Kritik

Coyote Lake

„Coyote Lake – Die Wahrheit liegt unter der Oberfläche!“ // Deutschland-Start: 18. September 2020 (DVD/Blu-ray)

Ester (Camila Mendes) und ihre Mutter Teresa (Adriana Barraza) leben zurückgezogen in einem verschlafenen texanischen Ort nahe der Grenze zu Mexiko, wo sie eine kleine Frühstückspension betreiben. Es ist einfaches, bescheidenes Leben, das sie dort führen. Aber sie haben sich gut mit der Situation arrangiert – bis zu dem Tag, als Paco (Andrés Vélez) und Ignacio (Manny Perez) vor der Tür stehen. Die zwei sind Mitglied eines Drogenkartells und zwingen die Frauen unter Androhung von Gewalt, sie bei sich aufzunehmen und zu versorgen. Diese lassen sich notgedrungen darauf ein, in der Hoffnung, dass die Männer bald wieder verschwinden. Doch dann kommt alles anders …

Das Nirgendwo als Ort des Schreckens

Wenn sich in Filmen Menschen an abgelegenen Orten begegnen, dann bedeutet das für die Beteiligten oft nichts Gutes. Das Horror- und Thrillergenre ist vollgestopft mit Beispielen, in denen Wochenendhäuser, Hotels oder Campingplätze im Nirgendwo zu einer tödlichen Falle werden. Wenn dieser abgelegene Ort auch noch an der texanisch-mexikanischen Grenze liegt, dann kann man sich schon vorstellen, welche Themen da so auftauchen werden. Ob nun Drogen oder illegale Einwanderung, Coyote Lake spart nicht an den zu erwartenden Gefahrenquellen, wenn zwei Frauen unerwarteten Besuch waffenschwingender Männer erhalten und nun um ihr Leben fürchten müssen.

Um einen herkömmlichen Drogenthriller handelt es sich bei Coyote Lake jedoch nicht. Regisseurin und Co-Autorin Sara Seligman macht schon früh klar, dass bei dieser Pension einiges etwas anders läuft. Von Anfang an ist da diese unwirkliche Atmosphäre, so als wäre man als Zuschauer in dem Dunkel der Heimatlosigkeit in eine Parallelwelt gestolpert. Das geht mit sehr schönen Bildern einher. Allgemein kann der US-amerikanische Film mit gelungenen Aufnahmen punkten, welche  Kameramann Matthias Schubert (The Doorman – Tödlicher Empfang) der wenig idealen Idylle entlockt hat und die immer andeuten, was man längst selbst ahnt: Da stimmt etwas nicht.

Gute Ideen, die im Nichts versanden

Das Problem ist nur, dass Seligman eigentlich schon sehr früh verrät, was da nicht stimmt. Der Mystery-Faktor, der bei einer solchen Geschichte eigentlich naheliegend gewesen wäre, kommt so nicht wirklich zur Entfaltung. Es gibt aber auch sonst nichts, was dazu beitragen würde, wirklich Spannung zu erzeugen. Die Konstellation würde dies natürlich schon hergeben. Zwei vermeintlich wehrlose Frauen, die von zwei bewaffneten bösen Männern gefangen gehalten wären, aus diesem Latz-und-Maus-Belagerungs-Szenario hätte man sicherlich etwas machen können. Nur hatte die Filmemacherin gar nicht die Absicht, in die klassische Genrerichtung zu gehen, sie macht aus Coyote Lake gleichzeitig ein Mutter-Tochter-Porträt mit dramatischen Zügen.

Auch das kann natürlich spannend sein, zumal Ester und Teresa eine ganz eigene Beziehung zueinander haben, die sich erst nach und nach dem Publikum offenbart. Doch auch da zeigt sich Coyote Lake minimalistisch. So einleuchtend die Idee ist, das Szenario der äußeren Bedrohung mit dem einer inneren Befreiung zu verknüpfen, wenn sich Ester von dem Klammergriff ihrer Mutter befreit, am Ende ist das doch irgendwie unbefriedigend. Die Entstehung der Beziehung wird kaum erklärt, es gibt erst zum Schluss eine Entwicklung. Stattdessen hält sich Seligman mit einer sich anbahnenden Romanze zwischen Ester und Paco auf, die etwas langweilig als Initialzündung genutzt wird. Das hat dann zwar eine Reihe von Ideen und Elementen, die Potenzial gehabt hätten, am Ende aber zu wenig ausgearbeitet sind. Für einen Thriller fehlt der Nervenkitzel, für ein Drama der Tiefgang, der Inhalt wurde zu sehr auf Spielfilmlänge gestreckt.

Credits

OT: „Coyote Lake“
Land: USA
Jahr: 2019
Regie: Sara Seligman
Drehbuch: Sara Seligman, Thomas James Bond
Musik: Fabrizio Mancinelli
Kamera: Matthias Schubert
Besetzung: Camila Mendes, Adriana Barraza, Andrés Vélez, Manny Perez, Neil Sandilands

Bilder

Trailer

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Coyote Lake – Die Wahrheit liegt unter der Oberfläche!
Zwei Drogengangster zwingen eine Mutter und ihre Tochter, sie in der Familienpension unterzubringen. „Coyote Lake“ hat eine Konstellation für einen klassischen Thriller, kombiniert dies aber mit einem Drama um Selbstbestimmung inklusive einer Romanze. Das ist schön bebildert, hat einige interessante Ideen, ist am Ende jedoch weder spannend noch tiefgründig genug.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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