen-Maja Antoni, Kida Khodr Ramadan

Bilder

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Requiem für einen Freund
Mord wegen eines Bewirtungsbelegs, wer macht denn sowas? Der sechste Fall der Krimireihe nimmt wie gehabt gesellschaftliche Themen, einen flapsigen Humor und eine klassische Mördersuche. Das Ergebnis wirkt etwas beliebig. „Requiem für einen Freund“ ist brauchbare Abendunterhaltung, aber nichts, das man gesehen haben muss.
5von 10

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