Kritik

The Gambler

„The Gambler“ // Deutschland-Start: 15. Januar 2015 (Kino) // 28. Mai 2015 (DVD/Blu-ray)

Tagsüber arbeitet Jim Bennett (Mark Wahlberg) als Literaturdozent, versucht den Begabten wie Amy Phillips (Brie Larson) etwas mit auf den Weg zu geben und den Rest davon zu überzeugen, sich doch besser einen anderen Beruf auszusuchen. Sein eigenes Leben ist jedoch vom Spielen bestimmt. Manchmal gewinnt der Professor, der selbst einmal als schriftstellerisches Talent galt. Oft tut er es nicht. Tatsächlich hat er zur Zeit gewaltige Spielschulden, ist dabei in richtig finstere Kreise geraten. Sicher, seine reiche Mutter Roberta (Jessica Lange) kann immer mal wieder mit etwas Geld aushelfen. Doch längst ist Jim die Geschichte und seine Sucht über den Kopf gewachsen …

Wenn Mark Wahlberg vor der Kamera steht, dann gern für körperbetonte, actiongeprägte Rollen, manchmal auch für humorvolle Filme. Zuletzt war er in Spenser Confidential zu sehen, der Mischung aus beidem. Als Charakterdarsteller hat man das ehemalige rappende Unterwäschemodel jedoch eher seltener gesehen, selbst das gefeierte Boogie Nights war eher an seinem Körper als an seinen mimischen Fähigkeiten interessiert. Umso mutiger war es von Regisseur Rupert Wyatt (Planet der Affen: Prevolution) Wahlberg für sein Remake von Spieler ohne Skrupel auszusuchen, wo weder Action noch Humor angesagt ist, der Schauspieler zudem fast durchweg seine Klamotten anbehält.

Alles langweilig
Andererseits, so wie Jimmy in The Gambler angelegt ist, braucht es nicht so wirklich viel schauspielerische Wandlungsfähigkeit. Mag sein, dass der einst so ambitionierte Autor bei seinem Erstling, der ihm den Job als Dozent einbrachte, viel sprachliches Talent und Einfallsreichtum zeigte. Davon ist jedoch nicht mehr viel übrig geblieben. Inzwischen starrt er nur noch unbeteiligt vor sich her, blüht allenfalls dann auf, wenn er den Studenten und Studentinnen ihre Mittelmäßigkeit an den Kopf wirft. Außer Amy. Was an ihr so toll ist, das verrät der Film jedoch ebenfalls nicht: Weder dürfen wir ihre schriftlichen Arbeiten mal sehen bzw. hören, noch sagt sie als Person etwas, das irgendwie nennenswert wäre.

Das ist auch das größte Manko von The Gambler: Für einen Film, der eigentlich ein Charakterporträt sein will, hat er ausgesprochen wenig Charakter. Jim ist so sehr von seinem Leben und der Sinnlosigkeit seines Lebens gelangweilt, dass der einzige Nervenkitzel – so scheint es zumindest – das Spielen ist. Doch das führt eher dazu, dass man auch als Zuschauer recht schnell von ihm genug hat. Einfach nur zu wiederholen, dass alles mittelmäßig und damit wertlos ist, macht aus einer Figur keinen spannenden Menschen. „Alles oder nichts“, lautet das Motto des Spielers. Seine steigenden Einsätze und der Kontrollverlust werden aber von einer eigenen Gleichgültigkeit begleitet, die nicht unbedingt dazu verleiten, selbst irgendwie Anteilnahme zu zeigen.

Selbstsucht ohne Konsequenzen
Es ist noch nicht einmal so, dass die unbegrenzte Ichbezogenheit des Protagonisten für nennenswerte Reibungspunkte sorgen würde. Abgesehen von seiner Mutter, die ihn schon längst aufgegeben hat, regt sich schon kaum einer mehr über ihn auf. Selbst bei den gefährlichen Gangstern ist in erster Linie Schulterzucken angesagt. Da wird dann zwar brav Gewalt angedroht, mal auch ein bisschen mehr als nur das. Es entsteht daraus aber keine Spannung. Kein Gefühl, dass es hier wirklich um etwas gehen könnte, keine Angst, keine Wut oder Verzweiflung. Es gibt nur Fatalismus. So etwas kann faszinierend sein, im Fall von The Gambler wird aber nur stylische Oberflächlichkeit daraus.

Am ehesten lohnt sich der Film noch für die diversen Nebenfiguren. Jessica Lange setzt als biestige, herablassende Mutter ohne Ausweg setzt vereinzelt Glanzpunkte. John Goodman wiederum hat Spaß mit seiner Rolle als Kredithai, der so etwas wie väterliche Gefühle für den hoffnungslosen Spieler entwickelt. Zusammen mit den schönen Bildern könnte das reichen, um sich die rund 110 Minuten zu füllen, die The Gambler für sich einfordert. Anders als bei den diversen Spielen, die das Schicksal der Titelfigur bestimmen, bleibt das Krimidrama aber ohne sehr viel Konsequenz. Es geschieht, was geschieht oder auch nicht geschieht, das Leben geht weiter, sei es als mittelmäßiger Autor oder Krimineller. Das ist fast schon tröstlich, wäre es nicht so egal.

Credits

OT: „The Gambler“
Land: USA
Jahr: 2014
Regie: Rupert Wyatt
Drehbuch: William Monahan
Musik: Theo Green, Jon Brion
Kamera: Greig Fraser
Besetzung: Mark Wahlberg, John Goodman, Brie Larson, Michael K. Williams, Jessica Lange, Alvin Ing

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The Gambler
3.96 (79.13%) 23 Artikel bewerten

The Gambler
„The Gambler“ zeigt einen Literaturdozenten, der sich in Glückspielen verliert und immer tiefer verschuldet. Dabei gelingt es dem Film nicht, die Situation des Spielers als brenzlig zu zeigen, auch weil ihm selbst alles egal zu sein scheint. Als Zuschauer lässt man sich von dieser Gleichgültigkeit anstecken, von einigen Glanzpunkten bei den Nebendarsteller*innen abgesehen ergibt sich das Krimidrama seiner eigenen stylishen Langeweile.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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