Kritik

Arabeske Arabesque

„Arabeske“ // Deutschland-Start: 8. September 1966 (Kino) // 4. Januar 2007 (DVD)

Auf dem Gebiet altertümlicher Sprachen ist Professor David Pollock (Gregory Peck) eine renommierte Größe, ist in Fachkreisen sehr angesehen und bietet Seminare an der traditionsreichen Oxford Universität an. So ist es für ihn nicht weiter überraschend, als man plötzlich von höchster Stelle von ihm die Entzifferung einer hethitischen Inschrift anfordert. Doch schon bald versuchen sich mehrere Parteien gegenseitig zu überbieten, wenn es um die Dienste des Professors und dessen Honorar geht. Über den Premierminister des arabischen Staates, der auf Besuch in London, ist, erhält er den Auftrag den wohlhabenden Reeder Nejim Beshraavi (Alan Badel) auszuspionieren, für den Pollock die Inschrift übersetzen soll. Aus Respekt vor dem Minister nimmt Pollock den seltsamen Auftrag an. Damit beginnt für den Professor eine Reihe wilder und gefährlicher Abenteuer, denn durch seine Tätigkeit für den Reeder und dessen Geliebte Yasmin Azir (Sophie Loren) gerät Pollock mitten in eine Verschwörung, bei dem er schon bald nicht mehr weiß, wer eigentlich wen ausspioniert und wer auf seiner Seite ist. Hinzu kommt, dass die Inschrift ein geheimer Code ist, der Schlüssel zu einem Attentat, das nur Pollock verhindern kann.

Ein bisschen Entführung
Wegen unvergessener und höchst unterhaltsamer Werke wie Singin‘ in the Rain und Charade gehört Regisseur Stanley Donen ohne Zweifel zu den ganz großen Namen Hollywoods und des Unterhaltungskinos generell. Die Verfilmung des Agentenromans The Cypher von Alex Gordon sollte nach Charade an dessen großem kommerziellen wie kritischen Erfolg anknüpfen, doch als dann der eigentlich für die Rolle des David Pollock vorgesehen Cary Grant das Projekt verließ, war dies nur Glied einer Kette von Missgeschicken und Unstimmigkeiten, die leider auch ihren Weg in den finalen Film fanden. Denn trotz einiger durchaus gelungener Stellen ist Arabeske ein durchwachsener Streifen, der nicht so recht weiß, was er sein möchte und auch auf darstellerischer Seite nicht immer funktioniert.

Viele Filme in den 1960er Jahren versuchten jene Mischung aus Unterhaltung und Spannung zu wiederholen, welche den Kern vieler Werke Alfred Hitchcocks bilden. Insbesondere das Konzept des Unschuldigen, der sich durch Zufall in einem Komplott wiederfindet und der nun einen Weg aus diesem herausfinden muss, findet sich auch in gewisser Weise in Donens Charade wieder und bildet auch das erzählerische Fundament von Arabeske. Die Besetzung Gregory Pecks in der Rolle des würdevollen, wenn auch etwas verdatterten Intellektuellen ist durchaus in Ordnung, aber gerade jene Leichtigkeit, mit der Grant den Wechsel zwischen Ernst und Komik vollzogen hat, fehlt in vielen Szenen, so dass Donens Film nicht immer den richtigen Ton trifft. Dies liegt nun weniger an Peck, sondern vielmehr an einem Drehbuch, welches ganz klar auf einen anderen Darsteller gemünzt war und viele, wahrscheinlich hastige Umarbeitungen durchgemacht hat.

Darüber hinaus stimmt auch die Chemie mit Sophia Loren nicht immer, einer Schauspielerin, die sich aus irgendeinem Grund immer wieder in komödiantischen Rollen wiederfand, die aber nicht ihrem Naturell als Darstellerin entsprechen. Auch in Arabeske finden sich wiederholt Beispiele dafür, beispielsweise die Actionszenen oder die leidlich unterhaltenden Dialoge zwischen ihr und Alan Badel, dessen Interpretation des Antagonisten sich sehr an gewissen Bösewichten der James Bond-Reihe anlehnt.

Opulentes Durcheinander
Donen und Kameramann Christopher Challis waren sich wohl der Unstimmigkeiten im Drehbuch bewusst und haben viel getan, um den Zuschauer von diesen Misstönen abzulenken. Neben der opulent ausgestatteten Sets wie dem Anwesen Beshraavis sind dies auch die exzellent geschnittenen und choreografierten Actionszenen, die tatsächlich an ähnliche Szenen aus dem Repertoire eines Hitchcock erinnern. Insbesondere die Verfolgung durch den Zoo gehört zu den sehr sehenswerten Sequenzen des Films.

Daneben sollte man auch die Musik Henry Mancinis loben, der seine bereits gute Arbeit in Charade in Arabeske fortsetzt und der, im Gegensatz zum eigentlichen Film, sehr wohl die ernsten wie auch die leichten Aspekte der Handlung gekonnt akzentuiert.

Credits

OT: „Arabesque“
Land: USA
Jahr: 1966
Regie: Stanley Donen
Drehbuch: Julian Mitchell, Stanley Price, Peter Stone
Vorlage: Alex Gordon
Musik: Henry Mancini
Kamera: Christopher Challis
Besetzung: Gregory Peck, Sophia Loren, Alan Badel, Kireon Moore, Carl Duering, John Merivale

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
BAFTA Awards 1967 Beste Kamera Christopher Challis Sieg
Bester Schnitt Frederick Wilson Nominierung
Beste Kostüme Christian Dior Nominierung

Filmfeste

Berlinale 1993

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Arabeske
"Arabeske" ist eine durchwachsene Mischung aus Komödie und Verschwörungsthriller. Zwar stimmt auf formaler Sicht vieles an Stanley Donens Film, aber leider verdeckt dies nicht immer die Fehlbesetzungen sowie die zahlreichen Unstimmigkeiten des Drehbuchs.
5von 10

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