Kritik

Der König von Köln

„Der König von Köln“ // Deutschland-Start: 11. Dezember 2019 (TV) // 24. April 2020 (DVD)

Andrea Di Carlo (Serkan Kaya) ist ein italienischstämmiger Familienvater, der als einfacher Beamter im Bauamt in Köln tätig ist und dessen Geschichte, wie so viele andere auch, während des Karnevals beginnt. Als ehrgeiziger und vorbildlicher Arbeitnehmer ist er auf penible Genauigkeit getrimmt und hat einen starken Sinn für Recht und Ordnung, möchte sich jedoch gleichzeitig auch profilieren und damit seine Karriere vorantreiben, um seiner Familie ein angemessenes Leben bieten zu können. Doch allein schon sein Heim bereitet ihm Sorgen, denn es steht unter Denkmalschutz, weshalb der notwendige Anbau für den Nachwuchs leider unmöglich erscheint. Da er sich nicht lumpen lässt, wird er zur Teilnahme am Karneval breitgeschlagen, wo sich ein paar sehr überraschende Entwicklungen auftun. Er merkt nicht nur, wie wichtig Vitamin B in dieser Stadt ist, sondern bekommt durch ein recht tragisches Ereignis von heute auf morgen sogar die Möglichkeit, kommissarischer Baudezernent zu werden. Womit er jedoch nicht gerechnet hat ist, dass er dafür über die ein oder andere Vorschrift großzügig hinwegblicken muss, denn der Bauunternehmer Asch (Rainer Bock) hat seine Finger überall im Spiel und lässt sich nur sehr ungerne seine Pläne vermiesen.

Klischeehaft und doch unfassbar ernst
So fiktiv und klischeehaft sich die Handlung auch anhört, so viel Wahrheit liegt ihr auch zu Grunde, weshalb dieses Werk neben der eigentlich satirischen Aufarbeitung auch einer Dokumentation ähnelt. Zwar wurden Figuren und tatsächliche Vorgänge teilweise frei erfunden, doch basieren die dargestellten Ereignissen vor allem auf dem Bau der Kölner Messehallen um 2006, die recht klar verdeutlichten, wie Geschäfte auf höchster Ebene getätigt werden und wie die eigene Macht in den Ämtern missbraucht werden kann und teilweise auch wird. Diese inhaltliche Brisanz sorgte tatsächlich dafür, dass um das Werk ein kleines Geheimnis gemacht wurde, um jegliche Verhinderungen an der Ausstrahlung zu vermeiden.

Kann dieses etwas kritische Werk jedoch auch ohne das Wissen um die recht wahre Hintergrundgeschichte überzeugen? Weitestgehend ja, denn Regisseur Richard Huber schafft es, die prekäre Situation geschickt aus der Perspektive eines völlig unbescholtenen Bürgers zu zeigen und damit die Position zu vertreten, die wohl der Großteil der Zuschauer einnehmen dürfte. Dabei scheint es jedoch, als würde mit der Faktenlage etwas flapsig hantiert und diese großzügig ausgelegt, was leicht dazu führen kann, dass das Werk auf das Gleis der irrwitzigen Verschwörungstheorien gegen Machthaber geschoben wird. Zwar ist die dargestellte Satire ein überaus gelungenes Schnippchen, da solche Mauscheleien tatsächlich einfach fassungslos machen und zugleich zum Lachen anregen, doch wird dabei einfach die Ernsthaftigkeit zu stark riskiert und eben der schmale Grat dazwischen nicht so ganz geschickt getroffen. Als größten Kritikpunkt ist dabei die Sprunghaftigkeit der Erzählweise anzusehen, die sowohl das Zeitgefühl völlig verschwinden lässt als auch den Fokus für die Hauptfigur. Denn wo eigentlich der einfache Beamte mit seiner Familie im Fokus der Geschichte steht, werden die Storyentwicklungen doch etwas zu häufig auf den einflussreichen Bauunternehmer zugeschnitten. Dies bringt natürlich einiges an Brisanz in die Handlung und weitet die dargestellten Dreistigkeiten massiv aus, hemmt aber gleichzeitig die Sympathieentfaltung gegenüber dem eigentlichen Protagonisten.

Kölsche Levve jederzigg
Punkten kann das Werk vor allem in der lokalen Konzentration, denn nicht nur das alle Szenen auch in Köln gedreht wurden, vielmehr ist jegliche Darstellung entsprechend der Kölner Lebensphilosophie inspiriert und stets untermalt mit klassischen Melodien des Karnevals, die dem Laien durchaus mal ein spannenden Einblick in diesen deutschen Kulturzweig bieten. Zudem brilliert Rainer Bock mit seiner scharfzüngigen Art, die, verkörpert in der Figur Asch, fast schon eklig und widerwärtig auf den Zuschauer ausgestrahlt wird und gleichzeitig die Faszination seiner Vielseitigkeit stets unvergleichlich intelligent repräsentiert. Es macht einfach Spaß ihm bei seiner Figureninterpretation zuzuschauen.

Credits

OT: „Der König von Köln“
Land: Deutschland
Jahr: 2019
Regie: Richard Huber
Drehbuch: Ralf Husmann
Musik: René Dohmen, Joachim Dürbeck
Kamera: Robert Berghoff
Besetzung: Rainer Bock, Joachim Król, Jörg Hartmann, Serkan Kaya, Ernst Stötzner, Ulrich Brandhoff, Judith Engel, Katrin Röver, Felix Vörtler, Eva Meckbach

Bilder

Trailer

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Der König von Köln
Ungeschönt und für den ein oder anderen Schmutzler im Angesicht totaler Fassungslosigkeit zu haben, zeigt und Rainer Bock in einem erneut unterhaltsamen und fabelhaften Auftreten die Skrupellosigkeit der reichen Obrigkeiten. Hinsichtlich der Missachtung aller Vorschriften schafft "Der König von Köln" zu faszinieren und zu unterhalten, birgt jedoch einige sprachlichen Verständnisprobleme in sich, sowie eine nicht ganz klar und eindeutig definierte Humorschiene. Das teils unnütze Geschwafel bringt weder die Handlung voran und lenkt etwas von der eigentlichen Brisanz ab.
7von 10

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