Kritik

Clouds Disney+

„Clouds“ // Deutschland-Start: 16. Oktober 2020 (Disney+)

Zach Sobiech (Fin Argus) träumt davon, aufs College zu gehen, er träumt von einer Karriere als Musiker und auch davon, mit seinem Schwarm Amy (Madison Iseman) zum Abschlussball zu gehen. Dabei weiß er, dass nichts von dem sehr wahrscheinlich ist, denn der 17-Jährige ist an Krebs erkrankt. Heilungschancen gibt es keine mehr, tatsächlich bleiben ihm laut den Ärzten nur noch wenige Monate. Während Zachs Eltern Rob (Tom Everett Scott) und Laura (Neve Campbell) selbst nach einem Weg suchen, mit dieser schrecklichen Diagnose umzugehen, komponiert er weiterhin Lieder mit seiner besten Freundin Sammy (Sabrina Carpenter) und feiert damit tatsächlich erste Erfolge …

Die Tragik eines zu kurzen Lebens
In den letzten Jahren hat es einen regelrechten Run auf Dramen gegeben, welche von todkranken Jugendlichen erzählen: Ob nun Das Schicksal ist ein mieser Verräter, Gott, du kannst ein Arsch sein! oder Dem Horizont so nah, in den Kinos gab es in der Hinsicht sehr viel Anschauungsmaterial. Natürlich waren die Geschichten und Krankheiten unterschiedlich, drumherum wurde einiges anders gemacht. Aber alle Filme bauen letztendlich auf der Tragik auf, dass ein junges Leben viel zu früh beendet wird, und kosten dieses emotionale Thema aus, um das Publikum zu Tränen zu rühren. Das ist oft ziemlich manipulativ, aber doch effektiv. Schließlich ist ein solches Schicksal so unfair, für alle Beteiligten, dass es einen kaum kalt lassen kann.

Mit Clouds liegt nun ein weiterer Film dieser ertragreichen Sparte vor. Eigentlich hätte dieser ebenfalls in die Kinos kommen sollen, wurde aufgrund der Corona-Pandemie jedoch zu Disney+ weitergeschoben. Für einen Disney-Titel ist das Drama erstaunlich harter Stoff. Krankheit und Tod vermutet man beim Mäusekonzern eher weniger, zumal hier auch nie ein Geheimnis daraus gemacht wird, dass die Tage gezählt sind. Der Film basiert nun einmal auf dem wahren Leben von Zach Sobiech, der als Jugendlicher an Knochenkrebs erkrankte, vor seinem Tod mit dem aufmunternden Poplied Clouds einen echten Überraschungshit landete, welcher dem Film am Ende auch seinen Titel gegeben hat.

Aufmunterung im Angesicht des Todes
Justin Baldoni, der zuvor als Schauspieler Karriere machte, sollte dem Jungen die letzte Ehre erweisen. Die Wahl war naheliegend. Nicht nur, dass er zuvor mit Drei Schritte zu dir – ein weiteres Drama um schwerkranke Jugendliche – sein Regiedebüt gab. Er hatte zudem bereits eine kleine Doku über Zach gedreht, ebenso ein Tribut-Musikvideo, in dem zahlreiche Stars zu Clouds die Lippe bewegten. Man nimmt Baldon dann auch ab, dass sein Film nicht allein mit dem traurigen Schicksal Kasse machen wollte, sondern dieser als Ehrung gedacht war. Er nähert sich dem Thema behutsam an, zeigt sowohl Momente des Glücks wie auch die diversen schrecklichen Momente, die dem Jugendlichen, aber auch seinem Umfeld ein normales Leben verweigern.

Gleichzeitig will er dem Publikum aber auch nicht zu viel zumuten. Baldoni vermeidet die wirklich hässlichen Szenen, bleibt tendenziell doch lieber an der Oberfläche, wo es nicht ganz so weh tut. Schließlich soll Clouds nicht allein ein tränenreiches Drama sein, sondern versteht sich als Aufmunterung, das eigene Leben zu nutzen, so kurz es auch sein mag. Das ist gerade zum Ende hin mit diversen Klischees verbunden, hat auch kein Problem mit Kitsch. Da braucht es schon eine höhere Toleranzgrenze, um so manche Szene überstehen zu können, zumal der Film mit einer Laufzeit von zwei Stunden ein bisschen lang geworden ist. Wen solche Manipulationen nicht stören, der findet hier aber eines der besseren Beispiele für ein solches Jugenddrama, das mit einem sympathischen jungen Ensemble, aber auch schöner, gefälliger Musik hervorsticht. Und wer das Titellied vorher nicht kannte, der wird im Anschluss den Ohrwurm auch nicht so leicht wieder los.

Credits

OT: „Clouds“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Justin Baldoni
Drehbuch: Kara Holden
Musik: Brian Tyler
Kamera: Ben Kutchins
Besetzung: Fin Argus, Sabrina Carpenter, Madison Iseman, Lil Rel Howery, Tom Everett Scott, Neve Campbell

Bilder

Trailer

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Clouds
„Clouds“ erzählt die Geschichte des 17-jährigen Zach Sobiech, der früh an Krebs starb, zuvor mit dem titelgebenden Lied aber einen echten Überraschungshit landete. So wie dieses ist das Jugenddrama vor allem als Aufmunterung gedacht. Das funktioniert, ist gut gespielt und mit eingängiger Musik, auch wenn der Film nicht auf Manipulationen verzichten mag, gerade zum Ende hin wird es recht kitschig.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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