Kritik

The Furies

„The Furies“ // Deutschland-Start: 31. Januar 2020 (DVD/Blu-ray)

Seit Kindertagen sind Kayla (Airlie Dodds) und Maddie (Ebony Vagulans) beste Freundinnen und machen alles gemeinsam. Für Kayla ist die Freundin auch eine Art Schutz, denn die an Epilepsie leidende junge Frau traut sich kaum aus ihrer Komfortzone heraus, was in letzter Zeit immer wieder zu Streitigkeiten zwischen ihr und Maddie geführt hat. Bevor die beiden allerdings die Möglichkeit haben, ihre neueste Auseinandersetzung zu klären, werden sie eines Nachts entführt und Stunden später finden sie sich getrennt voneinander mitten in der Wildnis wieder, meilenweit entfernt von der Zivilisation. Als wäre dies nicht schon schlimm genug, haben zudem maskierte Männer die Jagd auf sie eröffnet sowie auf noch andere Frauen, denen ein ähnliches Schicksal widerfahren ist. Während Kayla versucht, einen Ausweg zu finden, wird sie geplagt von Visionen, in denen sie aus der Sicht eines der Killer sehen kann. Nur langsam und mithilfe der anderen Frauen, auf die sie trifft, ergibt sich so etwas wie Gesamtbild: Sie sind Teil eines grausamen Spiels und müssen sich, wenn sie überleben wollen, zusammentun und wehren. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn die Mörder scheinen nicht nur immer zu ahnen, wo sie sich aufhalten, sie sind auch kräftemäßig den Frauen überlegen.

Die Schönen und die Biester
Innerhalb des Horrorgenres gibt es sehr viele weibliche Protagonisten, aber nach der Meinung von Regisseur Tony D’Aquino sind diese Figuren in der Handlung viel zu sehr das Opfer eines meist männlichen Mörders. Inspiriert von seiner Vorliebe für die Horrorfilme der 1970er und 80er soll The Furies, der ursprünglich Killer Instinct hätte heißen sollen, mit jenen klischeebehafteten Darstellung von Weiblichkeit im Genre aufräumen und sich besinnen auf eine Zeit, in welcher starke Frauen den Horrorfilm dominierten. Herausgekommen ist dabei nicht nur ein sehr brutaler Film, sondern zudem eine minimalistische Geschichte über die Macht des Patriarchats und den Kampf gegen diese.

Ähnlich den Vorbildern, die D’Aquino in seinem Spielfilmdebüt bemüht, ist das Subtile nicht gerade die Stärke der Geschichte, die er erzählt. Schon nach wenigen Sekunden prangt mit großen roten Lettern der Ausspruch „Fuck Patriachy“ auf einer Wand, gefolgt von einem Streitgespräch der beiden Freundinnen Kayla und Maddie über Selbstbestimmung und Courage. Dieser Ton ist sinnbildlich für The Furies, dessen Charaktere das Herz auf der Zunge tragen und die unterschwellige Botschaft sich wohl jedem Zuschauer erschließt.

So ist dann auch der Kampf der Schönen gegen die Biester, wie die grausam maskierten Killer genannt werden, als eine sehr deutliche Metapher zu verstehen für jenen Kampf gegen die Männergesellschaft, die Frauen zu Freiwild erklärt hat, was man im Kontext von The Furies wortwörtlich verstehen sollte. Diese macht sich nicht nur die physische Überlegenheit, sondern zudem sie technologische Dominanz zunutze, wenn es darum geht, sich Opfer auszusuchen und sie zu eliminieren. Folgerichtig inszeniert D’Aquino dies konsequent und schnörkellos, in aller Härte, was sich gerade in der Unrated-Fassung in einigen sehr expliziten Gewaltszenen entlädt.

Freundschaft und Überleben
Interessant ist hierbei, wie sich D’Aquino Zeit nimmt die Hierarchie und die Verbindung zwischen denen als „Schönen“ auserkorenen Frauen zu verhandeln. Als Konsequenz aus den brutal agierenden, vermummten Angreifern ergibt sich das Wechselspiel zwischen jenen, die sich wehren wollen, den Mitläufern und denen, die sich am liebsten nur verstecken wollen. Über einen etwas merkwürdigen und etwas albernen Kniff in der Handlung ist alleine die durch ihre Krankheit verwundbare Kayla in der Lage, temporär zu sehen, was ihre Angreifer sehen, eine Strategie aufzubauen und zum Gegenschlag auszuholen. Die Grausamkeit des Spiels definiert sich durch die Aushöhlung jedes Bandes, jeder Solidarität zwischen den Frauen, die sich an ihr „Biest“ ketten müssen, sodass nur ein radikaler Schritt und eine Veränderung das eigene Überleben und das der Freundschaft ermöglichen.

The Furies ist eine Geschichte, die sich, passend zum Budget, durch ihren formalen und erzählerischen Minimalismus auszeichnet. Neben der Kameraarbeit Garry Richards’ und dem von D’Aquino verfassten Drehbuch, überzeugen vor allem die Darsteller, allen voran Airlie Dodds als Kaylam, die nicht nur Sympathieträgerin ist, sondern auch jene Veränderung spielt, welche ihre Figur aufgrund der Situation, in der sie sich befindet, durchmacht.

Credits

OT: „The Furies“
Land: Australien
Jahr: 2019
Regie: Tony D’Aquino
Drehbuch: Tony D’Aquino
Musik: Kirsten Axelholm, Kenneth Lampl
Kamera: Garry Richards
Besetzung: Airlie Dodds, Lindo Ngo, Taylor Ferguson, Ebony Vagulans, Steve Morris, Danielle Horvat

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The Furies
Tony D‘Aquino „The Furies“ ist ein brutaler, konsequent inszenierter Horror-Thriller. Ohne Sinn für Subtilität, dafür mit einem überzeugenden erzählerischen Minimalismus erzählt der Film eine Geschichte über den Kampf gegen das Patriarchat, der nicht nur Genrefans unterhalten wird, sondern auch durch seine Darsteller zu überzeugen weiß.
8von 10

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