Kritik

Die verborgene FestungEs herrscht Krieg in weiten Teilen Japans und niemand bleibt von dessen Folgen verschont, auch nicht die beiden Farmer Tahei (Minoru Chiaki) und Matashichi (Kamatari Fujiwara), die für das Haus Akizuki kämpften, welches nun in der Schlacht besiegt wurde. Auf ihrem Weg zurück nach Hause stoßen sie durch Zufall auf einen Goldschatz, dessen Teile gut verborgen in Holzstücken versteckt sind. Doch ihre Freude währt nicht lange, denn sie treffen außerdem auf einen Fremden (Toshiro Mifune), der sich bald als General Rokurota Makabe herausstellt, eben jener Feldherr, der in der Schlacht gegen der Feind unterlag. Nachdem Tahei und Matashichi auch den Rest des Schatzes geborgen haben, treffen sie zudem auf eine junge Frau (Misa Uehara) und Makabe macht sie mit dem Plan vertraut, wie sie nun den Schatz vorbei an den feindlichen Armeen über die Grenze schmuggeln können. So machen sich die vier auf den Weg zur Grenze, doch was weder Tahei noch Matashichi weiß, ist, dass Makabes Begleiterin keine Geringere als Prinzessin Yuki, Anführerin des Hauses Akizuki ist, für deren Sicherheit der General sich nun verantwortlich fühlt. Neben dem Gold, welches das angeschlagene Fürstenhaus stabilisieren soll, muss Yuki auf jeden Fall überleben, da ansonsten das Haus verloren ist. Allerdings sind ihre Feinde der Gruppe, die sich als Holzsammler tarnt, auf den Fersen und eine Konfrontation scheint unausweichlich.

Der Weg durch das Land des Feindes
Nach dem stillen Drama Nachtasyl kehrte der japanische Regisseur Akira Kurosawa mit Die verborgene Festung wieder zurück zur Zeit der Samurai, der großen Fürstenhäuser und vor allem der großen Konflikte, wie sie das Land und die Menschen prägen. Vor allem aus technischer Sicht markiert Die verborgene Festung einen wichtigen Schritt in der Karriere des Filmemachers, nutzte er hier zum ersten Mal das Widescreen-Format, auf das er in seinen Folgewerken immer wieder zurückgreifen würde. Zudem gilt der Film als eines der einflussreichsten Werke Kurosawas und inspirierte beispielsweise George Lucas’ Star Wars, welche einige Parallelen zu Die verborgene Festung aufweist.

Generell wirkt Die verborgene Festung wie ein Vorreiter moderner Blockbuster. Das Drehbuch, das Kurosawa zusammen mit Shinobu Hashimoto schrieb, verbindet dramatische Elemente mit Action und Abenteuer, wobei die von Minoru Chiaki und Kamatari Fujiwara gespielten Farmer immer wieder für komödiantische Episoden sorgen aufgrund ihrer Gier und ihrer Tollpatschigkeit. Wie bei allen seinen Werken stehen vor allem die Charaktere im Vordergrund und die Welt, in der sie sich bewegen, weshalb sich die Geschichte viel Zeit lässt diese zu etablieren sowie die Dynamik der Figuren untereinander zu beleuchten. Besonders clever sind die ersten Minuten von Die verborgene Festung, die sich ganz auf Tahei und Matashichi konzentrieren, wie sie durch das vom Krieg geprägte Land ziehen und versuchen einfach nur zu überleben.

Auf den Willen zu überleben kommt die Handlung immer wieder zurück, behandelt Kurosawas Film doch die Frage, ob es Dinge oder Werte gibt, die über dem eigenen Überleben stehen können. Gerade Figuren wie Tahei und Matashichi wirken durch den Konflikt zwischen dem eigenen Überleben und den Werten wie Ehre, welche beispielsweise Makabe vertritt, hin- und hergerissen. Zum anderen zeigt es aber auch die Distanz zwischen dem einfachen Volk und den Herrschern dar, sind doch deren Ziele und Werte teils sehr anders gelagert.

Der Wert des Reisens
Wie schon Die sieben Samurai oder später in Yojimbo – Der Leibwächter erzählt Kurosawa vom Preis, den der Krieg vor allem von den einfachen Menschen, den Händlern und Bauern, verlangt. Die von Misa Uehara gespielte Prinzessin gibt zu verstehen, dass blind für die Belange dieser Menschen gewesen war, die unter dem Krieg leiden, deren Familien zerstört sind und die um ihr Überleben, wie Tahei und Matashichi, täglich kämpfen müssen. So ist die Reise auch eine Art Initiation für die Figuren, eine Art Kennenlernen der anderen Welt, die vormals verborgen schien wie jene Festung in den Bergen, in der sich Matabe mit Yuki lange Zeit versteckt hielt.

Jedoch ist es auch eine Reise von Helden, die im Zentrum von Die verborgene Festung steht. Der mittlerweile in solchen Rollen geübte Toshiro Mifune gibt eine sichere Darstellung eines Kriegers ab, der sein Leben ganz im Dienste der Ehre und dem seiner Herrin stellt. Mag auch Matabe im Gegensatz zu vielen anderen Figuren, sie Mifune unter Kurosawas Regie spielte, etwas blass sein, so gibt sie Mifune dennoch genug Gelegenheit seine Qualitäten als „leading man“ erneut unter Beweis zu stellen. Nicht nur darstellerisch, sondern auch inszenatorisch ein echter Höhepunkt bildet sein Lanzenkampf gegen einen übergelaufenen General.

Credits

OT: „Kakushi Toride no San-Akunin“
Land: Japan
Jahr: 1958
Regie: Akira Kurosawa
Drehbuch: Shinobu Hashimoto, Akira Kurosawa
Musik: Masaru Sato
Kamera: Kazuo Yamasaki
Besetzung: Toshiro Mifune, Misa Uehara, Minoru Chiaki, Kamatari Fujiwara, Susumu Fujita, Takashi Shimura

Bilder

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Die verborgene Festung
"Die verborgene Festung" von Akira Kurosawa ist eine gelungene Mischung aus Action und Drama mit einigen komödiantischen Elementen. Kurosawa beweist eine Sicherheit, wenn es darum geht eine Geschichte zu erzählen über den Krieg und die Menschen, die ihn ausfechten. Durch den Fokus auf die Charaktere und deren Welt gelingt ein packender Film, der gerade vor dem Hinblick heutige Blockbuster noch einmal daran erinnert, wie man einen solchen machen kann, ohne dabei oberflächlich zu sein.
8von 10

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