Kritik

Blue Steel

„Blue Steel“ // Deutschland-Start: 26. April 1990 (Kino) // 6. Dezember 2018 (DVD/Blu-ray)

Nach der harten Ausbildung an der Polizeiakademie ist es für Megan Turner (Jamie Lee Curtis) endlich so weit, denn sie wird als Polizistin der New Yorker Polizei vereidigt. Jedoch kommt es schon an ihrem ersten Tag zu einem folgenschweren Zwischenfall, als sie einen Räuber erschießt. Da am Tatort keine Waffe gefunden werden kann, wird Megan dies als übertriebene Härte ausgelegt und ein Verfahren gegen sie eingeleitet, sodass sie wenige Stunden nach ihrem ersten Dienstantritt schon für ungewisse Zeit suspendiert ist. Als wäre dies nicht schon schlimm genug, ereignet sich wenige Stunden nach ihrer Suspendierung ein Mordfall und bei dem Opfer wird eine Patrone gefunden, in der Megans Name eingraviert wurde. Megan kann sich die Tat nicht erklären und weiß auch nicht, wer dafür verantwortlich sein könnte, was ihre Kollegen misstrauisch werden lässt. Zur gleichen Zeit lernt Megan den charmanten Börsenmakler Eugene (Ron Silver) kennen, der ihr den Hof macht und in den sie sich schon bald verliebt. Dieser führt allerdings ein falsches Spiel mit Megan, den er war es, der die Waffe des Räubers, den Megan erschossen hat, mitgenommen hat und sie nun nutzt, um in den Straßen der Stadt selbst Opfer zu suchen. Megan ist nun Teil eines perversen Plans, der noch viele weitere Opfer fordern wird.

Die Waffe als Fetisch
Nach dem beachtlichen Near Dark – Die Nacht hat ihren Preis legte Regisseurin Kathryn Bigelow mit Blue Steel ihren ersten Ausflug ins Thrillergenre vor. Ein Jahr bevor Jodie Foster als Clarice Starling in Das Schweigen der Lämmer als Frau in einer Männerdomäne gezeigt wurde, erzählt Blue Steel bereits eine ähnliche Geschichte, welche sowohl thematisch als auch formal einige Parallelen aufweist. Neben der Behauptung der Protagonistin in der maskulin dominierten Reihen der Polizei geht es vor allem aber über den US-amerikanischen Fetisch mit Waffen sowie eine gewisse Klassenmentalität, was thematisch ganz ordentlich ist, aber an einigen Stellen nicht immer stimmig ist.

Bereits zu Anfang wird der Zuschauer eingeführt in die Faszination, die von der Waffe ausgeht. In vielen Detailaufnahmen fängt die Kamera minutiös das Laden und die Form von Megans Dienstwaffe auf sowie das Anlegen der Uniform. Das metallische Blau und dessen Kälte sind die dominierenden formalen Elemente der Geschichte, was man beispielsweise anhand der Inszenierung der Stadt sehen kann. Die Allgegenwart dieses Blaus geht einher mit einer Ahnung von Gefahr und Tod, der an jeder Straßenecke lauern kann und jeden treffen kann, vor allem, wenn man es am wenigsten erwartet.

Die Fetischisierung der Waffen wirkt wie ein Rausch auf Menschen, verursacht Angst aber auch eine unbequeme Faszination. Immer wieder frieren die Gesprächspartner Megans ein, wenn sie hören, sie sei eine Polizistin, eine Reaktion, die sie zu einem ironischen Spiel mit gewissen Stereotypen was den Beruf angeht, nutzt. Für den von Ron Silver gespielten Eugene wird die Waffe zu einem ultimativen Kick, stärker als jeder Rausch, den er erlebt hat, sodass der Yuppie schon nach kurzer Zeit zum Serienmörder wird.

Über der Stadt
Das ausgerechnet ein wohlhabender Börsenmakler zum Mörder wird, hat schon eine gewisse bittere Ironie. In einem Jahrzehnt, in dem Gordon Gecko in Oliver Stones Wall Street seinen berühmte „Gier ist gut“-Monolog gehalten hat und der Yuppie zu einem Symbol des Reagan-Jahrzehnts und des Raubtierkapitalismus wurde, erscheint eine Figur wie Eugene in Blue Steel wie ein Wiedergänger einer Mentalität zu sein, die sich über die Belange anderer erhebt. Wie kleine Flecken, sagt er an einer Stelle, wirken die Menschen auf ihn, was im Kontext der Szene Megan als romantisch betrachtet, aber das bedenkliche Ausmaß eines Wahns gleichermaßen beschreibt.

Generell sind in Blue Steel viele gute Ansätze enthalten und vor allem die Leistung Jamie Lee Curtis in der Hauptrolle sollte als großer Pluspunkt des Films erwähnt werden. Schade, dass das Drehbuch an einigen Logiklöchern krankt, deren Offensichtlichkeit sehr ärgerlich ist, und darüber hinaus sehr überfrachtet ist, beispielsweise, wenn es noch Themen wie häusliche Gewalt aufgreift.

Credits

OT: „Blue Steel“
Land: USA
Jahr: 1990
Regie: Kathryn Bigelow
Drehbuch: Kathryn Bigelow, Eric Red
Musik: Brad Fiedel
Kamera: Amir Mokri
Besetzung: Jamie Lee Curtis, Ron Silver, Clancy Brown, Elizabeth Peña, Louise Fletcher

Bilder

Trailer

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Blue Steel
„Blue Steel“ ist ein solider Actionthriller mit einer guten Jamie Lee Curtis in der Hauptrolle. Kathryn Bigelow erzählt eine spannende, nicht immer plausible Geschichte über den Fetisch mit Waffen und die Verwandlung eines Menschen zum Mörder.
6von 10

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Freier Autor

Eine Antwort

  1. Martin Zopick

    VORSICHT SPOILER!!

    Wieder ein Cop Thriller von Kathryn Bigelow, der mit Hochspannung daherkommt. Frisch gebackene Polizistin Megan Turner (Jamie Lee Curtis) erschießt in Notwehr an ihrem ersten Arbeitstag einen Supermarkt Räuber. Ein kaputter Kunde Eugene Hunt (Ron Silver), der latente Lust am Töten verspürt, findet den Revolver, taucht ab und beginnt eine Karriere als Massenmörder. Auf seinen Patronen steht Turners Name.
    Wie die Polizistin den Killer trifft und ihre anfängliche Liebe in professionellen Verfolgungserfolg mündet, wird im Drehbuch, an dem die Regisseurin mitgeschrieben hat, eindrucksvoll dargestellt. Hier überzeugen vor allem die Teile der Dialoge, die einen doppelten Boden haben.
    Zwei Dinge machen diesen Film zum außergewöhnlichen Ereignis: der Täter tritt ganz offen und souverän auf, z.B. macht er einen Besuch bei Megans Eltern als zukünftiger Schwiegersohn. Er ist der Polizei immer einen Schritt voraus und die kann ihm nichts nachweisen. Er killt aber trotzdem Megans beste Freundin. Die Polizistin müsste entlassen werden, soll aber als Lockvogel dienen. Sie und Kollege Nick (Clancy Brown) beschatten Hunt. Alle suche den Revolver.
    Eine zweite Nebenhandlung sind Megans Eltern: Mutter Turner (Louise-Kuckucksnest-Fletcher) wird von Megans Vater misshandelt. Er lehnt die Polizeiarbeit seiner Tochter ab, muss kurzfristig von ihr sogar verhaftet werden. Gelungene Schnitte und Tempowechsel bringen weiterhin zunehmende Spannung: wenn sich z.B. Killer Hunt im Nebenzimmer versteckt, während Megan sich mit Kollege Nick verlustiert.
    In der finalen Ballerei ist keine Steigerung mehr möglich. Geschickt eingestreute Retros verdeutlichen die Problematik. Old School at its best.

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