Kritik

Die Bösen schlafen gut The Bad Sleep Well

„Die Bösen schlafen gut“ // Deutschland-Start: 3. September 2017 (DVD)

Es soll ein feierlicher Anlass sein, aber leider wird die Hochzeit von Koichi Nishi (Toshiro Mifune) und der Tochter des wohlhabenden Industriemagnaten Iwabuchi (Masayuki Mori) zu einem Skandal. Eine Reihe von Anschuldigungen wegen Unterschlagung und Korruption halten den Konzern die Dairyu Construction Company derzeit in den Schlagzeilen, was den Ruf der Firma sowie den ihrer höheren Mitarbeiter schädigt. Im Zuge der Festnahme einer ihrer Buchhalter bei besagter Hochzeit werden die Ermittler zudem auf einen länger zurückliegenden Vorfall aufmerksam gemacht, der damals von den Konzernchefs, allen voran Iwabuchi, vertuscht wurde. Einer ihrer Angestellten, ein Mann namens Furuya, hatte sich aus einem Fenster im siebten Stock des Firmensitzes in den Tod gestürzt. Während die oberen Reihen der Firma im Dunkeln tappen, was den Ursprung der Gerüchte, Verhaftungen und Anschuldigungen angeht, verschwindet einer ihrer Buchhalter spurlos und ein anderer wird angeblich von dessen Geist verfolgt. Dies ist alles Teil Nishis Plan, denn er ist der uneheliche Sohn Furuyas, der eine andere Identität angenommen hat und nun Rache an Iwabuchi sowie seinen Helfern nehmen will.

Die Methoden der Macht
In vielerlei Hinsicht markiert das Jahr 1959 einen Einschnitt in der bis zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon sehr erfolgreichen Karriere des japanischen Regisseurs Akira Kurosawa. Nachdem er mit Filmen wie Die sieben Samurai und Rashomon im eigenen Land Erfolge feierte und international gefeiert wurde, tat Kurosawa mit der Gründung der Kurosawa Production Company einen entscheidenden Schritt in Richtung Eigenständigkeit und künstlerischer Freiheit, da er sich so mehr Mitspracherecht und Einfluss auf seine Projekte versprach. So ist es schon auf wirtschaftlicher Sicht mutig, wenn Kurosawa sich mit Die Bösen schlafen gut als ein erstes Projekt für seine Firma einen Film aussucht, wie er bissiger und kritischer nicht sein könnte. Unter Zuhilfenahme von Motiven aus William Shakespeares Drama Hamlet zeichnet Kurosawa ein dunkles Bild seiner Heimat nach dem Krieg, vor allem der Verstrickungen von Politik und Konzernen und welche Konsequenzen dies für demokratische Prozesse hat.

Im Kontext von Kurosawas Werk mag man Die Bösen schlafen gut als den pessimistischsten Film des Regisseurs ansehen. Wie in vielen anderen seiner Filme besetzt Kurosawa die Hauptrolle mit Toshiro Mifune, der mit Nishi eine für ihn sehr ungewöhnliche Rolle spielt, erscheint dieser in mancher Hinsicht als Teil jener grauen, starren Hierarchie des Konzerns, ein Angestellter, bemüht um Korrektheit und Genauigkeit. Ähnlich berechnend geht er bei der Planung und Ausübung seiner Rache vor, deren Ausmaß sich dem Zuschauer erst nach einer Weile erschließt. Dieser Mensch ist eine Chiffre, jemand, der sich seinen Hass im Innersten bewahrt und eine kalte, emotionslose Maske trägt, die seine Gefühle verbergen soll.

Strukturen im Schatten
Ähnlich wie der dänische Königshof in Hamlet ist die Hierarchie der Dairyu Construction Company eine Art Schattenkabinett, eine hermetische Einheit, die sich nur durch gelegentliche Skandale dem Volk zeigt, aber ansonsten diskret und im Verborgenen bleibt. Generell ist die Perspektive des Volkes, die bei Shakespeare zumindest noch in Ansätzen existierte, bei Kurosawa nicht vorhanden, wobei er sich vollends auf die Verhältnisse innerhalb des Konzerns fokussiert. Dies findet sich in der Ästhetik des Films wieder, beispielsweise wenn sich viele Szenen innerhalb von Büroräumen abspielen, deren Strukturen Aspekte wie Paranoia und Klaustrophobie betonen, gerade innerhalb eines Gebildes, in dem keiner dem anderen traut und welches per Definition auf Kontrolle, Macht und Angst beruht.

Von daher erscheint es wenig überraschend, wenn sich Kurosawa und Kameramann Yuzuru Aizawa visuell sehr bei der Ästhetik des film noir bedienen, einem Genre, welches sich schon immer Themen die Korruption und Betrug auch auf filmästhetischer Ebene annäherte. Auch im Falle privater Räume nutzt der Film diese Herangehensweise, was die Verwischung der Grenzen zwischen dem Konzern und dem Privaten betont.

Credits

OT: „Warui yatsu hodo yoku nemuru“
Land: Japan
Jahr: 1960
Regie: Akira Kurosawa
Drehbuch: Akira Kurosawa, Tomoyuki Tanaka
Musik: Masaru Sato
Kamera: Yuzuru Aizawa
Besetzung: Toshiro Mifune, Masayuki Mori, Tatsuya Mihashi, Takeshi Kato, Kamatari Fuiwara

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Die Bösen schlafen gut
3.86 (77.14%) 21 Artikel bewerten

Die Bösen schlafen gut
„Die Bösen schlafen gut“ ist ein dunkler Film über Macht, Korruption und moralischen Verfall, der zugleich ein pessimistisches Bild Japans nach dem Zweiten Weltkrieg entwirft. Dank der überzeugenden Darsteller und der passenden Ästhetik ist dieser Film Akira Kurosawas ein sehr sehenswerter Eintrag innerhalb eines Werkes, welches schon längst Filmgeschichte geschrieben hat.
9von 10

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