Kritik

Society

„Society“ // Deutschland-Start: 13. Mai 1989 (Kino) // 27. September 2013 (DVD/Blu-ray)

Dank des Wohlstands seiner Eltern und ihres damit verbundenen Rufs in der höheren Gesellschaft von Beverly Hills hat Bill Whitney (Billy Warlock) ein sehr behütetes Leben genossen. Doch irgendwie kann er sich des Gefühls nicht erwehren, er würde nicht so richtig in diese Welt passen, was er vor allem daran festmacht, wie seine Eltern auf seine Freunde und seine bisherigen Beziehungen reagieren. Trotz seiner Beliebtheit an der High School, seiner zahlreichen Auszeichnungen und der nun bevorstehenden Wahl zum Schulpräsidenten, bei der er die besten Erfolgschancen hat, ist für seine Eltern vor allem die Aufnahme seiner Schwester Jenny (Patrice Jennings) in die Gesellschaft ein großer Erfolg und alleiniges Gesprächsthema. Zusätzlich zu diesen Gefühlen ein Außenseiter zu sein, gesellen sich rätselhafte Visionen und Tagträume, in denen Bill seine Eltern wie andere Menschen seltsam entstellt und in grausam deformierten Positionen sieht. Während sein Psychiater dies als Zeichen von Paranoia wertet und Bill starke Medikation verschreibt, ist es vor allem Bills Freund Milo (Evan Richards), der ihm Glauben schenkt, dass diese Visionen Teil einer noch viel verstörenderen Realität sein könnten. Seine Nachforschungen bringen Beunruhigendes zutage und enthüllen, in welcher möglichen Gefahr Bill schwebt, dem seine Eltern eine Aufnahme in die Gesellschaft in Aussicht gestellt haben.

Der Kult der Reichen und Schönen
Nachdem er über viele Jahre Projekte von Kollegen wie Stuart Gordon als Produzent begleitet hatte, wollte sich Brian Yuzna zudem einen Namen als Regisseur machen, wobei ihm das Drehbuch zu Society, ursprünglich als Slasher-Film gedacht, gerade recht kam. Nach einer Umarbeitung des Skripts trat jene Gesellschaftssatire zutage, als die Yuznas Regiedebüt bis heute betrachtet wird. Yuzna zeigte, nach der Erfahrung mit den Re-Animator-Filmen, sein Gespür für ein mögliches Publikum für den Film, der zuerst in Europa herauskam und dort auf sehr viel Kritikerlob stieß. Mit den Jahren hat der in Deutschland auch unter dem Titel Dark Society bekannte Film an seinem Biss nichts verloren und eher noch an Aktualität hinzugewonnen, je weiter die weltweite Kluft zwischen Arm und Reich wurde.

Schon in der fiktiven Welt von Society wirkt diese Kluft unüberwindbar und gewollt, legt die reiche Elite doch starken Wert auf eine signifikante Abgrenzung zu anderen Schichten. In die „Society“ kann man nur hineingeboren werden, ein Aufstieg ist unmöglich und naturgemäß nicht gewollt, wie es Bills Eltern ihm gegenüber aussagen. Durch das Merkmal der Exklusivität definiert sich die Elite als eine Art Klub oder als ein Kult, der nach eigenen Regeln geführt wird und in welchem die Villen wie antike Tempelanlagen in Szene gesetzt werden. Nur Status zählt hier, nichts anderes, denn mit normalen Menschen haben die Mitglieder der „Society“ schon lange nichts mehr zu tun, was man, ohne viel vorwegnehmen zu wollen, durchaus wörtlich nehmen kann.

Unter der Oberfläche
Mag man einer Geschichte, wie sie Yuzna, erzählt auch mangelnde Subtilität vorwerfen, so ist seine Inszenierung, die im Kontrast zu den Familienfilmen der 80er Jahre steht, dennoch über alle Zweifel erhaben. Mit seiner Aussage, dass man, wenn man nur an der Oberfläche kratzen würde, etwas Monströses zutage fördern könne, liegt Bill gar nicht so weit entfernt von der Realität, die naturgemäß noch viel schlimmer ist, als er es sich gedacht hat. Dennoch lässt Yuznas Film seinen Zuschauer im Dunkeln, ob es sich doch tatsächlich um die Hirngespinste eines jungen Mannes handelt, der nicht nur starke Medikamente verschrieben bekommt, sondern zudem von der ungeniert nach außen getragenen Sexualität und Dekadenz seiner Umwelt verwirrt ist.

Neben der gesellschaftskritischen Untertöne müssen zudem die Effekte des Films erwähnt werden. Der gerade in den 1980er vielbeschäftigte Screaming Mad George war für diese verantwortlich und treibt die Alptraumhaftigkeit der Handlung noch auf die Spitze, indem er die Charakteristika der dekadenten Oberschicht übernimmt und dieser einen Spiegel vorsetzt.

Credits

OT: „Society“
Land: USA
Jahr: 1989
Regie: Brian Yuzna
Drehbuch: Rick Fry, Woody Keith
Musik: Mark Ryder, Phil Davies
Kamera: Rick Fichter
Besetzung: Billy Warlock, Devin Devasquez, Evan Richards, Ben Meyerson, Charles Lucia, Connie Danese

Bilder

Trailer

Filmfeste

Sitges 1989
Fantasy Filmfest 2001

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3.8 (76%) 20 Artikel bewerten

Society
Brian Yuznas „Society“ ist eine vergnügliche Mischung aus Gesellschaftssatire und Horrorfilm. Aus heutiger Sicht ist „Society“ eine nach wie vor aktuelle Parabel auf die Exklusivität der Reichen, ihre Mentalität und ihre Dekadenz, die nicht nur mit Blick auf die US-amerikanische Gesellschaft noch heute gilt.
8von 10

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