Kritik

Peindre ou faire l'amour Malen oder lieben

„Malen oder lieben“ // Deutschland-Start: 15. Juni 2006 (Kino) // 6. Dezember 2007 (DVD)

Madeleine (Sabine Azéma) und William Lasserre (Daniel Auteuil) hatten sich das eigentlich so schön ausgemalt. Sie wollte ohnehin mehr malen, er seinen Ruhestand genießen. Da klang es nach einer tollen Idee, sich ein Bauernhaus zu kaufen und aufs Land zu ziehen. Dabei hatten sie jedoch nicht damit gerechnet, die Bekanntschaft des blinden Bürgermeisters Adam (Sergi López) und seiner Frau Eva (Amira Casar) zu machen. Sie verstehen sich gut, von Anfang an, verbringen in Folge viel Zeit miteinander. Was jedoch anfangs ein rein freundschaftliches Verhältnis hätte sein sollen, bringt bald jede Menge verwirrende und aufregende Gefühle mit sich …

Man ist nie zu alt, um etwas aus seinem Leben zu machen, nie zu alt für eine neue Liebe! Das zumindest haben uns in den letzten Jahren eine Reihe von Filmen vor Augen geführt. Ob nun Book Club, Tanz ins Leben oder Britt-Marie war hier, Senioren und Seniorinnen wurden als neue Zielgruppe entdeckt, der mit Wohlfühlgeschichten ein bisschen Zuversicht und Hoffnung gespendet wird. Malen oder lieben kam schon ein paar Jahre vor diesem Trend in die Kinos und ähnelt auch nur zum Teil den obigen Kollegen. Denn wo viele mit einer enttäuschten Liebe anfangen und dies zum Anlass nehmen für eine späte Selbstentfaltung, da ist zwischen Madeleine und William alles in Ordnung. Niemand geht fremd, niemand wird unterdrückt. Wo also liegt das Problem?

Die gut versteckte Langeweile
Antwort: Es gibt keins. Tatsächlich ist die Beziehung von sehr viel Harmonie und Gemeinschaft geprägt. Man liebt sich, man hilft sich, ist füreinander da. Wenn es ein Problem gibt, dann das, dass hier zu viel Harmonie herrscht. Die beiden sind so sehr in ihren Ansichten und Routinen gefestigt, dass ihr Leben auf der Stelle tritt. Das versuchen sie zwar zu umgehen – sie durch die Malerei, er durch die Arbeit am Haus –, doch dabei handelt es sich um einen recht oberflächlichen Zeitvertreib, mit dem man sich sicher beschäftigen, jedoch weniger fordern kann. Die Begegnung mit dem anderen Paar, das einen sehr viel freieren Begriff von Liebe hat, wird für die zwei daher zu einem Aha-Moment, der sie vieles anders sehen oder zumindest in Frage stellen lässt.

Malen oder lieben bleibt dabei ein Film der leisen Töne. Die Komödie, die bei den Filmfestspielen von Cannes 2005 Premiere feierte, ist eine, die eher zum Schmunzeln als wirklich zum Lachen anregt. Immer wieder gibt es kleine Details, amüsante Zwischenfälle, die sich aus der Begegnung zweier Paare ergibt, die sich gut verstehen und dabei doch verschieden sind. Die wenig subtil Adam und Eva genannten Bekanntschaften bedeuten für Madeleine und William den Eintritt in einen Garten Eden, der mit neuen Erkenntnissen einhergeht – rationalen wie auch sinnlichen. Denn was als intellektueller Austausch beginnt, wandelt sich mit der Zeit in einen anderen.

Zwei Weltansichten unter sich
Die Brüder Arnaud und Jean-Marie Larrieu (Liebe ist das perfekte Verbrechen), die gemeinsam das Drehbuch schrieben und Regie führten, ziehen sich dabei auf die Position des Beobachters zurück. Wenn hier zwei Weltansichten aufeinanderprallen, die eine gutbürgerlich-traditionell, die andere freizügig-genussvoll, dann enthalten sie sich jeglichen Kommentars, wollen nicht werten. Ihnen reicht es, eine Gruppe von Menschen zusammenkommen zu lassen, von Neugierde und Zuneigung getrieben, mit Kontrasten, die nur manchmal in die Konfliktrichtung gehen.

Das ist dann weniger für ein Publikum gedacht, dass tatsächliche Culture-Clash-Feuerwerke sehen will. Trotz der körperlichen Annäherung bleibt Malen oder lieben auch recht züchtig, geht nicht als provokatives Werk durch. Stattdessen gibt es schöne Aufnahmen, die viel mit einer starren Kamera arbeiten, sowie ein spielfreudiges Ensemble. Gerade Sabine Azéma (Tanguy – Der Nesthocker) und Daniel Auteuil (Die schönste Zeit unseres Lebens) finden hierein eine dankbare Vorlage als Paar, das die Welt noch einmal mit neuen Augen zu sehen lernt. Das sich selbst auch noch mal neu und anders entdeckt und dadurch ermutigt, nicht erst auf den großen Krach oder einschneidende Ereignisse zu warten, um sich mal ein wenig umzuschauen, was da draußen – und da drinnen – vielleicht noch so auf einen wartet.

Credits

OT: „Peindre ou faire l’amour“
Land: Frankreich
Jahr: 2005
Regie: Arnaud Larrieu, Jean-Marie Larrieu
Drehbuch: Arnaud Larrieu, Jean-Marie Larrieu
Musik: Philippe Katerine
Kamera: Christophe Beaucarne
Besetzung: Sabine Azéma, Daniel Auteuil, Amira Casar, Sergi López

Trailer

Filmfeste

Cannes 2005

Kaufen/Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Malen oder lieben
„Malen oder lieben“ erzählt von einem Paar, das auf dem Land einen schönen Lebensabend sucht, durch eine neue Bekanntschaft aber sich und die Welt neu entdeckt. Die Komödie arbeitet dabei zwar durchaus mit Kontrasten, ohne sich jedoch in plumpe Gags zu stürzen. Stattdessen handelt es sich um einen ruhig erzählten Film, der ermuntert, ohne jedoch in irgendeiner Form das Ergebnis vorwegnehmen zu wollen.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Hinterlasse eine Antwort