Kritik

Lang lebe Charlie Countryman

„Lang lebe Charlie Countryman“ // Deutschland-Start: 20. Februar 2014 (DVD/Blu-ray)

Nach dem Tod seiner Mutter (Melissa Leo), die bereits lange Zeit im Krankenhaus lag, fällt Charlie (Shia LaBeouf) in ein tiefes Loch und weiß nicht, was er nun mit seinem Leben anstellen soll. Während sein Vater mit der eigenen Trauer zu kämpfen hat, erscheint Charlie im Drogenrausch seine Mutter und rät ihm, nach Bukarest zu fahren und dort ein Abenteuer zu erleben. Kurze Zeit später sitzt Charlie dann auch schon im nächsten Flug nach Rumänien und lernt einen Mann kennen, der zum ersten Mal in seinem Leben in den Vereinigten Staaten war, um sich seinen Lebenstraum, ein Baseballspiel live mitzuerleben, zu erfüllen. Die Freude Charlies über das nette Gespräch mit seinem Sitznachbarn schlägt um, als Charlie nach einem Nickerchen feststellt, dass dieser während des Flugs verstorben ist. In Bukarest angekommen, nimmt Charlie Kontakt zu Gabi (Evan Rachel Wood) auf, der Tochter seines Sitznachbarn, und richtet ihr eine letzte Botschaft ihres Vaters aus. Durch Zufälle begegnet er der schönen Musikerin immer wieder und verliebt sich schließlich in sie, kommt aber auch mit ihrem psychotischen Ex-Mann Nigel (Mads Mikkelsen) in Kontakt, der alles daran setzt, wieder Gabis Herz zu erobern, und dem Charlie als Nebenbuhler ein Dorn im Auge ist.

Der Rausch der Ferne
Mit Lang lebe Charlie Countryman legte der schwedische Regisseur Frederik Bond seinen ersten Spielfilm vor, nachdem er zuvor vor allem Werbeclips und Musikvideos, unter anderem für Künstler wie Moby drehte. Vor allem das semi-autobiografische Drehbuch Matt Drakes, der zuvor schon die Vorlage für die Komödie Project X geschrieben hatte, überzeugte Bond nach eigenen Angaben, den Schritt zum ersten Spielfilm zu machen, für den er nicht nur ein ansehnliches Ensemble an Schauspielern begeistern konnte, sondern auch in Bukarest drehen durfte. Insbesondere der für deine exzentrischen Anfälle berüchtigte Shia LaBeouf legte sich für seine Rolle im Film ins Zeug und nahm für einige Szenen im Film tatsächlich Acid, um den Rausch seiner Figur überzeugend spielen zu können, wie er es sagt. Das Ergebnis der gemeinsamen Bemühungen hat in vielerlei Hinsicht etwas von einem Rausch, denn auch wenn vieles vor allem auf formaler Ebene zu überzeugen weiß, so ergibt nicht unbedingt alles Sinn in diesem wilden Mix aus Romanze, Drama und Thriller.

Als Sinnbild für den gesamten Film gilt das Motiv der Sinnsuche, jenem vagen Gefühl eine Bestimmung finden zu müssen, die den Hauptcharakter antreibt. Ähnlich den von der Drogenkultur der 60er Jahre inspirierten Filme eines Roger Corman wie The Trip irrt Charlie durch die Straßen der rumänischen Hauptstadt, stets auf der Suche nach etwas, nach Gabi, nach seiner Jugendherberge oder eben nach einem sicheren Versteck vor seinen Verfolgern, die nicht lange auf sich warten lassen. Passend dazu sind Orte wie die Herberge anscheinend Zentren jener Gegenkultur und des alternativen Lebens, in denen keiner weiß, wie lange er oder sie schon dort ist und in denen Alkohol oder Drogen zur Tagesordnung gehören. Fast wirkt es so, als würde der Film diese Orte, wie auch Gabis Zuhause, als Gegenpole zu den Nachtklubs oder anderen Plätzen aufstellen wollen, als einen Gegenentwurf zu der Gewalt und der Dunkelheit.

Gerade Shia LaBeouf geht in der Rolle des Umherirrenden gänzlich auf, nicht nur emotional, sondern auch rein körperlich. In fast jeder Szene wirkt er außer Atem, hat die Haare unordentlich und wirkt abgehetzt, dann kann er aber auch jenen Romantiker oder den Trauernden spielen, der nach einem Halt im Leben sucht, wie auch die übrigen Charaktere im Film. Selbst der durch seine körperliche Präsenz unberechenbare Mads Mikkelsen spielt Nigel als jemand, der durch den Zerfall seiner Beziehung außer Kontrolle geraten ist und nach Wegen sucht, das zu reparieren, was zerbrochen ist.

Liebe und Musik
Besonders in den romantischen Szenen sowie den Verfolgungsjagden durch die Straßen Bukarests beweist Bond sein Talent für stilisierte Bilder, ein Verweis auf seine Vergangenheit im Bereich der Musikvideos. Gerade im Zusammenspiel mit der Musik Christophe Becks sowie den Songs von Moby erhält der Film nicht nur jene Rauschhaftigkeit, sondern auch diese überhöhte Dramaturgie der Romantik und der Liebe, jenes intensive Erleben, was für einen Charakter wie Charlie sowie die anderen Figuren so wichtig ist. Über diese Bildebene hinaus hat der Film aber meist nichts weiter zu vermitteln und bleibt trotz der überzeugenden formalen Arbeit irgendwie erschreckend leer.

Credits

OT: „The Necessary Death of Charlie Countryman“
Land: USA, Rumänien
Jahr: 2013
Regie: Fredrik Bond
Drehbuch: Matt Drake
Musik: Christophe Beck
Kamera: Roman Vasyanov
Besetzung: Shia LaBeouf, Evan Rachel Wood, Mads Mikkelsen, Til Schweiger, Rupert Grint, James Buckley

Bilder

Trailer

Filmfeste

Sundance 2013
Berlinale 2013

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Lang lebe Charlie Countryman
„Lang lebe Charlie Countryman“ ist ein vor allem auf ästhetischer Ebene interessanter Film, der auch dank seines Ensembles zu überzeugen weiß. Aufgrund des orientierungslosen Skripts sowie der inhaltlichen Dürftigkeit bleiben am Schluss vor allem einige wenige Bilder beim Zuschauer haften, aber ansonsten leider nicht viel mehr.
5von 10

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