Book Club

„Book Club“ // Deutschland-Start: 13. September 2018 (Kino)

Das Leben von Vivian (Jane Fonda), Diane (Diane Keaton), Carol (Mary Steenburgen) und Sharon (Candice Bergen) hat viele Höhen und Tiefen erfahren, oft ging es bei ihnen sehr turbulent zu – privat wie beruflich. Wie schön, dass es wenigstens eine Konstante gibt: Einmal im Monat treffen sie sich, um über Bücher zu reden. Das ist gut, das ist verlässlich … und wenig aufregend. Bis Vivian auf die Idee kommt, Fifty Shades of Grey als nächste Lektüre zu bestimmen. Die anderen sind alles andere als angetan davon, lassen sich dann aber doch darauf ein. Mit weitreichenden Folgen: Die prickelnde Lektüre animiert sie dazu, über das eigene Liebes- und Sexleben nachzugrübeln und so manches wieder in Frage zu stellen.

So fatal der demografische Wandel auf viele Aspekte des Lebens sein mag, beispielsweise für die Sozialversicherungskassen und das Gesundheitswesen, zumindest ein Nebeneffekt ist nicht so schlecht: Plötzlich entdecken immer mehr Filmemacher eine reifere Zielgruppe für sich, Liebesfilme müssen seither nicht mehr auf knackige Modelschönheiten beschränkt sein. Tanz ins Leben zeigte kürzlich eine Gruppe schwungvoller Senioren, die auch im Herbst des Lebens noch ihr romantisches Glück suchen. Dem will Book Club nun nicht nachstehen.

Zurück in die Vergangenheit
Ganz so aktiv wie die englischen Tanzmäuse gehen die vier erst einmal nicht zur Sache, Bücher lesen ist nun mal sehr viel weniger körperlich. Und eigentlich auch weniger auf soziale Interaktion aus. Dafür aber ist es schön altmodisch: Wenn hier vier ältere Damen in einem Buch schmökern, das noch aus richtigem Papier besteht, dann wird von vornherein klargemacht, dass wir hier keinem Zeitgeist hinterherlaufen müssen. Wobei die Bücher aber ohnehin nur ein Mittel zum Zweck sind. Eine große Rolle spielen die Romane nicht, selbst Fifty Shades of Grey, das auch als Verfilmung kräftig Kasse machte, ist nicht mehr als ein Katalysator für die (erotische) Selbstfindung.

Das ist grundsätzlich sympathisch, zumindest am Anfang auch recht witzig. Wenn die vier einander frotzeln, auch mit Selbstironie über ihre jeweiligen Leben reden, dann werden schöne Erinnerungen an die Golden Girls wach, die 30 Jahre zuvor im Fernsehen eine Lanze für Liebe im Alter brachen. Anspruchsvoll ist es sicher nicht, wenn etwa Sharon sich am Online-Dating versucht und dabei in mehrfacher Hinsicht komische Erfahrungen macht. Unterhaltsam hingegen schon, auch wegen der gut aufgelegten Veteraninnen.

Am Ende wird alles wieder gut
Leider geht dieser anfängliche Biss jedoch nach und nach verloren. So wie die Bücher keine Rolle spielen, so lässt auch Book Club nennenswerte Konflikte und Reibungen fallen. Stattdessen will der Film dann eben doch nur Wohlfühlkino sein. Das Publikum hat das dankbar aufgenommen, zumindest an den US-Kinokassen wurde die Liebeskomödie zu einem echten Überraschungshit. Das Kalkül, ältere Menschen stellvertretend für die Leute da draußen noch einmal ihr Lebensglück finden zu lassen, das ist zumindest finanziell aufgegangen.

Bedauerlich ist auch, wie wenig Book Club letztendlich mit der realen Situation eines älteren Publikums zu tun hat. Nicht nur, dass hier alle quietschfidel sind und sich nicht mit den körperlichen Gebrechen anderer herumplagen müssen, die vier sehen zudem selbst im Alter noch sehr gut aus und dürfen dabei noch echte Luxusleben führen. Geldprobleme? Das mag es woanders geben, hier hat nie jemand davon gehört. So schön es ist, dass hier mal ältere Damen im Mittelpunkt stehen dürfen, letzten Endes folgt Regisseur und Co-Autor Bill Holderman dann doch nur den üblichen Traumpfaden Hollywoods, tut nur so, als würde er sich wirklich für das Thema interessieren.

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Book Club
Vier ältere Freundinnen entdecken anhand von Erotiklektüre ihr eigenes Liebesleben wieder: Das ist sympathisch, anfangs auch witzig und allein schon der vier bestens aufgelegten Schauspielveteraninnen wegen sehenswert. Leider verliert „Book Club“ zunehmend an Biss, will am Ende doch nur Wohlfühlkino sein, das sich wenig von den jüngeren Traumfabrik-Romanzen unterscheidet.
6von 10

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