Kritik

„Little Vampire“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Seitdem er von dem Kapitän der Toten verwandelt wurde, lebt der Junge als kleiner Vampir. 300 Jahre ist das mittlerweile her, keinen Tag ist er seither gealtert. Doch das ist nicht der Grund, weshalb er sich zu Hause zu Tode langweilt, sofern er es denn könnte: Er darf das Anwesen nicht verlassen. Dabei würde er so gerne draußen spielen, vielleicht auch zur Schule gehen, um mal etwas anderes zu sehen! Doch der Kapitän und Pandora, die Mutter des Vampirs, achten mit Argusaugen darüber, dass sich der für immer in einem Körper eines 10-Jährigen steckende Junge an die Regeln hält. Und das aus gutem Grund: Der fiese Gibbus ist ihnen schon seit Jahrzehnten auf den Fersen und wartet nur auf eine Gelegenheit, Rache an der Familie auszuüben. Als sich der kleine Vampir doch einiges Tages hinausschleicht und mit dem Menschenjungen Michael Freundschaft schließt, scheint die Zeit für Gibbus endlich gekommen zu sein …

Ein (fast) normaler Junge
In Deutschland kennt man Joann Sfar in erster Linie für seine Comic-Reihe Die Katze des Rabbiners, in der eine Katze durch das Verputzen eines Papageis die Sprache der Menschen lernt und anschließend sein Herrchen durch existenzielle Fragen in den Wahnsinn treibt. Bei Kritikern wurde das eigenwillige und nachdenkliche Werk gefeiert, der große Verkaufsschlager war das mehrbändige Werk aber wohl eher nicht, weshalb die gleichnamige Zeichentrick-Adaption auch bis heute nicht bei uns veröffentlicht wurde. Ob das bei seinem zweiten Animationsfilm Little Vampire anders sein wird, bleibt noch abzuwarten, zumal die hier zugrundeliegenden Comics – auf Deutsch vor Jahren als Desmodus erschienen – sowie die TV-Serie schon lange vergriffen sind. Zu wünschen wäre es aber, dass der Blutsauger auch bei uns ein Zuhause findet.

Die Zielgruppe ist im Vergleich zur vorlauten Katze dabei deutlich jünger angesetzt. Sowohl die gedruckte wie auch die animierte Fassung richten sich an Kinder, die sich mit dem kleinen Vampir identifizieren können. Der träumt von Abenteuern und von Freiheit, was vielen aus der Seele sprechen dürfte, findet die Regeln der Erwachsenen einfach doof. Dass – abgesehen von Michael – sämtliche Figuren Monster sind, ändert an der Ausrichtung nichts. Die meisten sind eh jünger und eher knuffig designt. Lediglich Gibbus, die einzige böse Gestalt des Films, sieht mit seinem Mondsichel-Gesicht tatsächlich auch etwas unheimlich aus.

Mit Humor und Charme
Wobei es auch der allgegenwärtige Humor ist, der dafür sorgt, dass die Kinder sich nicht in dem Horror-Ambiente zu sehr fürchten. Da passieren Missgeschicke, Bulldogge Phantomato, der eigentlich auf den Titelhelden aufpassen soll, kommt kaum hinterher. Außerdem gibt es leichte Culture-Clash-Momente, wenn sich Vampirjunge und Menschenjunge neugierig und zugleich verwundert gegenüberstehen. Von der Absurdität, dass Monster ein ganzes normales Leben führen ganz zu schweigen. Das ist ähnlich zu Hotel Transsilvanien, jedoch weniger slapsticklastig, dafür mit deutlich mehr Charme und von der kindlichen Sehnsucht erfüllt, Freunde zu finden, mit denen man durchs Leben geht.

Das Tempo des Films ist so eine Sache. Little Vampire will gleichzeitig die Geschichte einer Freundschaft sein, aber auch von der Verfolgung durch Gibbus erzählen – was zwischen ruhig und etwas hektisch schwankt. Gerade zum Ende geht es ein bisschen schnell. Insgesamt hat Sfar jedoch einen sehr süßen Film vorgelegt, bei dem man sich selbst wieder wie ein Kind fühlen darf und das darauf hoffen lässt, dass der Comic-Autor sich häufiger mal eines Animationswerks annimmt. Denn auch die Optik ist gelungen, mit prägnanten Designs und schönen Hintergründen, die das Düstere mit dem Stilisierten verbinden und dabei selbst wie ein Comic aussehen.

Credits

OT: „Petit Vampire“
Land: Frankreich
Jahr: 2020
Regie: Joann Sfar
Drehbuch: Joann Sfar, Sandrina Jardel
Vorlage: Joann Sfar
Musik: Olivier Daviaud

Bilder

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Little Vampire
„Little Vampire“ ist ein charmanter und süßer Animationsfilm über einen Jungen, der in einen Vampir verwandelt wurde und davon träumt, ein Leben unter Menschen zu führen. Das richtet sich klar an ein jüngeres Publikum, wobei die kuriosen Designs und die absurde Kombination aus Horrorwelt und schnödem Alltag auch Erwachsene verzaubern dürfen.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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