Kritik

Die Graefin von Hongkong Frontpage

„Die Gräfin von Hongkong“ // Deutschland-Start: 10. Februar 1967 (Kino) // 17. März 2005 (DVD)

Nach einer Weltreise kehrt der amerikanische Diplomat und Öl-Magnat Ogden Mears (Marlon Brando) wieder in die Staaten zurück. Aufgrund seines Rufes und Expertise gilt er als geeigneter Kandidat für den Posten des amerikanischen Botschafters in Saudi-Arabien, sodass er und seine Berater darauf bedacht sind, diesen makellosen Ruf zu schädigen. Daher möchte Ogden seine Scheidung von seiner Frau Martha (Tippi Hedren) nach seiner Rückkehr so bald und so still wie möglich hinter sich bringen. Jedoch gibt es nach einem Stopp in Hongkong einige Probleme, denn eines Morgens bemerkt er eine blinde Passagierin in seiner Kabine: Natascha (Sophia Loren), eine sowjetische Gräfin, die als Prostituierte gezwungen war, in Hongkong ihr Geld zu verdienen, hat die Gunst der Stunde genutzt und sich bei Ogden nach einer feucht-fröhlichen Nacht einquartiert. Nachdem nun auch Ogdens Berufung als Botschafter gesichert ist und die Presse ihn belagert, müssen er und seine Berater all ihr Geschick anwenden, um Natascha zu verstecken, die sich von der Reise in die USA einen amerikanischen Pass und damit ein Entkommen von ihrem Leben in Hongkong erhofft. Doch recht bald ist die Verbindung von ihr zu Ogden nicht mehr länger nur eine Zweckgemeinschaft, denn beide haben Gefühle füreinander entwickelt.

Von Heimatlosen und Entwurzelten
Mit Die Gräfin von Hongkong drehte Charlie Chaplin 1967 den letzten Film seiner langen Karriere und gleichzeitig seinen ersten seit zehn Jahren. Die Idee für den Film trug Chaplin aber schon lange mit sich herum, denn das ursprünglich unter dem Titel Stowaway geführte Drehbuch sollte Chaplins damaliger Frau Paulette Goddard, mit der er unter anderem Der große Diktator drehte, gewidmet sein und dieser eine Hauptrolle bescheren. Inspiriert wurde Chaplin von der Lebensgeschichte einer russischen Sängerin, die er auf einer seiner Europareisen in den 30er Jahren kennenlernte und die ohne Pass versuchte, sich durch Gelegenheitsjobs in Paris über Wasser zu halten.

Trotz seiner vielen komödiantischen Akzente ist Die Gräfin von Hongkong ein Drama über Themen wie Entwurzelung und Heimatlosigkeit, ein, wenn man so will, Lebensthema des Regisseurs. Die Bilder des Hongkonger Nachtlebens führen den Zuschauer in jene Nachtclubs, in denen Emigrantinnen, meist mit Adelstiteln, ihre Freier unterhalten und so versuchen, ein einigermaßen erträgliches Leben zu führen, immer auf der Suche nach jemandem, der ihnen den so dringend benötigten Pass und damit das Entkommen aus diesem unwürdigen Leben garantiert. So kehrt Chaplin zu der Not und der Verzweiflung zurück, die so viele seiner Charaktere ausmacht und die ihrem Handeln bei aller Komik immer auch eine verzweifelte Note gibt.

Gerade in den ruhigen Szenen, die nicht zu der wahrscheinlich unvermeidlichen Verwechslungskomödie zählen, die Chaplin bisweilen inszeniert, gibt der Film Einblick in die Gefühlswelt einer Figur wie Natascha, die sich nach einem Leben in Würde sehnt. Ein Entkommen aus der Verzweiflung nennt sie ihre Flucht an einer Stelle und man ist gewillt, es ihr zu glauben, was nicht zuletzt auch dank der darstellerischen Leistung Lorens in diesen Szenen gelingt.

Verstecken und vertuschen
Bedenkt man alleine den zeitgeschichtlichen Kontext des Films, muss Die Gräfin von Hongkong schon für damalige Verhältnisse erschreckend altmodisch gewirkt haben. Die sehr bühnenhafte Inszenierung, die sich in der sich stets wiederholenden Komödie des Versteckens und Vertuschens erschöpft sowie die mangelnde Chemie zwischen Brando und Loren überzeugen wenig, wirken angestrengt und gerade im überdrehten letzten Drittel des Films ermüdend. Spätestens nach einer halben Stunde hat man das alberne Treiben satt und wünscht sich wieder etwas Ruhe in diesem sehr hektischen Film, befasst er sich doch mit vielen ernsten Themen, die etwas Besseres verdient hätten.

Credits

OT: „A Countess from Hong Kong“
Land: UK
Jahr: 1967
Regie: Charie Chaplin
Drehbuch: Charlie Chaplin
Musik: Charlie Chaplin
Kamera: Arthur Ibbetson
Besetzung: Marlon Brando, Sophia Loren, Sydney Chaplin, Tippi Hedren, Patrick Cargill, Michael Medwin

Trailer

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Die Gräfin von Hongkong
4.33 (86.67%) 9 Artikel bewerten

Die Gräfin von Hongkong
„Die Gräfin von Hongkong“ ist eine eher durchwachsene Komödie, welche die Ernsthaftigkeit ihrer Themen durch sich wiederholende Gags und Situationskomik verspielt. Zudem kann das talentierte Ensemble nicht über die mangelnde Chemie hinwegtäuschen, gerade bei den beiden Hauptdarstellern, denen man die Romanze nie wirklich abnimmt.
5von 10

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