In ihrem Spielfilmdebüt Into the Beat – Dein Herz tanzt (Kinostart: 16. Juli 2020) spielt Alexandra Pfeifer eine aufstrebende Tänzerin, die zwischen dem klassischen Ballett, wie es ihr Vater tanzt, und dem Hiphop hin und her gerissen ist, dem Tanzstil ihrer neuen Liebe Marlon (Yalany Marschner) – die Geschichte einer künstlerischen und persönlichen Selbstfindung. Wir haben uns im Interview mit der Nachwuchsschauspielerin über ihre Erfahrungen beim Film, die Suche nach dem richtigen Tanzstil und das Leben als Künstlerin im allgemeinen unterhalten.

Nachdem du vorher schon Theater und Musicals gemacht hast, ist Into the Beat dein erster Film. Warum hast du dich entschieden, einen Film zu drehen?
Das hat sich einfach so ergeben. Es war ehrlich gesagt nie so mein Plan, weil ich auch nicht gedacht hatte, dass ich gut genug oder stark genug bin für die Filmbranche. Aber dann wurde ich spontan zum Casting eingeladen und als ich das Drehbuch gelesen habe, fand ich es megacool. Ich konnte mich direkt mit der Rolle identifizieren und habe gar nicht erst überlegt, ob ich es machen würde oder nicht. Denn die Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen.

Und wie war die Erfahrung für dich? War das einfacher oder schwieriger, als auf der Bühne zu stehen?
Es war auf jeden Fall ganz ganz anders, eine völlig neue Erfahrung. Ich würde schon sagen, dass es schwieriger war, aber einfach, weil es eben total neu war und man doch unter wirklich großem Druck stand, weil es etwas so Großes und Öffentliche ist. Aber ich habe sehr viel dadurch gelernt, was ich auch wieder für die Bühne verwenden könnte. Ich habe eine ganz neue Art von Schauspiel kennengelernt. So eine intensive Rollenerarbeitung hatte ich auch noch nie.

Du hast ja selbst sehr viel Erfahrung mit dem Tanzen. Musstest du dich für den Film in der Hinsicht noch gezielt vorbereiten oder konntest du einfach abrufen, was du bisher gemacht hast?
Es war sicher schon eine gute Basis da, auf der ich aufbauen konnte. Aber zum einen lernt man grundsätzlich nie aus. Ich konnte in neue Tanzstile reinschnuppern. Die große Challenge war auch, ständig zwischen diesen Tanzstilen zu wechseln. Außerdem ging es bei dem Training darum, fit zu werden für den Dreh und genug Kraft und Ausdauer aufzubauen, weil wir zum Teil acht bis zehn Stunden am Tag Tanzszenen gedreht haben. Da brauchtest du extrem viel Fitness und Ausdauer.

Seit wann tanzt du denn schon?
Das müssten jetzt so 15 Jahre sein. Ich habe früh angefangen mit Kindertanzen und Kinderballett.

Du hast vorhin gemeint, dass du dich mit der Rolle identifizieren kannst. Was haben du und Katja gemeinsam?
Katja und ich sind uns vom Typ her total ähnlich. Ich konnte mich mit vielen Kleinigkeiten identifizieren, angefangen bei der Familie, dass wir beide russische Wurzeln haben. Sie ist ein total verantwortungsbewusster Mensch, die sich immer um andere kümmert. Außerdem habe ich wie sie als Jugendliche gemerkt, dass mir das Ballett als Tanzen nicht reicht, es mir nicht alles gibt, was ich brauche. Dadurch bin ich selbst zum Hip-Hop gekommen. Auch den Vater-Tochter-Konflikt hatte ich ähnlich. Meine Eltern hatten die Vorstellung, dass ich klassische Pianistin werde. Ich wusste aber schon lange, dass ich das nicht werden will und musste einen ähnlichen Prozess mitmachen wie Katja.

Kommt deine Familie aus dem musikalischen Bereich?
Meine Mutter ist Klavierlehrerin. Ich spiele auch Klavier, seitdem ich drei bin. Das war also schon der Plan.

Und machst du noch Musik?
Ja, ich studiere tatsächlich derzeit in Salzburg Musik- und Tanzpädagogik. Die Musik ist deshalb nach wie vor ein treuer Begleiter.

Es dürfte wahrscheinlich auch nicht ganz einfach sein, die ganzen Sachen parallel zu machen. Da muss doch wahnsinnig viel Zeit dafür draufgehen.
Ja, es ist wirklich ultrazeitaufwendig. Es ist da auch manchmal schwer, einen Fokus zu legen, weil man immer und überall ist. Ich habe das auch beim Film gemerkt: Ich war wirklich dieses halbe Jahr nur bei diesem Projekt. Das hat so gut getan, sich mal auf eine Sache zu konzentrieren. Du kannst da wirklich mit einer ganz anderen Energie rangehen.

Katja muss sich in dem Film irgendwann zwischen dem Ballett und dem Hip-Hop entscheiden. Du hast gemeint, dass du selbst verschiedene Tanzstile gemacht hast und immer noch machst. Wenn du dich für einen Stil entscheiden müsstest, welcher wäre das? Welcher liegt dir besonders am Herz?
Das ist schwer, da ich mich grundsätzlich auch immer schwer entscheiden kann. Seit einigen Jahren tanze ich auch Contemporary. Das ist für mich die optimale Tanzrichtung, weil ich dort alles ein bisschen verbinden kann, die Technik vom Ballett, aber auch das Freie, Lockere aus dem Hip-Hop. Wenn ich mich entscheiden müsste, dann also wahrscheinlich dafür. Aber glücklicherweise muss ich mich ja nicht entscheiden.

Ein weiterer Konflikt von Katja im Film ist, dass sie ihr Privatleben komplett aufgeben muss, um beim Tanzen Perfektion zu erreichen und so das wichtige Vortanzen zu bestehen. Warst du auch schon in der Situation, so sehr von deinem Privatleben beansprucht zu sein, dass du kein Privatleben mehr hast?
Das war ich schon öfter in meinem Leben. Am intensivsten war das in der Filmvorbereitungszeit, weil ich wirklich in so einer Blase war und privat so gar nicht zu gebrauchen war. Das Training war so ultraeinnehmend und ich war so beschäftigt mit der Figurenarbeit, dass ich gar nicht mehr die Energie hatte für privates Zeug. Ich musste aber auch nach dem Abitur oft darauf verzichten, etwa abends wegzugehen, weil ich wichtige Aufnahmeprüfungen für Musicals gemacht habe. Da musste ich schon Prioritäten setzen.

Und war das nur in diesen Ausnahmesituationen so oder ist das generell ein Problem, wenn man einen künstlerischen Beruf ausübt?
Ich merke jetzt auch gerade im Studium, wie sehr sich das mit dem Privatleben vermischt, dass man das gar nicht mehr so krass trennen muss. Dein Umfeld passt sich da schon an und du bist eh von lauter Leuten umgeben, die in dem Bereich unterwegs sind oder dort arbeiten. Es wird daher eher leichter mit der Zeit.

Und wenn du dann doch mal ein Privatleben hast: Was machst du da, vielleicht auch als Ausgleich für deine künstlerische Tätigkeit?
Tatsächlich bin ich ständig von Musik und sowas umgeben. Es ist oft so, dass ich mich einfach ans Klavier setze, dann aber eher für mich Musik mache. Dann spiele ich die Songs, auf die ich Bock habe und nicht etwa für die Uni brauche. Ansonsten bin ich natürlich schon gerne mit Freunden unterwegs und gehe feiern. Ich schaue auch wirklich gerne Filme und Serien, was durch meine eigene Filmerfahrung noch einmal intensiver geworden ist.

Und ist von dir geplant, jetzt noch weitere Filme zu drehen? Was sind deine nächsten Projekte?
Ich würde ultragern weitermachen, weil ich da wirklich Blut geleckt habe, und hoffe sehr, dass sich durch Into the Beat vielleicht etwas Neues ergibt. Momentan steht in der Hinsicht noch nichts an und ich kümmere mich erst einmal wieder auf das Studium. Aber ich bin schon auf der Suche nach einer Agentur, weil ich wirklich gern auf Castings gehen würde.

Zur Person
Alexandra Pfeifer wurde 1999 in Stuttgart geboren. Seit vielen Jahren tanzt sie Ballett, später kamen Hiphop und Contemporary hinzu, eine Mischung aus Jazz und Hiphop. Alexandra spielt auch Klavier und Geige, singt und komponiert. Nach ihrem Abiturabschluss 2017 entschied sie sich für ein Studium der Musik- und Tanzpädagogik am Mozarteum in Salzburg. Außerdem sammelte sie Erfahrung in den Bereichen Tanz, Gesang und Schauspiel für Musicalproduktionen (Cats, Anatevka, Krabat, Hairspray) und am Theater. Mit Into the Beat – Dein Herz tanzt (2020) gab die ihr Filmdebüt als Tänzerin, die zwischen Ballett und Hiphop hin und her gerissen ist.



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Alexandra Pfeifer [Interview]
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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