Kritik

I Still Believe

„I Still Believe“ // Deutschland-Start: 13. August 2020 (Kino)

Die Freude ist groß bei Jeremy Camp (K.J. Apa), als er endlich aufs College geht und ein eigenes Leben beginnen kann. Die Zeit ist auch sehr aufregend, aber zugleich nicht ganz einfach. Denn als er seine Kommilitonin Melissa (Britt Robertson) kennenlernt und sich sofort in sie verliebt, sorgt das für Spannungen mit seinem besten Freund Jean-Luc Lajoie (Nathan Parsons), der nicht nur Jeremys Leidenschaft für christliche Musik teilt, sondern auch die für Melissa. Und so beschließen die beiden, ihre noch junge Beziehung erst einmal wieder zu beenden und sich anderweitig zu orientieren. Doch dieser Vorsatz hält nicht lange, als Jeremy einen Anruf mit einer schlechten Nachricht erhält: Melissa ist schwer krank …

In den USA haben sie sich eine zwar überschaubare, aber doch erträgliche Nische erkämpft: Filme, die vom christlichen Glauben handeln bzw. von Menschen, die dank diesem irgendwie durchs Leben kommen. Während diese Werke immer mal wieder den Einzug in die Top 10 der Box Office Charts schaffen, hält sich die Resonanz hierzulande eher in Grenzen. Vereinzelt wird es zwar immer mal wieder versucht, doch auch die europäischen Gläubigen in die Kinos zu locken, wo sie brav ihren Obolus entrichten dürften – etwa beim Wunderheilungsdrama Breakthrough – Zurück ins Leben –, vergleichbare Hits wie in Übersee sind da bislang aber nicht gelungen.

Große Namen, tiefer Glauben
Nun folgt mit I Still Believe der nächste Versuch, die heimischen Hits in die große weite Welt zu exportieren, und man baut dabei auf Prominenz. Die bezieht sich jedoch weniger auf Jeremy Camp. Während der christliche Singer Songwriter in den USA durchaus seine Fans hat und bislang vier Goldene Platten sein eigen nennen darf, hat man in der Fremde bislang wenig Notiz von ihm genommen. Dafür konnten bei der Besetzung einige große Namen gewonnen werden. Der oscarnominierte Schauspieler Gary Sinise und der Pop-Country-Superstar Shania Twain als Eltern, das ist mal eine Hausnummer. Vor allem aber Mädchenschwarm K.J. Apa (Riverdale, The Last Summer), selbst gläubiger Christ, sollte dafür sorgen, dass Zuschauerinnen im schmachtfähigen Alter angelockt werden sollen.

Apa macht seine Sache dann auch durchaus ordentlich, sowohl in den schauspielerischen wie auch musikalischen Momenten – der 23-jährige Neuseeländer hat sämtliche Gesangsparts selbst übernommen. Wer diese Musikrichtung mag, eine Mischung aus Soft Rock und Balladen, der darf sich auf eine Reihe von Darbietungen freuen. Besser noch sind die Momente, die sich allein aufs Zwischenmenschliche konzentrieren. Die anfänglichen Szenen innerhalb der Familie sind zum Beispiel ganz schön, das Zusammenspiel mit Britt Robertson (Den Sternen so nah) funktioniert ebenfalls. Es bleibt zwar nicht viel Zeit, um hier eine normale Beziehung zu etablieren, bevor das Schicksal zuschlägt. Aber es reicht für die Zielgruppe, um ein bisschen von der großen Liebe zu träumen.

Du musst das fühlen!
Dafür darf man sich aber nicht an den manipulativen Tendenzen stören, welche in I Still Believe recht dominant sind. Da wird nichts dem Zufall überlassen, das Publikum soll zu jeder Zeit wissen, was es zu fühlen hat. Und eben, was es zu glauben hat: Die Brüder Andrew und Jon Erwin, welche zusammen Regie führten und das Drehbuch schrieben, zeigten schon bei I Can Only Imagine – ein weiteres Biopic um einen christlichen Sänger –, dass ihnen nicht so wahnsinnig viel an Subtilität liegt. Da wird zwischendurch dem Kitsch gefrönt, der Glaube wird an so vielen Stellen eingebaut, wie es nur irgendwie ging. Was nicht ganz überraschend ist: Der Film soll schließlich davon handeln, wie man mithilfe des Glaubens selbst die dunkelsten Phasen seines Lebens überstehen kann.

Wer selbst diesem Glauben folgt, der kann sich hier dann auch richtig schön fallen lassen und Bestätigung finden. Darüber hinaus ist das Drama aber schon recht dünn. In die Figuren investieren die Erwin-Brüder praktisch gar nichts, die werden allein durch ihre Umstände definiert. Bei der Geschichte werden auch nur die üblichen Stationen eines solchen Leidensschicksals abgeklappert: Da gibt es keine Situationen oder Dialoge, die tatsächlich mal so etwas wie Persönlichkeit oder eine wirkliche Aussagekraft mit sich bringen. I Still Believe ist nicht mehr als eine musikalisch unterlegte Durchhalteparole für Clubmitglieder. Wem das reicht oder wer großer Fan dieser Jugenddramen um todkranke Jugendliche ist, der kann sich das anschauen. Den Rest wird das hier eher weniger bekehren können.

Credits

OT: „I Still Believe“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Andrew Erwin, Jon Erwin
Drehbuch: Jon Erwin, Jon Gunn, Madeline Carroll
Musik: John Debney
Kamera: Kristopher Kimlin
Besetzung: K.J. Apa, Britt Robertson, Melissa Roxburgh, Nathan Parsons, Shania Twain, Gary Sinise

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I Still Believe
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I Still Believe
In „I Still Believe“ verliebt sich ein junger christlicher Musiker in eine Kommilitonin und muss sich im Anschluss mit einem Schicksalsschlag auseinandersetzen, der seinen Glauben auf eine harte Probe stellt. Das ist grundsätzlich überzeugend dargestellt, hat inhaltlich jedoch nicht wirklich viel zu bieten. Statt Persönlichkeit und Feinarbeit gibt es emotionale Manipulation und religiöse Durchhalteparolen.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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